Technik

Google bringt Project Loon und Project Wing auf den Markt

von
Marten Zabel

Der Google-Mutterkonzern Alphabet betreibt in seinem X-Labor Forschung zu Zukunftsthemen. Jetzt sind mit Wing und Loon zwei neue Firmen daraus entstanden.

Luftaufnahme eines Ballons von Project Loon über Nevada.
Ein Stratosphären-Ballon von Project Loon über seiner Basis in Nevada. Dieser hier flog nach Puerto Rico, um dort nach dem Hurrikan Maria die Kommunikation wiederherzustellen. Foto: picture alliance/AP

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum Googles Mutterkonzern Alphabet zwei Forschungsprojekte zu eigenen Unternehmen macht
  • Worum es bei Project Loon und Project Wing geht
  • Welche Schwierigkeiten die beiden Forschungsprojekte von Google X hatten

Mit Project Loon und Project Wing entlässt Google-Mutterfirma Alphabet jetzt zwei weitere vielversprechende Projekte in die Unabhängigkeit: Beide sind als Neugründungen aus Google Abteilung X entsprungen – und müssen künftig ohne "Project" im Namen auch dafür sorgen, dass sie Geld einbringen.

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Hintergrund: Die Abteilung X war zunächst Googles und dann später Alphabets Zweig für die Erforschung echter Zukunftstechnologien. Kommen die Projekte dieser Sparte weit genug voran, können sie zu eigenen Unternehmen ausgegründet werden – wie zum Beispiel Waymo.

Frühere Ausgründungen von Google X

  • Projektname
  • Ziel
  • Waymo
  • selbstfahrende Autos
  • Verily
  • Medizinforschung
  • Chronicle
  • Cyber-Sicherheit

Project Wing: Drohnen und Leitsysteme

Seit 2012 arbeitete Project Wing an Drohnen für die Paketauslieferung. Unter CEO Ryan Burgess soll die Sache jetzt kommerziell betrieben werden. Die Drohnen, die zwar senkrecht starten und landen, im Streckenflug ihren Auftrieb aber durch Flügel erhalten, haben bereits erfolgreiche Testflüge in Australien durchgeführt.

Von Essenslieferungen bis hin zu Medikamententransporten konnte Googles Schwesterfirma zeigen, dass die notwendige Technik funktionieren kann.

Die Aufgabe von X ist, radikale neue Technologien zu erschaffen und die Brücke von der Idee zum erwiesenen Konzept zu schlagen.

Astro Teller, Captain of Moonshots, X

Für die kommerzielle Einführung von Drohnen zur Warenlieferung sind vor allem noch gesetzliche Schranken zu überwinden. Wing kann allerdings mit dem US-Bundesstaat Virginia bereits eine erste Lizenz für den Testeinsatz in den USA vorweisen.

Außerdem erhofft sich das Unternehmen, aus eben diesen Einschränkungen ein profitables Geschäftsmodell zu entwickeln: Schafft es das Unternehmen, eine zentrale Drohnenleit-Software zu entwickeln, die auch Konkurrenten nutzen müssen, wäre das ein starker finanzieller Faktor.

Project Loon: Internet für abgelegene Gebiete

Loon war als kleines Project in der Division X im Jahr 2011 gestartet. Die Idee: Große Stratosphärenballons sollten sich vom Wind treiben lassen, um Funklöcher zu stopfen und anstelle von Kommunikationssatelliten das Internet auch in abgelegene Gegenden zu bringen. Die Ballons nutzen dabei regelmäßige Luftströme und ihre eigene Höhenkontrolle, um zumindest rudimentären Einfluss auf ihre Position auszuüben.

Bei Bedarf kann Loon die Ballons im halbstündigen Abstand starten und gibt ihnen eine Lebenserwartung von sechs Monaten in der Luft. Die Testballons haben insgesamt Millionen von Kilometern hinter sich gebracht. Insgesamt waren die Tests in Brasilien und Neuseeland erfolgreich, wenngleich abgestürzte Ballons mitunter für Ufos gehalten wurden.

Im letzten Jahr konnte Project Loon dann bereits erste wirklich nützliche Arbeit leisten, als die Ballons Netzwerklücken bei Flutkatastrophen in Peru und in Puerto Rico nach dem Hurrikan Maria notversorgten. In letzterem Fall hat Loon nach eigenen Angaben 200.000 Menschen einen Anschluss ans weltweite Kommunikationsnetz verschafft.

Wenige Wochen nach seiner offiziellen Ausgründung hat Loon sogar schon einen ersten kommerziellen Großkunden: Telkom Kenya will die Ballons als Sendestationen in der Luft nutzen, um die Konnektivität in Kenia zu verbessern. Abgelegene Regionen des Landes sollen so ans Netz kommen, ohne dass Funkmasten errichtet und gewartet werden müssen.

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Harte Konkurrenz für Google X

Wing wird als Firma für Lieferdrohnen in einem Feld operieren, in dem es eine Menge potenzieller Konkurrenten gibt: Von Amazon bis hin zur Deutschen Post arbeiten viele Firmen an ähnlichen Konzepten, während Firmen wie etwa Zipline bereits jetzt in Ruanda und Teilen der USA Blutkonserven und eilige Medikamente per Drohne ausliefern und es bei innerstädtischen Lieferungen so aussieht, als seien sie rollende Roboter die Zukunft.

Loon hingegen sind zuletzt mehrere potenzielle Konkurrenten weggebrochen, etwa Facebooks Projekt für Internetdrohnen Aquila. Dafür muss sich das Unternehmen allerdings mit neuen Anbietern messen können, die der Welt günstiges Satelliten-Internet bringen wollen. Aber die dafür notwendigen Empfänger für Endnutzer bleiben deutlich teurer als die Smartphones, mit denen Loon-Ballons kommunizieren können.

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