Elektromobilität

Grün und günstig: CleverShuttle denkt die Personenbeförderung neu

von Alexander Kraft

Der Fahrdienst CleverShuttle setzt auf Wasserstoff und Ridesharing. aio hat sich mit ihnen über alternative Antriebsarten und geteilte Fahrten unterhalten.

Ein Toyota Mirai von CleverShuttle.
Der Fahrdienst CleverShuttle setzt ausschließlich auf Elektro- und Wasserstoffautos. Foto: aio

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum CleverShuttle die günstige Alternative zum Taxi ist
  • Wie Ridesharing die Fahrt für alle günstiger macht
  • Was den grünen Fahrdienst von klassischen Taxiunternehmen unterscheidet

Die Elektromobilität erfordert ein Umdenken. Ein Unternehmen, das seit vier Jahren einen Impuls in diese Richtung gibt, ist CleverShuttle. Der Fahrdienst aus Berlin setzt ausschließlich auf grüne Fahrzeuge.

Seit rund einem Jahr bietet CleverShuttle seine Dienste auch in Hamburg an; in Stuttgart, Leipzig und München bewegen sich Kunden auf Wunsch ebenfalls grün durch die Stadt. Bis Ende 2018 sollen Frankfurt und Dresden folgen.

Das Besondere an dem Fahrdienst: Die Fahrgäste werden ausschließlich in elektrisch betriebenen oder Wasserstoffautos chauffiert. "Vor vier Jahren, als wir angefangen haben, haben uns viele für verrückt gehalten, weil wir bewusst auf grüne Fahrzeuge gesetzt haben", erzählt uns Fabio Adlassnigg. Er ist zuständig für die Kommunikation und PR bei CleverShuttle und für einen Tag zu Besuch in der Hamburger Dependance an der Rindermarkthalle. Dabei ist der Gedanke gar nicht abwegig, retrospektiv scheint ihnen der Erfolg recht zu geben.

Ridesharing: Gemeinsam Geld sparen

Für unseren Besuch bei CleverShuttle haben wir uns mit selbigem in Ottensen abholen lassen. Dem Zeitgeist entsprechend läuft die Buchung vollständig digital über eine App. Eine Registrierung ist bislang noch nicht notwendig, bietet aber eine paar Vorteile, und ist nach wenigen Minuten abgeschlossen und verifiziert.

Über die Smartphone-App bestimmen wir Start- und Zielpunkt unserer Fahrt durch Hamburg. Ein Algorithmus errechnet unbemerkt im Hintergrund das nächste Fahrzeug und ob sich auf dem Weg noch andere Fahrgäste einsammeln lassen, die eine ähnliche Route haben.

Denn CleverShuttle ist nicht bloß ein weiteres Taxi, sondern setzt auf das Konzept des Ridepooling. Das bedeutet, das System versucht bei Buchung möglichst viele Fahrgäste in einem Fahrzeug zu bündeln, um für alle Mitfahrer den Preis möglichst niedrig zu halten.

Porträt von Fabio Adlassnigg. Er ist bei CleverShuttle zuständig für die Kommunikation und PR.
Fabio Adlassnigg ist bei CleverShuttle zuständig für die Kommunikation und PR. Foto: aio

Und tatsächlich: Für unsere erste Fahrt von Ottensen zur Rindermarkthalle auf St. Pauli bezahlen wir zu zweit nur knapp sieben Euro trotz dichtem Verkehr zum Feierabend. Grund dafür ist ein weiterer Fahrgast, der bereits im Auto sitzt, als wir dazu steigen.

Anders als vergleichbare Fahrdienste oder Carsharing-Anbieter sitzt uns bei CleverShuttle deshalb nicht die Zeit im Nacken: Staus, Baustellen oder andere Verzögerungen kosten nicht extra – der Preis, den die App vor der Buchung anzeigt, ist fix. Einzig die kalkulierte Ankunftszeit ist variabel, weil jederzeit noch Mitfahrer unterwegs dazukommen könnten. Allerdings beträgt der maximale Umweg pro Fahrt fünf Kilometer.

„Wir sind in der Regel, je nach Stadt, zwischen 50 und 60 Prozent günstiger als eine reguläre Taxifahrt. Und zwar deshalb, weil wir nur den Sitzplatz verkaufen. Der Preis bleibt fest, unabhängig davon, ob wir in einen Stau reinfahren oder durch eine Baustelle oder jemanden mitnehmen – wir gehen von vornherein davon aus, dass die Fahrt geteilt ist. Deshalb bleibt der Preis, auch wenn sie dann doch nicht geteilt wird", beschreibt Fabio das Prinzip des Ridepooling.

