Leben

Gesichtserkennung: Strafzettel und öffentliche Schande für Fußgänger

von Paul Bandelin

Gesichtserkennung und Totalüberwachung gegen Verkehrssünder per pedes: Via Biometrie stellt China Fußgänger bei Verstößen an den öffentlichen Pranger.

Hunderte Menschen überqueren einen Zebrastreifen im chinesischen Guangzhou; im Hintergrund sind wartende Autos zu sehen.
Ampeln, Verkehrsregeln, Straßenführung: In China nehmen viele Fußgänger die Straßenordnung nicht allzu ernst. Für Ordnung bei den Fußgängern soll künftig Überwachung bei Gesichtserkennung sorgen. Foto: Shutterstock/GuoZhongHua

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie Gesichtserkennung in China unachtsame Fußgänger bestraft
  • Weshalb gerade Biometrie die Zahl der Verstöße verringert
  • Wie China Sicherheit durch Totalüberwachung schafft

Wie Gesichtserkennung in China unachtsame Fußgänger bestraft

China hat ein Problem mit Fußgängern, die wissentlich Verkehrsregeln missachten und rote Ampeln ignorieren. In der Stadt Shenzhen haben deshalb das Ministerium für Öffentliche Sicherheit und das Unternehmen Intellifusion eine Überwachung einer hochfrequentierten Kreuzung im Futian Distrikt der Stadt entwickelt.

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Kameras nehmen Bilder der Fußgänger auf, um sie einerseits öffentlich an den Pranger zu stellen. Andererseits erhalten Verkehrssünder seit Kurzem direkt über ihr Smartphone eine Information über die Verfehlung und die damit verbundene Strafe.

Dafür arbeiten Staat und Unternehmen mit Mobilfunkanbietern und Social-Media-Unternehmen wie WeChat – das sogar eine Art Ausweis-Ersatz ist – oder Sina Weibo zusammen. Basis für die Bilder der Schande ist ein System, das bereits seit April 2017 Fotos von Verkehrssündern macht und diese, inklusive aller Daten, auf einem großen LED-Bildschirm zeigt.

Diese Bilder waren seit März 2018 im Netz einsehbar – jetzt sind sie eben auch in die sozialen Netzwerke eingepflegt. Der Vorteil für China liegt auf der Hand: Es benötigt weniger der teuren LED-Bildschirme und die Bürger werden in Echtzeit über ihre Rechtsverletzung informiert.

Weshalb gerade Biometrie die Zahl der Verstöße verringert

Die Vorstöße auf dem Gebiet der Biometrie scheinen sich für die Stadt auszuzahlen. Laut Angaben des Ministeriums gab es an der überwachten Kreuzung in den vergangenen zwölf Monaten knapp 14.000 Verstöße weniger.

Fußgänger, die die Verkehrsregeln wissentlich missachten, waren schon immer ein großes Problem in China.

Wang Jun, Marketing-Chef von Intellifusion

Intellifusion gibt sich nach den ersten Erfolgen optimistisch: „Fußgänger, die die Verkehrsregeln wissentlich missachten, waren schon immer ein großes Problem in China. Dem lässt sich nicht durch geringe Geldstrafen oder aufgenommene Fotos beikommen", sagt Marketing-Chef Wang Jun, "aber eine Kombination aus Technologie und Psychologie kann die Zahl der Fälle offenbar in beeindruckendem Maße reduzieren.“

Was Wang Jun dabei nicht erwähnte, ist, dass aufgrund der hohen Fluktuation selbst in der Metropole Shenzhen erst rund zehn Prozent der Bürger in der Datenbank registriert sind.

Wie China Sicherheit durch Totalüberwachung schafft

Auf dem Weg zur totalen Überwachung machen die chinesischen Behörden offenbar keine halben Sachen. Immer wieder ziehen sie dazu das Argument der steigenden inneren Sicherheit hinzu. Gesichtserkennung setzt das Land mittlerweile auch bei der Polizeiarbeit ein.

Die gesammelten Daten der Verkehrssünder werden in das sich derzeit noch in der Entwicklung befindliche nationale Kreditsystem eingeschleust. Das ab 2020 landesweit geltende „Schufa“-Äquivalent speichert sowohl positive als auch negative Handlungen der Bürger und erstellt daraus einen Zahlenwert.

Dieser Wert gibt Unternehmen und Versicherungen Aufschluss darüber, wie vertrauenswürdig die jeweilige Person ist. In Zukunft kann in China also selbst eine bei rot überquerte Ampel den lange geplanten Kredit für das Eigenheim gefährden – und so das Leben drastisch beeinflussen.

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