Technik

Goodyear-Reifen: Auto fahren und den Klimawandel stoppen

von
Sabrina Lieb

Mit Moos viel los: Der Konzeptreifen Goodyear Oxygene blinkt, atmet, nimmt Kohlenstoffdioxid auf – und setzt Sauerstoff frei.

Luftaufnahme einer kurvigen Landstraße, die sich durch einen Wald und grüne Felder schlängelt.
Fahrt ins Grüne: Mithilfe von Photosynthese soll der Goodyear-Reifen Kohlenstoffdioxid in Sauerstoff verwandeln. Foto: Unsplash/ Kees Streefkerk

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum ein Goodyear-Reifen Moos enthält
  • Wie viel Kohlenstoffdioxid der Reifen umwandelt
  • Wie der Goodyear Oxygene hergestellt wird

Wie stark die Co2-Belastung heute ist

Heizöl, Benzin, Erdgas und Kohle – der ungezügelte Verbrauch von fossilen Brennstoffen und die zunehmende Entwaldung sind die Hauptursachen für den Klimawandel. In 800.000 Jahren kam das Kohlendioxid in der Luft noch nie in solch einer Dichte vor, wie das heute der Fall ist.

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Eine neue Initiative ergreift nun der US-amerikanische Reifenkonzern Goodyear. Der drittgrößte Reifenhersteller der Welt hat einen neuen Autoreifen entwickelt, der für eine sauberere Umwelt sorgen soll. Autofahren und mithilfe neuer Technik den Klimawandel stoppen – kann da ein Goodyear-Reifen einen Beitrag leisten?

Warum der Goodyear-Reifen Moos enthält

Gestatten – Goodyear Oxygene sein Name. Der lebendige Reifen enthält Moos, das in der Seitenwand wächst und CO2 aufnimmt. Per Photosynthese soll der grüne Bewuchs das Kohlendioxid in Sauerstoff konvertieren und so zu einer optimierten Luftqualität in Städten führen.

Im Gegensatz zu pneumatischen Reifen, die mit Luft gefüllt sind, handelt es sich beim Goodyear Oxygene um einen luftlosen Reifen, der aus einer stoßdämpfenden Struktur besteht und mit Gummipulver aus recycelten Reifen wurde.

Computerdarstellung des Goodyear-Reifens. Im Inneren des Reifens ist eine grüne Fläche zu erkennen.
Ohne Moos nichts los: In der Seitenwand des Goodyear Oxygene wächst Moos. Die nötige Feuchtigkeit nimmt der Reifen über die Fahrbahn auf. Foto: Goodyear

Wie viel Kohlenstoffdioxid der Reifen umwandelt

Und wie sieht so eine grüne Spritztour nun aus? Bei der Fahrt mit dem Goodyear-Reifen nimmt der Reifen über sein Profil Feuchtigkeit von der Straße auf und leitet es zu dem Moos. Die Photosynthese startet und führt Sauerstoff an die Luft ab. Ein Beitrag, um den Klimawandel zu stoppen.

Mit dem Goodyear-Reifen lassen sich in einer Stadt wie Paris etwa 4000 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen.

Gute Bilanz für die Umwelt: Laut den Herstellern lassen sich mit dem Goodyear Oxygene in einer Stadt wie Paris und Umgebung mit der Umrüstung der rund 2,5 Millionen Autos pro Jahr etwa 4000 Tonnen Kohlenstoffdioxid einsparen und 3000 Tonnen Sauerstoff herstellen.

Zwar ist das ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn man die Gesamtbilanz aus dem Vorjahr betrachtet, aber immerhin ein weiterer Schritt in Richtung gesunde Umwelt: 2017 wurden durch Industrie, Verbrennung fossiler Rohstoffe und Abholzung von Wäldern weltweit um die 41 Gigatonnen CO2 in die Erdatmosphäre gepustet.

Wie der Reifen Li-Fi nutzt

Nachdem der Reifen nun erstmals auf dem Genfer Automobilsalon 2018gezeigt wurde, geht Goodyear noch einen Schritt weiter: Die Photosynthese soll nicht nur die Umweltverschmutzung eindämmen, sondern auch Energie freisetzen, die der Oxygene wiederum für die Stromversorgung seiner integrierten Elektronik nutzt.

Ein Lichtstrahl an der Seitenwand des Reifens warnt Fußgänger und andere Autofahrer.

Diese besteht aus einer künstlichen Intelligenz, Sensoren und einem Lichtstrahl in der Seitenwand. Dabei soll der Lichtstrahl auch seine Farbe ändern, beispielsweise um andere Autofahrer und Fußgänger über Fahrmanöver per Lichtsignal zu informieren.

Ein neuartiges Kommunikationssystem hat er dabei gleich mit im Gepäck: So soll der lebendige Reifen via Li-Fi (Light Fidelty) Daten mit der Umwelt austauschen können, indem es Autos drahtlos untereinander vernetzt und Fahrzeuge mit der Infrastruktur verbindet.

Li-Fi ist ein Verfahren zur optischen Übertragung auf kurzen Distanzen und im Grunde das optische Äquivalent zum funktechnisch realisierten WLAN. Im Gegensatz zu Funksystemen ist bei Li-Fi jedoch nur eine direkte Datenübertragung auf Sicht und nicht etwa durch Hauswände möglich.

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Wie der Goodyear Oxygene hergestellt wird

Bei der Herstellung des Konzeptreifens setzt Goodyear auf den 3D-Druck. Das Druckmaterial stammt aus dem Gummimehl geschredderter Altreifen. Nach Angaben des Herstellers soll der Reifen nie ersetzt werden müssen und absolut pannensicher sein.

Der Einsatz von 3D-Druck bei der Reifenherstellung ist übrigens nicht neu: Schon bei seinem Konzeptreifen Eagle 360 setzte Goodyear auf generative Herstellungsverfahren, und auch der französische Reifenhersteller Michelin entwickelte einen luftfreien Reifen namens Vision, der via 3D-Druck hergestellt wurde.

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