Wie günstig der grüne Fahrdienst tatsächlich ist, lässt sich in der App problemlos ermitteln: So kostet eine Fahrt vom Bahnhof Altona bis zum Flughafen für eine Person 11,64 und für zwei Personen 15,71 Euro. Vom Bahnhof Altona zum Hauptbahnhof bezahlt ein einzelner Fahrgast 6,86 Euro und 9,26 Euro zu zweit. Wer sich günstiger durch die Stadt bewegen will, muss den öffentlichen Nahverkehr nutzen.

Wir sind günstiger als ein Taxi, aber teurer als der ÖPNV.

Fabio Adlassnigg, Communication & PR Manager

Anders als Bus und Bahn fährt der Shuttle-Service dafür aber bis vor die eigene Haustür oder liest einen direkt dort auf – solange die innerhalb des Stadtkerns liegt. "CleverShuttle ist eine Lösung fürs Zentrum. Wir brauchen eine sehr hohe Dichte an Kundschaft auf einer sehr kleinen Fläche, auch um das Pooling überhaupt bewerkstelligen zu können."

Deshalb ist ein jüngst in Hamburg gestartetes Pilotprojekt der Deutschen Bahn auch keine Konkurrenz, sondern Ergänzung zum Angebot: "Ioki ist eine 100-prozentige Tochter der DB mit einem ähnlichen Konzept. Allerdings bedient sie eher die Ränder von Ballungszentren. Wir ergänzen uns sehr gut. Wir stehen in sehr engem Kontakt."

Weniger Ergänzung als vielmehr echte Mitbewerber sind klassische Taxiunternehmen, obwohl CleverShuttle auf dem Papier offiziell als Mietwagenunternehmen geführt wird, um den Wettbewerb nicht zu verzerren. "Im Personenbeförderungsgesetz gibt es drei Säulen: Busverkehr, Taxiverkehr, Mietwagenverkehr – wir bewegen uns zwischen allen drei Säulen."

Weil CleverShuttle eben kein Taxiunternehmen ist, gilt es ein paar Regeln zu befolgen, die für Taxis nicht gelten. So muss ein Shuttle nach jeder Fahrt zurück zum Betriebssitz fahren (die sogenannte Rückkehrpflicht). Es sei denn, es ist eine direkte Anschlussfahrt reingekommen. Außerdem dürfen sich die CleverShuttle-Chauffeure nicht bereithalten, etwa am Bahnhof oder am Flughafen. Auch "Winker, die am Straßenrand stehen, dürfen wir nicht mitnehmen."

Eine weitere Einschränkung, die das Wachstum hemmt, ist die vorgeschriebene Anzahl an Fahrzeugen. Auf Basis des Personenbeförderungsgesetzes, das "jede Stadt für sich anders interpretiert", sind so in Hamburg zum Beispiel maximal 50 Shuttle zulässig. Aktuell unterwegs sind lediglich 20. Auch, weil die Autohersteller den Bedarf nicht schnell genug stillen können.

In Berlin kutschieren derzeit knapp 30 wasserstoffbetriebene Toyota Mirai und elektrische Nissan Leaf die Gäste durch die Hauptstadt. Dafür sind die mittlerweile nahezu rund um die Uhr voll ausgelastet. In Hamburg sind es vor allem die Abendstunden, an denen alle Autos auf der Straße sind. Bis vier Uhr nachts fahren sie am Wochenende in der Hansestadt. Sobald die fehlenden Autos da sind, soll der Service auf 24 Stunden ausgeweitet werden – so wie in Berlin bereits geschehen.

Wir brauchen dringend mehr Fahrzeuge, aber die Hersteller kommen nicht schnell genug hinterher. Uns fehlen deutschlandweit fast 200 Autos.

Fabio Adlassnigg

Allerdings bringt die Einordnung als Mietwagen auch einige Vorteile mit sich. So brauchen die Fahrer nur den kleinen P-Schein, um Fahrgäste befördern zu dürfen. Der bei Taxiprüfungen häufig zu erbringende Nachweis der Ortskenntnis ist nicht mehr erforderlich.

