Technik

Gezeitenkraftwerk in Kanada läuft mit deutschen Turbinen

von Paul Bandelin

Gezeitenenergie made in Germany: Turbinen aus Rheinland-Pfalz mit 280 kW Leistung sind das Herzstück eines Gezeitenkraftwerks vor der Küste Kanadas.

Eine Schottel-Turbine bei der Wartung via Boot.
Eine der riesigen Turbinen von Schottel, die im Gezeitenkraftwerk zum Einsatz kommt. Foto: SCHOTTEL GmbH

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie das Gezeitenkraftwerk Plat-I vor der kanadischen Küste an deutsche Turbinen kommt
  • Wie hoch die Leistung der Turbinen einer Tochter der Schottel Gruppe ist
  • Warum ausgerechnet vor Neuschottland (Nova Scotia) Gezeitenenergie ein großes Thema ist

Vor der Küste Neuschottlands, unweit der Insel Neufundland, will ein Tochterunternehmen der deutschen Schottel-Gruppe Strom aus dem Meer gewinnen. Dafür haben sie Mitte September 2018 vier Schottel-Hydro-Turbinen an der Plattform Plat-I angebracht, die sich in der schmalen Grand Passage, einer Meerenge vor Neuschottland, bewegt.

Bereits im Sommer schlug eine ähnliches Vorhaben fehl. Das Joint Venture Cape Sharp Tidal scheiterte allerdings an der Pleite von OpenHydro, einem der Teilnehmer. Black Rock Tidal Power wagt nun diesen neuen Anlauf. Das Unternehmen gehört zu der im rheinland-pfälzischen Spay ansässigen Schottel-Gruppe, bekannt für Schiffsmaschinenbau und Antriebstechnik.

Sechsmonatiger Test mit Schottel-Turbinen

Entwickelt hat das System das schottische Unternehmen Sustainable Marine Energy (SME). Noch bis in den Juni 2018 hinein lag das Testgebiet des Gezeitenkraftwerks Plat-I vor der schottischen Westküste. Nach diesen Test ging es auf die Reise Richtung Neuschottland. Neben dem Offshore-Windpark vor der US-amerikanischen Küste soll so an der Ostküste noch mehr grüne Energie produziert werden.

Das Gezeitenkraftwerk vor der Küste Neuschottlands.
Ein schwimmendes Kraftwerk: Die "Insel" ist so konstruiert, dass sie per Schiff problemlos transportierbar ist. Foto: SCHOTTEL GmbH

Dort angekommen stattete das Unternehmen das Kraftwerk mit vier Schottel-Hydro-Turbinen aus, die jeweils einen Durchmesser von 6,3 Metern haben. Sie gehören zum Typ SIT 250 und sind auf Schwenkarmen montiert, damit sie sich bei anfallenden Wartungsarbeiten schnell aus dem Wasser holen lassen. Zusammen kommen die vier Antriebe auf eine Leistung von 280 Kilowatt, was 70 Kilowatt pro Turbine entspricht.

Gezeiten-Turbinen von Schottel in der Fertigung.
Gezeiten-Turbinen in der Fertigung: Eine Turbine von Schottel hat eine Leistung von 70 kW. Foto: STEPHAN BIWALD

Gezeitenkraftwerk in der Probezeit

Der gewonnene Strom wird während der sechsmonatigen Testphase allerdings noch nicht in das anliegende Netz eingespeist. In diesem Zeitraum will Black Rock Tidal Power untersuchen, wie sich die Gerätschaften in dem Umfeld verhalten. Ein weiterer Schritt besteht darin, die Ausrüstung zur Überwachung der Umwelt auf die Plattform zu schaffen und zu testen, bevor die Turbinen den Betrieb aufnehmen.

Plat-I zeigt, dass Gezeitenenergie mit lokalen Ressourcen geliefert werden und einen echten Wert für umliegende Küstengemeinden schaffen kann.

Jason Hayman, Geschäftsführender Direktor bei SME

Das schwimmende Gezeitenkraftwerk Plat-I ist so konstruiert, dass Schiffe es vergleichsweise einfach von A nach B bringen können. Auch die Wartungsarbeiten erfolgen per Boot. Einer der Nachteile der 32 Meter langen und 27 Meter breiten Plattform ist, dass sie sich sichtbar auf dem Wasser befindet und so zu einer Störung anderer Wasserfahrzeuge führen kann.

Enormer Tidenhub sorgt für viel Gezeitenenergie

Vor der Pleite von OpenHydro hatte das Joint Venture Cape Sharp Tidal eine große Turbine auf dem Meeresboden des Minas-Beckens platziert. Dieses befindet sich zwischen der neuschottischen Westküste und dem angrenzenden Festland. Die sogenannte Bay of Fundy zeichnet sich durch einen enormen Tidenhub und damit verbundene hohe Strömungsgeschwindigkeiten aus.

Da sich die dortige Anlage komplett unter Wasser befand, wurde die Installation ob der geringen Sicht zu einer großen Herausforderung. Außerdem war sie mit hohen Kosten verbunden. Trotzdem hält das Joint Venture an der neuen Unternehmung fest, denn im Kampf gegen den Klimawandel sind erneuerbare Energien entscheidend.

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