Leben

Gesunde Bakterien auf der Haut schützen uns

von Carola Franzke

Diese Erkenntnisse über Bakterien auf der Haut bringen neue Argumente gegen antibakterielle Seife: Gesunde Hautbakterien könnten vor Krebs schützen.

Schulter und Hals einer Frau in Nahaufnahme; nasse Haare hängen auf ihre Schulter.
Bakterien auf der Haut sind keineswegs schädlich – im Gegenteil. An der Universität von Kalifornien fanden Wissenschaftler jetzt heraus, dass gewisse Hautbakterien sogar vor Krebs schützen können. Foto: CC0: Unsplash/Tanja Heffner

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum nicht alle Bakterien auf der Haut schlecht sind
  • Wie Hautbakterien im Tierversuch die Entwicklung von Hautkrebs gehemmt haben
  • Warum antibakterielle Seife die gesunde Balance auf der Haut zerstört

Gute Bakterien auf der Haut

Staphylococcus epidermidis heißen die kleinen Helferlein, die für eine gesunde Haut wichtig sind. Im Tierversuch waren sie sogar gegen Hautkrebs wirksam.

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Neben vielen anderen Arten kommen diese Bakterien natürlicherweise auf der Haut vor. Allerdings sind die Staphylococcus epidermidis diejenigen Bakterien, die sich am häufigsten nachweisen lassen. Da liegt es im wahrsten Sinne des Wortes auf der Hand, dass sich Wissenschaftler näher mit ihnen befasst haben.

Staphylococcus epidermidis produziert einen Stoff, der 6-N-Hydroxyaminopurin heißt – kurz 6-HAP. Bei näherer Betrachtung fiel Forschern an der Universität von Kalifornien in San Diego auf, dass 6-HAP sehr ähnlich aufgebaut ist wie DNA-Sequenzen.

Richard Gallo, Medizinprofessor und führender Dermatologe an der Universität von Kalifornien, sagt: „Aufgrund dieser Ähnlichkeit haben wir uns gefragt, ob der Stoff Einfluss auf die DNA nimmt“. Tatsächlich ließ sich erst in der Petrischale und dann im Tierversuch zeigen, dass 6-HAP Hautzellen vor Mutationen schützen können.

Hautbakterien als Schutz

Dieser Stoff 6-HAP, den die Staphylococcus epidermidis-Bakterien ausscheiden, hat im Laborversuch ein Enzym blockiert, das für Zellteilungen verantwortlich ist. Interessanterweise hat 6-HAP aber nicht die Teilung von normalen Hautzellen verhindert, sondern nur auf tumoröse Zellen gewirkt.

Krebszellen entstehen aus Mutationen. Die bösartig veränderten Geweberegionen wachsen im Vergleich zu normalen Zellen besonders schnell. 6-HAP kann das verlangsamen oder sogar ganz verhindern.

Im Labor bestrahlten die Wissenschaftler Mäuse mit UV-Licht. Die Mäuse, die mit 6-HAP behandelt wurden, haben weniger und kleinere Hautkrebstumore entwickelt. Es muss nun weiter untersucht werden, ob sich der Stoff für Medikamente nutzbar machen lässt.

Zwei Ärzte mit Kittel, Mundschutz und Haube waschen sich die Hände in einem OP.
Antibakterielle Seife: In Operationssälen ist sie ein Muss, im privaten Bereich meist sogar schädlich. Foto: CC0: Unsplash/Piron Guillaume

Finger weg von antibakterieller Seife?

Antibakterielle Seife scheint voll im Trend zu liegen, wenn man der Werbung glauben soll. Dort versprechen Hersteller, dass die Seife die Gesundheit seiner Familie schützt.

Gründliches Händewaschen ist in der Erkältungszeit auf jeden Fall ratsam. Aber ein besonderer Nutzen von antibakterieller Seife ist wissenschaftlich nicht erwiesen. Die FDA, also die zuständige Behörde für Lebensmittel und medizinische Wirkstoffe in den USA, hat sogar etliche antibakterielle Wirkstoffe für die Herstellung von Seifen gesperrt.

Eines der Argumente gegen antibakterielle Seife ist die Zunahme von Resistenzen, die immer mehr Antibiotika wirkungslos machen. Die meisten Gesundheitsexperten vertreten daher die Auffassung, dass solche Seifen ebenso wie Händedesinfektion in die Hand von Profis gehören – wie Ärzte und Gesundheitspersonal.

Updates

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Der natürliche Säureschutzmantel der Haut ist im Alltag viel gesünder als solche antibakterielle Seife. Gegen Ansteckungen in der Grippezeit hilft viel mehr, wenn man in der Krankheitssaison eher mal auf das Händeschütteln verzichtet.

Immer ein guter Tipp: In öffentlichen Waschräumen nur Papierhandtücher verwenden, denn Stoffhandtücher und Warmluftgebläse sind Brutstätten für Krankheitserreger.

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