Elektromobilität

Geely, Byton & Co.: Elektroauto-Offensive aus China

von
Thomas Pitscheneder

Geely, SAIC, BAIC und Nio: Was für europäische Ohren unbekannt klingt, ist in China sehr gefragt. Diese Autohersteller beherrschen einen gigantischen Markt.

Eine Ladesäule für Elektroautos
Moderne Elektromobilität ist auf dem Vormarsch. China ist dabei eine treibende Kraft, wie einige Hersteller aus Fernost beweisen. Erobern sie auch Europa? Foto: Shutterstock / vipman

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum der Markt in China so wichtig ist
  • Welche Hersteller aus dem Land kommen
  • Wieso westliche Unternehmen mit einigen von ihnen Kooperieren

Bei ihren Strategien für die kommenden Jahre, sprechen Automobilhersteller immer wieder von China als wichtigstem Markt der Welt. Tatsächlich ist er auch der größte: Rund 24,2 Millionen Autos verkauften die Händler dort im Jahr 2017. Konzerne wie VW und Daimler haben deshalb großes Interesse, ihre Fahrzeuge in großen Stückzahlen ins Land zu bringen.

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Doch auf dem fernöstlichen Markt müssen sie sich mit völlig neuen Konkurrenten messen, denn China selbst hat eine stetig wachsende Automobilindustrie. Ähnlich wie es die deutschen Marken dort versuchen, drängen die Hersteller zunehmend nach Europa. Doch welche Marken gibt es eigentlich und spielen sie für Europa eine Rolle?

Geely: Der Konzern hinter Volvo und Lotus

Die schwedische Automarke Volvo und den britischen Sportwagenhersteller Lotus kennt in Europa wohl jeder. Kaum bekannt ist jedoch, dass beide Unternehmen zum chinesischen Konzern Geely gehören. Der übernahm Volvo Cars im Jahr 2010 von Ford und 51 Prozent von Lotus 2017.

Statt sich Daimler zum Feind zu machen, hat Geely beim deutschen Konzern investiert. Die Chinesen halten 9,7 Prozent der Anteile an der Daimler AG – im Wert von rund 7,3 Milliarden Euro. Damit ist das Unternehmen um Geely-Chef Li Shufu der größte Anteilseigner. Zusammen könnten die Unternehmen an Elektroautos arbeiten und eine Zellfertigung aufziehen.

Unter eigenem Namen baut Geely bereits seit 1998 Autos. Zwischenzeitlich splittete das Unternehmen seine Modelle in drei neue Marken auf: Englon als Einstieg, Gleagle für die Mittelklasse und Emgrand als Premium-Marke. Offenbar lief das jedoch nicht zufriedenstellend, weshalb nun wieder nur Geely als Hersteller auftaucht. Darunter will die Firma bald auch wieder ein Elektroauto vertreiben, das erste seit dem Emgrand EV aus dem Jahr 2015.

In Europa will Geely wohl in erster Linie mit der Marke Lynk & Co Fuß fassen. Der Plug-in-Hybrid "01" soll Ende 2019 auch hierzulande erscheinen. Der sportlichere "02" und die Limousine "03" könnten bald darauf folgen. Design und Plattform der Geely-Tochter sind ohnehin bereits europäisch und kommen aus dem schwedischen Göteborg.

BYD: Kaum Verbrenner im Angebot

Die BYD Company (Build Your Dreams) existiert seit 1995 als chinesischer Mischkonzern und konzentrierte sich lange auf die Herstellung von Akkus – etwa für Handys. Seit 2003 produziert das Unternehmen jedoch auch Autos. Zunächst lag der Fokus der Marke auf Nachbauten anderer Fahrzeuge. Das Zerlegen, ersetzen patentierter Teile und spätere Zusammenfügen ist in China eine gängige Praxis.

Schnell wollte BYD jedoch vollständig in Eigenregie entwickelte Fahrzeuge auf die Straßen bringen. Dafür sicherte sich das Unternehmen selbst zahlreiche Patente. Der Fokus von BYD liegt auf dem Bau von Elektroautos. Ein großer Teil des Angebots ist deshalb mit Plug-in-Hybrid oder Elektromotor ausgestattet. In China gilt die Firma um Wang Chuan-fu als eines der innovativsten Unternehmen.

Seine Autos verkauft BYD in Europa noch nicht auf offiziellem Wege. Vielmehr konzentriert sich das Unternehmen im hiesigen Markt auf den Vertrieb von Elektro-Bussen. Flixbus fährt etwa mit einem Modell der Firma auf der Strecke zwischen Mannheim und Frankfurt. Zudem zeigte BYD zuletzt Interesse am Aufbau einer Fabrik zur Herstellung von Batteriezellen in Deutschland.

BAIC: Joint-Ventures mit großen Namen

Was haben die Daimler AG und Hyundai gemeinsam? Sie kooperieren beide mit dem chinesischen Unternehmen Beijing Automotive Industry Holding (BAIC). Über Joint-Ventures sollen Entwicklungen der Autobauer ihren Weg auf den chinesischen Markt finden. Auch mit dem Zulieferer Hella arbeitet BAIC zusammen – um neue Beleuchtungssysteme für das Land zu entwickeln.

