Leben

Nachhaltig mit dem Kreuzfahrtschiff übers Meer schippern?

von Michaela Gerganoff

Wer Kreuzfahrtschiffe mag, musste bislang bei der Öko-Bilanz beide Augen zudrücken. Das soll sich mit neuen Flotten und Landstromanlagen ändern.

Das Kreuzfahrtschiff Celebrity Constellation.
Kreuzfahrtschiffe haben eine miese Öko-Bilanz – das soll sich künftig ändern. Foto: Shutterstock / ImagineStock

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie Kreuzfahrtschiffe die Umwelt mit Schweröl und Stickoxiden belasten
  • Wie Landstrom und alternativ Antriebe Kreuzfahrtschiffe von Aida & Co. nachhaltiger machen sollen
  • Warum der Hamburger Hafen ein Vorreiter in der Umrüstung ist

Für viele ist diese Urlaubsform ein großer Traum: die Reise mit dem Kreuzfahrtschiff. Ob als all-inclusive-Pauschalbuchung oder als exklusiver Trip auf einem Luxus-Liner – schwimmende Hotels mit überdachten Pools, Rutschen und Eislaufflächen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit, besonders hierzulande.

2017 führten wir Deutschen mit 2,19 Millionen Passagieren den europäischen Markt an. Ein Leben ohne Kreuzfahrten können sich diese Menschen sich nicht vorstellen – trotz der Menge an Emissionen, die die Schiffe ausstoßen.

Von wegen frische Seeluft auf dem Kreuzfahrtschiff

Denn die Kreuzfahrt stellt ein enormes Umweltproblem dar. Während auf den Straßen Diesel-Fahrverbote verhängt werden, verbrennen Schiffe auf dem offenen Ozean ganz ungehindert Schweröl, also billige Reststoffe aus der Ölproduktion, die mit bis zu 3,5 Prozent Schwefel belastet und somit hochtoxisch sind.

Mit konkreten Zahlen halten sich die Reedereien bedeckt. Ein großes Kreuzfahrtschiff, wie etwa die "Harmony of the Seas", auf der bis 6780 Passagieren reisen, verbraucht mindestens 150 Tonnen Schweröl pro Tag. Das sind täglich etwa 450 kg Feinstaub, die aus den Schornsteinen dampfen. Umgerechnet entspricht das dem Ausstoß von 21,45 Millionen VW Passat Variant 2.0 TDI mit 190 PS.

Auch, was Stickoxide angeht, sind die Werte auf einem Schiffsdeck beängstigend. Das ARD-Magazin „Plusminus“ deckte an Bord des Kreuzfahrtschiffs Aida Prima bei heimlichen Proben die Mengen an Abgasen auf. In der Abgasfahne hinter dem Schornstein zeigten die Messgeräte 68.000 Partikel je Kubikzentimeter an. Das ist mehr als doppelt so viel, wie auf einer belebten Bundesstraße.

Saubere Seeluft hingegen enthält etwa 1000 Partikeln je Kubikzentimeter. Alarmierende Werte ergab die Messung des Fernseh-Teams von Wiso auf der Aida Sol. Das Messgerät zeigte auf dem Sonnendeck 475.000 Partikel je Kubikzentimeter Umgebungsluft. Es geht auch anders: Die "Harmony of the Seas" besitzt immerhin eine Abgasreinigung, um Schwefeloxide zu reduzieren.

Unterschiedlichste Lösungsansätze

Es stellt sich die Frage, was sich tun lässt, um die Umwelt und Menschen an Bord zu schützen? Noch gibt es keine gesetzlichen Vorschriften, um Katalysatoren und Rußpartikelfilter für Kreuzfahrtschiffe vorzuschreiben. So schwerfällig wie die Ozeanriesen ist auch die Kursänderung Richtung Nachhaltigkeit.

Bei Costa Kreuzfahrten und bei Tui Cruises laufen derzeit Projekte zur Reduzierung von Essensabfällen. Der Deutsche Reiseverband (DRV) belohnte die Bemühungen von Tui Cruises mit der Eco Trophea 2017. Die internationale Auszeichnung würdigt Umweltschutz und soziale Verantwortung im Tourismus.

Skulpturen aus Obst.
Obst-Kunst des Chefkochs der Oasis of the Seas. Foto: Shutterstock/Solarisys

Die Industrie setzt auf alternative Antriebe – besonders bei Aida-Cruises

Laut Nachhaltigkeitsbericht 2017 hat sich Aida-Cruises zum Ziel gesetzt, die Emissionen und Treibstoffe zu senken. Das soll einerseits mit Dual-Fuel-Motoren erreicht werden, die mit dem emissionsarmen Flüssiggas LNG versorgt werden können. Andererseits mit energieeffizienten Technologien, wie Abwärmenutzung, MALS, EMMA von ABB.

Auch Abfall an Bord will Aida-Cruises weiter reduzieren, sowie Abwasser – wie auf der Aida Perla und Aida Nova – wiederaufbereiten. Bei Royal Caribbean International ist ein Brennstoffzellen-Antrieb in Planung, der Fährdienst Hurtigrouten setzt in Zukunft auf Hybrid-Technik.

Ab Dezember 2018 wird mit der Aida Nova das erste Kreuzfahrtschiff in See stechen, das auch der Naturschutzbund begrüßt: Es wird komplett mit LNG betrieben und soll die Emissionen von Stickoxiden um bis zu 80 Prozent und den CO2-Ausstoß um weitere 20 Prozent reduzieren. Ähnliche Pläne gibt es übrigens auch für Containerschiffe.

Landstrom statt Dieselgenerator: Hamburg als Vorreiter

In Hamburg wiederum gibt es einen Vorstoß, was die Liegezeiten an Land betrifft. Seit Juni 2016 setzen im Hamburger Hafen bereits 30 Prozent aller Schiffe auf umweltfreundlichen Landstrom. So lassen sich in dieser Zeit beinahe alle Motoren ausstellen – ein Vorbild für andere Häfen, vorausgesetzt es fließt grüner Strom, etwa aus den Offshore-Windanlagen in der Ostsee.

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Die Aida Sol lässt sich – bislang als einziges Kreuzfahrtschiff – damit versorgen, obwohl der Strom mindestens drei Mal so viel kostet wie der, den an Bord die Dieselgeneratoren erzeugen.

Norwegen setzt auf Nachhaltigkeit

Auch auf Länderseite ist Bewegung in Sicht. Einen wichtigen Gesetzesvorstoß hat just das norwegische Parlament verabschiedet. Ab 2026 dürfen nur noch emissionsfreie Fahrzeuge durch die Fjorde fahren – wie die Elektro-Fähre Elektra. Wenn alle anderen Länder an diesem Strang ziehen, kann man hoffen, dass die grüne Kreuzfahrt doch schneller Fahrt aufnimmt als gedacht!

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