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Elektromobilität

Gegen den Verkehrsinfarkt: Die Gondel erobert die Städte

von Paul Bandelin

Zwei rote Gondeln der Seilbahn von La Paz vor der Stadtkulisse.
159.000 Fahrgäste täglich: La Paz in Bolivien gilt als die Hauptstadt der City-Gondel. Foto: Shutterstock / sunsinger

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum in Edmonton bald eine Gondelbahn fahren soll
  • Wie die Gondel überfüllte Städte vor Verkehrsinfarkt rettet
  • Wieso die Seilbahn in La Paz als Vorbild gilt

Die kanadische Stadt Edmonton baut eine Gondelbahn – und auch in anderen Metropolen sollen Seilbahnen die Innenstädte vor dem Verkehrsinfarkt bewahren.

Warum in Edmonton bald eine Gondelbahn fahren soll

Das künftige Wahrzeichen von Edmonton in Kanada könnte auch gut in den Alpen stehen oder in den Rocky Mountains: Die 800.000-Einwohner-Stadt in der Provinz Alberta soll eine Gondelbahn bekommen – obwohl sie gar nicht in den Bergen liegt, sondern nur 668 Meter über dem Meeresspiegel.

Unter dem Titel „Das Edmonton-Projekt“ lief im vergangenen Jahr ein Wettbewerb für ein neues Wahrzeichen. Aus mehr als 300 Vorschlägen gewann die Gondelbahn: "Mit der Gondel machen wir einen Sprung von gut zu großartig. Zu einer Weltstadt, auf die alle Augen gerichtet sind", sagte Jury-Mitglied Carrie Doll gegenüber dem Fernsehsender CTV News.

In den nächsten drei bis fünf Jahren soll das eher aus dem Zufall geborene Gondel-Projekt in Edmonton realisiert werden. Die Ideengeber, Amber und Gary Poliquin, lernten das Prinzip während eines Ski-Urlaubs in den französischen Alpen kennen und übertrugen es einfach auf Edmonton.

Dort ist es auch eine lokal emissionsfreie Ergänzung des öffentlichen Nahverkehrs und gewissermaßen Teil der Elektromobilität – denn Seilbahnen werden normalerweise elektrisch betrieben, brauchen aber keine Akkus.

Die Stadt plant für den Anfang insgesamt 40 Gondeln, die je acht Personen befördern können und sich zwischen drei Stationen bewegen werden. In einer Taktung von 50 bis 60 Sekunden befördern die Gondeln die Einwohner über den North Saskatchewan River.

Die Stadt hat das gesamte Projekt vorerst mir einem Budget zwischen 25 und 50 Millionen US-Dollar (etwa 20 bis 40 Millionen Euro) beziffert.

Wie die Gondel überfüllte Städte vor Verkehrsinfarkt rettet

Die Vorteile eines Gondeltransportes durch die Stadt sind unbestritten: Zum einen ist die Errichtung bei Weitem kostengünstiger als beispielsweise der Bau einer U-Bahn. Darüber hinaus halten sich die Instandhaltungskosten stark in Grenzen, und die Seilbahn verkehrt nahezu emissionslos.

Ein weiterer Punkt ist, dass sie über alle Arten von Hindernissen hinweg gebaut werden kann, seien es Gebäude, Gewässer, Berge oder Autobahnen.

Auch andere Metropolen, die komplett mit Autos überfüllt sind, kurz vor dem Verkehrsinfarkt stehen und umweltfreundlicher werden wollen, sind an dem Modell interessiert. Dazu gehören neben Boston auch New York City, Toronto und einige westeuropäische Städte.

Wieso die Seilbahn in La Paz als Vorbild gilt

In der bolivianischen Millionenstadt La Paz existiert das derzeit größte Seilbahnnetz weltweit, womit die Metropole eine Vorreiterrolle einnimmt. Mit ihren 159.000 täglichen Fahrgästen gehört sie seit Mai 2014 zum Inventar der Stadt. Fünf verschiedene Linien befahren 18 Stationen und ersparen den Einwohnern etliche Höhenmeter.

Auch in Hamburg gab es 2014 Überlegungen, eine Seilbahn einzurichten. Diese Idee scheiterte im August desselben Jahres aber an einem Bürgerentscheid – die Mehrheit sagte nein zur Gondel.

Zwischen dem Amüsierviertel St. Pauli und den Musicaltheatern auf der anderen Seite der Elbe sollte auf rund 80 Meter hohen Stützen eine Seilbahn verkehren. Das österreichische Unternehmen Doppelmayr hatte geplant, rund 35 Millionen Euro in die 1,5 Kilometer lange Strecke zu investieren.

Seit April 2018 hat die alte Idee neuen Schwung bekommen: Diesmal soll die Seilbahn zwei Universitäts-Standorte im Hamburger Süden verbinden. Das Thema Gondeln in den Städten bleibt also hochaktuell.

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