Doch die Firma baut mit großem Erfolg auch Autos unter eigenem Namen. Der BAIC EC180 war im vergangenen Jahr sogar in der Liste erfolgreichsten Elektroautos weltweit auf dem dritten Platz. Nur das Tesla Model 3 und der Nissan Leaf verkauften sich öfter. Im ersten Quartal 2018 stand der Stromer sogar an der Spitze. Zum Teil sind die Fahrzeuge der Marke auch in Deutschland erhältlich. Importeure bringen die Autos auf Anfrage in die Bundesrepublik.

SAIC: Gemeinsame Sache mit Volkswagen

Ähnlich wie Daimler mit BAIC kooperiert, arbeiten VW und die Shanghai Automotive Industry Corporation (SAIC) zusammen. Gemeinsam gründeten sie das Joint-Venture "Shanghai Volkswagen". Das kümmert sich um den Bau und Vertrieb von Modellen der Marken VW und Skoda auf dem chinesischen Markt.

Ähnlich hält es SAIC auch mit dem Automobilkonzern General Motors aus den USA. Deren Fahrzeuge kommen unter der Firma "SAIC-GM" auf den Markt in Fernost. Außerdem entwickelt das Joint-Venture zusammen mit dem Zellfertiger CATL Batterien für Elektroautos.

Die ehemals britische Marke MG belebten die Chinesen wieder und stellten etwa das Elektroauto MG6 New Energy vor. Unter dem Namen "Roewe" sind Eigenentwicklungen von SAIC erhältlich – darunter Fahrzeuge mit voll- und teilelektrischen Antrieben.

Nio: Bekannt aus der Formel E

Das hierzulande wohl bekannteste Unternehmen aus China dürfte Nio sein. Das liegt auch an seinen Bemühungen im modernen Rennsport. Nio ist mit einem eigenen Team in der Formel E vertreten. Die Fahrer Oliver Turvey und Tom Dillmann fahren mit einem elektrischen Monoposto bei der Weltmeisterschaft mit. In der ersten Saison holte sich Nio mit Nelson Piquet jr. den Titel in der Fahrerwertung, seitdem läuft es für das Team nicht mehr rund.

Mit dem SUV Nio ES8 versucht die Marke ein neues System zur schnellen Gewinnung zusätzlicher Reichweite zu etablieren. Dafür stellt Nio an Hauptverkehrswegen kleine Garagen auf, in denen das Unternehmen die Akkus der Fahrzeuge einfach austauschen möchte.

Die Technik aus der Formel E verbaut Nio hingegen im EP9. Das rund 1,5 Millionen US-Dollar teure Elektroauto ist ein Hypersportwagen mit einer Systemleistung von 1000 kW (1360 PS). Bisher gibt es aber nur wenige Exemplare davon, eine Kleinserie ist nicht geplant. Ob und wann die Autos von Nio auch in Europa erhältlich sind, ist bisher noch nicht bekannt.

Byton: High-End aus der Volksrepublik

Ein großer Teil der Automobilindustrie in China konzentriert sich auf den Bau von Autos für die breite Masse. Der Premium-Anspruch westlicher Marken wie Audi und Tesla ist meist nicht gegeben. Das gilt jedoch nicht für das Start-up Byton. Die erst 2017 gegründete Firma setzt bewusst auf die Oberklasse – und gilt damit als Tesla-Herausforderer.

Mitbegründer und Chef der Marke ist der ehemalige BMW-Manager Carsten Breitfeld. Auch bei anderen großen Herstellern bediente sich die Tochter der Future Mobility Corporation (FMC). So arbeiten ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Google, Infiniti, Audi, Ford, Renault und vielen weiteren Firmen bei Byton.

Das erste Auto der Marke soll der vollelektrische SUV M-Byte sein. Zu einem späteren Zeitpunkt soll die Limousine K-Byte folgen. Das Unternehmen peilt bewusst nicht nur den chinesischen Markt an, sondern will seine Fahrzeuge weltweit vertreiben. Dafür besitzt Byton schon jetzt Standorte in Santa Clara, Los Angeles, München, Peking, Schanghai und Hong Kong. Der Hauptsitz ist in Nanjing.

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Autos in China: Ein seltsam ergiebiger Markt

Trotz hoher Verkaufszahlen und dem Drängen großer Automobilkonzerne auf den chinesischen Markt: Nur rund 7,5 Prozent der Bevölkerung fahren ein eigenes Auto. Das sind bei einer Bevölkerungszahl von aktuell rund 1,397 Milliarden immerhin noch etwa 104,78 Millionen Chinesen.

Das Wachstum ist zudem gigantisch, denn die Regierung der Volksrepublik zwingt seine Bevölkerung zunehmend zur Umstellung auf elektrische Antriebe. In den großen Metropolen lassen sich Verbrenner kaum noch zulassen. Zudem sind noch immer viele Menschen ohne eigenes Auto unterwegs.

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