Gesundheit

Fitnesstracker: Gezielte Gesundheitschecks unter der Kuhhaut

von Carola Franzke

Der „Fitnesstracker“ für Kühe soll Landwirte dabei unterstützen, auch bei großen Herden den Überblick zu behalten und die Gesundheit der Tiere zu checken.

Kühe auf einer Weide in Australien.
In Australien sind Kuhherden oft so groß, dass Landwirte leicht den Überblick verlieren. Foto: Shutterstock / Rohan McClure

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie ein Implantat Daten über Kühe sammelt – ähnlich einem Fitnesstracker
  • Wie die EmbediVet-Implantate von Livestock Labs die Gesundheit von Tieren checkt
  • Wie Landwirtschaft von künstlicher Intelligenz profitieren kann
  • Wie die Geräte in ähnlicher Form auch beim Menschen Anwendung finden könnten

Ein Implantat sammelt Daten über die Kuh

Irgendwo in Utah grasen Kühe, die EmbediVet-Implantante unter der Haut tragen. Die kleinen Gesundheits-Checker von der Größe einer Zwei-Euro-Münze sammeln Daten über das Leben der jeweiligen Kuh. Ihre Körpertemperatur, wann und wie häufig sie grast, wieviel sie läuft oder liegt.

Der Fitnesstracker für Kühe ist eine Entwicklung von Livestock Labs aus Australien und soll Landwirte zukünftig dabei unterstützen, die Gesundheit ihrer Tiere zu überwachen und bei Problemen frühzeitig eingreifen zu können. Dazu enthält das Implantat ein Thermometer, einen Bewegungssensor und Herzfrequenzmesser.

Für die Kommunikation sorgen Bluetooth und eine reichweitenstarke Funkverbindung. Die integrierte Batterie soll etwa drei Jahre laufen. Wer sich jetzt um das Wohl der Tiere sorgt, dem antwortet Livestock Labs: "Es ist sicher für Kühe, wir haben es an Menschen getestet."

Gezielte Gesundheitschecks in großen Herden

Bei Herden von mehreren tausend Rindern, wie sie in den Weiten Australiens und den amerikanischen Bundesstaaten im mittleren Westen ganz normal sind, wäre das eine große Erleichterung für die Landwirte. Sie müssten dann nicht mehr regelmäßig tausende von Tieren einem Gesundheitscheck unterziehen. Stattdessen könnten sich die Landwirte gezielt und frühzeitig um die Tiere kümmern, deren Verhalten auffällig oder besorgniserregend ist.

Wenn ich Krankheiten und Unwohlsein der Tiere früher erkennen kann, bedeutet das für mich als Tiermediziner, dass ich mich viel früher um das Wohlergehen der Kühe kümmern kann.

Kerry Rood, Professor für Tiermedizin an der Utah State University

Künstliche Intelligenz unterstützt Landwirtschaft

Das Institut für Veterinärmedizin der Utah State University ist an dem EmbediVet-Projekt ebenso beteiligt wie zwei Universitäten in Australien. Sie betreuen verschiedene „Cyborg-Kühe“ in nicht genannten landwirtschaftlichen Betrieben.

Die Daten aus dem Implantat nutzen die Forscher dazu, eine künstliche Intelligenz (KI) zu trainieren. Mit Unterstützung der KI entwickeln sie ein Vorhersagesystem, das später dazu in der Lage sein soll, auf gesundheitliche Probleme einzelner Kühe hinzuweisen.

Ein anderes Gerät zur Überwachung der Kühe funktioniert ohne Eingriff und ganz ähnlich den Fitnesstrackern für Menschen. „Ida“ des niederländischen Unternehmens Connecterra wird als Halsband getragen und überwacht das Verhalten der Kühe nicht-invasiv. Eine App meldet dem Landwirt, welcher Kuh es mutmaßlich nicht gut geht, oder welche Kuh besamt werden sollte.

Auch für Pferde gibt es bereits Fitnesstracker, die besonders für Reiter interessant sind.

Totale Überwachung – auch für Menschen?

Ist das EmbediVet-System erprobt und ausgereift, ist es sicher nur eine Frage der Zeit, bis der Einsatz bei Menschen diskutiert werden wird. Ärzte könnten sich Daten zu Herzfrequenz, Blutzucker, Cholesterin und Cortisol (Streßhormon) herunterladen, oder auch Daten zu Schlafdauer und -qualität einsehen.

Fraglich ist, wieviele Menschen gern gläserne Patienten in Sachen Lebensführung sein wollen. Andererseits gibt es bereits heute einige Menschen, die sich freiwillig ähnliche Technik unter die Haut implantieren lassen.

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Ein anderes Problem wäre die Batterie. Während Kühe in der Milch- und Fleischproduktion bestenfalls Lebenserwartungen ähnlich dieser Batterielaufzeit haben, müssten menschliche Anwender eventuell alle drei Jahre zum Batteriewechsel zu einem kleinen Eingriff.

Dabei fragen sich noch immer viele Menschen, was der Fitnesstracker überhaupt für die eigene Fitness und Gesundheit bringt.

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