Elektromobilität

Gebrauchtes Elektrofahrrad kaufen und verkaufen: Tipps & Tricks

von Gertrud Teusen

E-Bikes gebraucht zu kaufen oder verkaufen birgt einige Risiken. aio verrät, was Sie beachten, worauf Sie bestehen und welche Fragen Sie stellen sollten.

Ein E-Bike, das an ein Haus in Brügge lehnt.
Das neue E-Bike ist zu teuer? Wie wäre es dann mit einem gebrauchten? Beim Kauf gibt es aber einige Dinge zu beachten. Foto: Shutterstock / J2R

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum das Alter des E-Bikes beim Kauf entscheidend ist
  • Welche Fragen Sie beim Kauf von privat stellen sollten
  • Privat vs. Fachhändler: Was für welchen Verkäufer spricht
  • Wie Sie Elektrofahrräder auch online sicher kaufen und verkaufen

Rund 500.000 neue E-Bikes kommen pro Jahr auf die Straße. Insgesamt liegt der Marktanteil aller Elektrofahrräder geschätzt bei rund 3 Millionen. Im gleichen Umfang wächst der Markt für gebrauchte Modelle, die von privat oder über den Handel den Besitzer wechseln.

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Ganz gleich, ob Sie ein Rad kaufen oder verkaufen möchten: Verschaffen Sie sich zunächst einmal einen Überblick über Angebote und Nachfrage. Für einen potenziellen Verkäufer bedeutet das, sich die Zielgruppe zu verdeutlichen und zu überlegen, wie denn der Käufer idealerweise aussehen würde.

Noch viel wichtiger ist dieser Überblick aber für denjenigen, der sich für ein gebrauchtes Elektrofahrrad interessiert. Je nach Vorkenntnissen gilt es zunächst einmal herauszufinden, welches E-Bike zu den persönlichen Bedürfnissen passt. Ganz wichtig ist natürlich auch die Frage: Was darf es denn kosten? Und Verkäufer müssen sich fragen, was das angebotene Rad denn wirklich wert ist.

Ein E-Mountainbike im Gelände.
Der äußerliche Zustand des Fahrrads gibt einen ersten Eindruck darüber, wie das E-Bike gepflegt wurde. Foto: Shutterstock / WAYHOME studio

Das Alter des E-Bikes ist entscheidend

Dreh- und Angelpunkt für die Preisermittlung ist – wie beim E-Auto – der Zustand des Akkus. Die meisten Elektro-Räder sind mit Lithium-Ionen-Akkus ausgerüstet. Ihr Vorteil ist ihre hohe Energiedichte. Das bedeutet, sie können mehr Energie bei relativ geringem Eigengewicht speichern. Allerdings haben Akkus – technisch bedingt– eine begrenzte Leistungsdauer. Nach 500 bis 700 Ladezyklen ist mit Einbußen zu rechnen.

Wie gut der Akku tatsächlich noch ist, lässt sich objektiv und durch äußerliche Betrachtung kaum bestimmen. Verkäufer können bei der persönlichen Einschätzung folgende Punkte zu Grunde legen:

  • Über 90 Prozent Leistung hat ein Akku wahrscheinlich dann, wenn das Bike noch relativ neu ist und zuvor nur wenig benutzt wurde
  • Bis zum dritten Akku-Jahr liegt die Leistungsfähigkeit zwischen 70 und 89 Prozent – ausgehend von einer durchschnittlichen Nutzung
  • Akkus mit geringerer Leistung (von 50 bis 69 Prozent) sind zwar "brauchbar", beschneiden allerdings die Reichweite maßgeblich
  • Mit einer Ladekapazität von unter 50 Prozent sind längere Fahrten kaum noch möglich – hier sollten Sie mit der Neuanschaffung eines Akkus rechnen

Voraussetzung für solche Schätzungen ist natürlich die richtige Lagerung und korrekte Behandlung des Akkus.

Der Akku eines Elektrofahrrads unter dem Gepäckträger.
Je älter das Fahrrad, umso älter ist meist auch der Akku – das wirkt sich auf die Leistung der E-Bikes aus. Foto: Shutterstock / Ruslan Sitarchuk

Tipp: Bestehen Sie unbedingt auf einen Diagnosebericht. Kompetente Fachhändler können bei vielen Marken mit einem Diagnose-Tool die entsprechenden Informationen (Anzahl der Ladezyklen und aktuelle Akku-Kapazität) auslesen. Auch die gefahrenen Kilometer geben einen Anhaltspunkt, wie es um den Verschleiß des Antriebs bestellt ist.