Ohnehin fahren die Shuttle strikt nach Navi. Denn über die Driver-App bekommen die Fahrer nicht nur die ideale Route von A nach B angezeigt, sondern auch in Echtzeit weitere Fahrgäste plus den entsprechenden Umweg.

Weil CleverShuttle grundsätzlich davon ausgeht, dass jedes Auto idealerweise komplett ausgebucht ist, zeigt uns die App direkt nach Buchung an, wie weit unser Mirai noch entfernt ist und wie lange wir noch warten müssen.

Für Pünktlichkeit am Treffpunkt sammeln Fahrgäste nicht nur Punkte (sofern sie registriert sind), sie ist darüber hinaus essentiell für das Funktionieren des Ridesharing-Fahrdienstes. Denn niemand möchte unnötig lange auf Mitfahrer warten, die nicht pünktlich sind. Länger als ein paar Minuten darf der Shuttleservice deshalb nicht warten – nicht nur den anderen Fahrgästen zuliebe, sondern eben auch, weil sie nicht als Taxi gelten. "Es muss schnell gehen und effizient sein", beschreibt Fabio das Konzept.

Umweltfreundliche Alternative der Personenbeförderung

Nicht selber fahren zu müssen und nebenher noch die Umwelt schonen – die Gründe, den Shuttleservice in Anspruch zu nehmen, werden mit der wachsenden Zahl an Kunden vielfältiger. Viele schätzen das Kommunikative der gemeinsamen Fahrt – wie man es auch von Mitfahrgelegenheiten kennen könnte. "In München haben sich eine Berlinerin und ein Münchner auf einer geteilten Fahrt kennengelernt und sind bis heute zusammen", erzählt Fabio. "Aber man muss es natürlich mögen, angesprochen zu werden."

Eines der wichtigsten Kriterien aber, das für CleverShuttle spreche, sei der Verzicht auf benzin- oder dieselbetriebene Autos: "Der Faktor, dass wir grün sind, ist ein sehr großer Treiber. Wir sind seit vier Jahren auf der Straße und hatten seitdem nicht ein Diesel- oder Benzinfahrzeug in der Flotte. Unser Ziel ist es, die Anzahl der Fahrzeuge in der Stadt zu reduzieren, auf Basis des Poolingaspektes."

Wir sind aktuell die größte Wasserstoffflotte Europas.

Fabio Adlassnigg

In Hamburg gibt es derzeit drei Wasserstofftankstellen, eine weitere ist geplant. Der Tank des Toyota Mirai fasst genug Wasserstoff, um mit einer Füllung 400 bis 500 Kilometer zu fahren – je nachdem wie warm es ist und wie hoch die Dichte des Gases im Moment des Tankens ist. Der Tankvorgang selbst dauert nur wenige Minuten, ähnlich lange wie bei Verbrenner-Motoren.

Und weil Wasserstoff als Antriebskraft noch so wenig verbreitet ist (die Umweltprämie wurde seit Einführung nur insgesamt 17 Mal dafür in Anspruch genommen), "sind wir in der Regel die einzigen, die tanken kommen." Die langen Warteschlangen zu Stoßzeiten vor der Zapfsäule fallen somit weg.

Darüber hinaus baut CleverShuttle selbst Ladestationen für die eigene Flotte, zumindest für die E-Autos, weil sie als Mietwagenunternehmen nicht an öffentlichen Ladesäulen tanken dürfen: "Auf Basis des Personenbeförderungsgesetzes dürfen wir in der Regel nicht öffentlich laden. Und mit den eigenen Ladesäulen stellen wir sicher, dass sie immer frei sind und nicht von einem Privatfahrzeug blockiert sind."

Weitergedacht

Nachhaltige Mobilität – wie geht das?

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Dass sich die drei Gründer seinerzeit für Wasserstoff als Antrieb entschieden haben, hat aber nicht nur ökologische Vorteile, sondern auch wirtschaftliche: "Wasserstoff zu fahren ist für uns wesentlich günstiger als Benzin oder Diesel."

Außerdem versteht sich der Fahrdienst als passende Ergänzung zur individuellen Mobilität: "Wir sind ein Teil des Mobilitätsmix’, den man sich selber aneignet. Der ÖPNV bleibt zwar das wichtigste Rückgrat einer Stadt. Aber es gibt eben auch Momente, an denen der ÖPNV eher unpraktisch ist. Dann braucht es attraktive Alternativen, eben nicht in den privaten PKW zu steigen." CleverShuttle könnte genau diese Alternative sein.

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