Technik

Good Vibrations: Grüner Strom aus der Autobahn

von Nele Justus

Erneuerbare Energien – da denken wir an Windräder, Wasserkraftwerke und Photovoltaik. Dabei kann sogar die Autobahnen Strom erzeugen...

Grüner Strom aus der Autobahn
Erneuerbare Energien mal ganz anders: Die Autobahn kann über Piezo-Sensoren selber Strom erzeugen. Foto: CC0: Unsplash/Deva Darshan

Das erfahren Sie gleich:

  • In Kalifornien wird die Schwingung der Autobahn zur Strom-Erzeugung genutzt
  • Die Methode frisst weniger Fläche als andere erneuerbare Energien
  • Kritiker befürchten einen schnelleren Verschleiß der Autobahn

Strom entsteht, wenn die Autobahn schwingt

Verstopften Straßen können wir meist nichts Gutes abgewinnen. Der US-Bundesstaat Kalifornien hat jetzt aber einen Weg gefunden, sein hohes Verkehrsaufkommen in etwas Positives umzuwandeln: erneuerbare Energien. Wie das gehen soll? Kürzlich hat Kalifornien ein Pilotprojekt genehmigt, um piezoelektrische Sensoren unter einige Autobahnabschnitte zu installieren. Die sind in etwa so groß wie eine Uhrenbatterie und produzieren Strom, wenn sie in Schwingungen versetzt werden. Good vibrations im besten Sinne also. Weil die Sensoren unter den Asphalt eingebaut sind, erzeugen sie keinen zusätzlichen Rollwiderstand, der zu mehr Spritverbrauch führen würde. Die kleinen Elemente fangen lediglich die Energie auf, die ohnehin freigesetzt wird. „Energy Harvesting“ nennt man diese Methode, was so viel wie „Energie ernten“ bedeutet.

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Ob die Piezo-Technologie tatsächlich zur Energiegewinnung im großen Stile dient, wird sich nun im kommenden Jahr im kalifornischen Praxistest zeigen müssen. Aufgrund der derzeitigen Verkehrsdaten gehen die Ingenieure allerdings bereits davon aus, dass allein auf dem Testabschnitt von 10 Meilen Strom für etwa 100.000 Personen produziert werden kann.

Weltweite Versuche zur Strom-Erzeugung

Kalifornien steht mit seinem Versuch, die Energie aus den Straßen für einen guten Zweck einzufangen, nicht alleine da. Italien hat angekündigt, seine Autobahn von Triest nach Venedig mit piezoelektrischen Sensoren auszustatten. Israel hat bereits deren Einsatz auf seiner Autobahn 4 getestet – zufriedenstellend. Nun läuft ein Test mit der israelischen Eisenbahn. Dabei prüfen die Ingenieure, ob die kleinen Teile genauso gut in den Schienenschwellen der Eisenbahn funktionieren und welche Rolle das Gewicht der Lokomotive oder etwa die Geschwindigkeit spielen. Genauso könnten die Start- und Landebahnen an Flughäfen oder sogar Bürgersteige mögliche Orte sein, an denen die Technologie eingesetzt werden könnte. Das Potential ist riesig.

Weltweite Versuche zur Strom-Erzeugung
Spurensuche: Auf vielen Straßen weltweit testen Ingenieure gerade, wie sie auf der Straße Energie gewinnen können. Foto: Pixabay/markusspiske

Andere erneuerbare Energien haben Nachteile

Der Vorteil dieser Art der Stromgewinnung: Sie ist völlig unabhängig von klimatischen Bedingungen wie Wind oder Sonne. Außerdem müssen keine neuen Flächen erschlossen werden, was beispielsweise bei größeren Windparks bisher ein Problem darstellte. Die Autobahnen sind mit ihrer ausreichend großen Fläche eh schon vorhanden. Auch wird das Verkehrsaufkommen in den meisten Teilen der Welt in den kommenden Jahren noch weiter steigen. Trotzdem beäugen Kritiker den Einsatz der Technologie auf Autobahnen skeptisch, denn alles habe seinen Preis. Die Instandhaltung der Straßen würde dadurch teurer werden. Außerdem sehen sie die Gefahr, dass Autobahnen in Zukunft so konstruiert würden, dass sie mehr schwingen, um zusätzliche Energie zu produzieren. Die Folge: ein deutliche schnellerer Verschleiß. Auf der anderen Seite könnten gerade die Einnahmen aus dieser erzeugten Energie Straßenbau und Unterhaltung finanzieren.

Schwingt Deutschland auch bald mit? Eher nein. Zwar haben sich auch hier bereits einige Politiker für die Nutzung von Piezo–Technologie auf Autobahnen eingesetzt, bislang jedoch ohne Erfolg. Aber das kann sich ja noch ändern. Im Zuge der Energiewende will Deutschland den Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch auf 80 Prozent steigern – und da herrscht dringender Handlungsbedarf.

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