Leben

Grüne Energie aus der Sahara: Liefert die Wüste bald ewig Strom?

von Paul Bandelin

Windparks in der Wüste: Eine der lebensfeindlichsten Gegenden könnte das Ende fossiler Brennstoffe bedeuten und die Welt mit grüner Energie versorgen.

Nichts als Wüste: Allein Deutschland würde 25 Mal in die Sahara hineinpassen.
Sand so weit das Auge reicht: Die Sahara ist als Lebensraum kaum nutzbar. Ein neues Klimamodell könnte das ändern – und aus der Wüste den größten Energielieferanten der Welt machen. Foto: Shutterstock / Rocket Photos - HQ Stock

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum die Wüste besonders geeignet für Windparks wäre
  • Wie die Installation von Solar- und Windanlage das Klima der Sahara beeinflussen würde
  • Wie grüne Energie aus der Wüste den Energieverbauch weltweit decken würde

Über neun Millionen Quadratkilometer misst die Sahara: eine Fläche, in der allein Deutschland 25 Mal Platz finden würde. Bisher ist diese größte Wüstenregion der Welt ein wenig genutztes Areal: Die klimatischen Bedingungen machen die Sahara zu einer lebensfeindlichen Umgebung.

Wissenschaftler glauben nun, dass sie hier nicht nur "grüne" Energie im großen Stil gewinnen, sondern auch die Charakteristik der Region nachhaltig verändern könnten: durch Regen in der Wüste.

Windparks in der Sahara: grüne Energie und veränderte Vegetation

Noch werden die energetischen Ressourcen der Sahara nicht genutzt. Ein neues Klimamodell könnte das ändern, denn Wissenschaftler haben berechnet, dass die flächendeckende Installation von Wind- und Solarparks nicht nur enorm viel Energie erzeugen könnte; durch solche Veränderungen könnte es in der größten Trockenwüste der Welt sogar vermehrt regnen.

Das würde unter anderem die Vegetation stark verändern und das Gebiet begrünen. "Der Regenanstieg wäre eine Folge komplexer Wechselwirkungen zwischen Land und Atmosphäre, die eintreten, weil Sonnenkollektoren und Windräder rauere und dunklere Landoberflächen erzeugen", so einer der Forscher in der Anfang September 2018 an der Universität of Illinois veröffentlichten Studie.

Wind- und Solarparks würden Niederschlag verdoppeln

Schon seit längerem ist bekannt, dass Wind- und Solarparks einen klimatischen Effekt auf die jeweilige Gegend haben, in der sie stehen. Bislang war aber nicht klar, wie diese Effekte bei einer großflächigen Installation in der Sahara aussehen würden – das neue Klimamodell gibt nun mehr Aufschluss.

Es sagt voraus, dass der Bau großer Anlagen in der Wüste nicht nur ein Gewinn für die Verbreitung erneuerbarer Energien wäre. Zu den voraussichtlichen Auswirkungen auf die Umwelt gehören beispielsweise die örtliche Temperatur und Feuchtigkeit.

"Unsere Modelle zeigen, dass großflächige Solar- und Windfarmen in der Sahara den Niederschlag verdoppeln würden und auch die Sahelzone einen großen Anstieg der Niederschlagsmenge verzeichnen würde. Bislang liegt dieser zwischen 200 und 500 Millimeter pro Jahr", so Yan Li, Co-Autorin der Studie.

Bis aus der hypothetischen Berechnung aber faktische Realität wird, dürfte noch einige Zeit vergehen: denn dafür müsste die Anlage die Größe Chinas oder der USA haben. Der Windpark wäre riesig und 20 Prozent der Fläche müssten von Solarpaneelen bedeckt sein.

Neben der Vermeidung anthropogener Treibhausgasemissionen aus fossilen Brennstoffen und der daraus resultierenden Erwärmung könnten Wind- und Solarenergie weitere unerwartete positive Auswirkungen auf das Klima haben.

Auszug aus der Studie

Mehr Energie als der weltweite Verbrauch

Es gibt viele Gründe, warum die Sahara für Anlagen dieser Art und Größenordnung geeignet wäre. Die natürliche Grundversorgung der Wüste mit Wind- und Sonnenenergie ist quasi unerschöpflich. Zudem ist die Sahara nur dünn besiedelt und aufgrund des Klimas kaum für Landwirtschaft und Viehhaltung geeignet.

Darüber hinaus ist der geografische Aspekt nicht zu vernachlässigen, denn die Trockenwüste liegt nahe an Europa und dem Mittleren Osten – beides Regionen mit hohem Energieverbrauch.

Weltweit lag der gesamte Energieverbrauch 2017 bei 18 Terawatt. Der theoretische Ertrag der gigantischen Sahara-Anlage könnte bei 82 Terawatt liegen. Da sind Wirkungsgradverluste und Verluste in den Leitungen nebensächlich – könnte man so eine Anlage bauen, wäre das Ende fossiler Brennstoffe nahezu greifbar. Ob die Umsetzung realistisch ist, steht derzeit aber noch auf einem anderen Blatt.

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