Kauf von privat: Die richtigen Fragen stellen

Insbesondere auf den entsprechenden Online-Verkaufsportalen finden private Verkäufer und Käufer zusammen. Dabei ist es wie immer bei solchen Kleinanzeigen: Mit schönen Fotos und genügend Details lassen sich Käufer locken – vor allem dann, wenn der Preis vergleichsweise günstig bzw. als Verhandlungsbasis (VB) ausgeschrieben ist.

Beim Realitätscheck vor Ort ist es deshalb wichtig, dass Sie die richtigen Fragen stellen:

Wurde das E-Bike gut gepflegt?

Indizien für eine gute Pflege ist Sauberkeit. Schauen Sie vor allem dorthin, wo man bei oberflächlicher Reinigung nicht unbedingt hinkommt: das sind Ritzen und Naben und vor allem die Rahmenteile, die von Kabeln verdeckt sind. Auch der Zustand der Bremsklötze kann ein Indiz für gute Pflege sein. Ideal ist es natürlich, wenn das Rad vom Fachhändler Scheckheft-gepflegt wurde. Dort findet man auch Vermerke über Reparaturen und Inspektionen.

Als Interessent sollten Sie durchaus auch Hand anlegen dürfen: Nehmen Sie das Display und den Akku ab und stecken Sie anschließend die Komponenten wieder zusammen. Das ist eine einfache Möglichkeit die Steckverbindungen zu prüfen.

Wo wurde das E-Bike gelagert?

Elektrofahrräder sind schon etwas empfindlicher als normale Fahrräder, deshalb gehört eine ordnungsgemäße Lagerung zu einem gepflegten Zustand. Ein Rad, das im Sommer wie im Winter draußen steht – unter Umständen nur durch eine Plane abgedeckt – kann durchaus Schaden nehmen, da Feuchtigkeit und Minustemperaturen durchaus der Elektronik schaden. Ein gutes Zeichen ist die Lagerung in der Garage oder im Keller.

Ist das E-Bike "unfallfrei"?

Fragen Sie nach eventuellen Unfällen oder "besonderen" Vorkommnissen wie beispielsweise Stürze! Auch wenn das Bike oberflächlich betrachtet einen tadellosen Eindruck macht, können beispielsweise Stürze die Sicherheit des Rades beeinflussen.

Ganz wichtig: Originalkaufvertrag anschauen

Jeder seriöse Verkäufer wird verstehen, wenn Sie sich den Originalkaufvertrag zeigen lassen. Leider gibt es auch in diesem Bereich schwarze Schafe, die versuchen ein gestohlenes E-Bike weiterzuverkaufen. Beim Kauf eines zulassungspflichtigen S-Pedelecs muss auch eine Betriebserlaubnis vorgelegt werden.

Probefahrt – nie ohne kaufen

Auch wenn der erste Blick noch so überzeugend ist, ohne Probefahrt sollten Sie nicht zum Vertragsabschluss kommen. Nur in einem solchen Praxistest können Sie herausfinden, ob das E-Bike auch hält, was der Anschein verspricht.

Ein Mann auf einem Elektrofahrrad.
Ein entscheidender Faktor vor dem Kauf: Die Probefahrt. Denn nur so können Sie testen, ob das E-Bike zu Ihnen passt und ob eventuelle Mängel unbemerkt blieben. Foto: picture alliance / dpa Themendie

Das sollten Sie bei der Probefahrt beachten

  • Stellen Sie zunächst das Rad optimal auf ihre Körpergröße ein
  • Lassen Sie sich vom Verkäufer eine notwendige Einweisung geben, auch wenn Sie sich bereits auskennen
  • Bei der Fahrt achten Sie auf Geräusche, die sich nicht zuordnen lassen
  • Wie ist das Lenkverhalten bzw. bleibt das Rad in der Spur?
  • Unterstützt der Antrieb regelmäßig oder gibt es dabei Aussetzer?
  • Auf jeden Fall sollten Sie eine Strecke wählen, die unterschiedliche Herausforderungen bietet

Übrigens: Kommt es während der Probefahrt zu einem Schaden, kann der potentielle Käufer nicht haftbar gemacht werden!

Umgekehrt sollten Sie als Verkäufer eines gebrauchten E-Bikes ebenfalls mit solchen Fragen rechnen – denn wer kauft schon gerne die Katze im Sack.

Gebrauchte E-Bikes: Von privat oder vom Händler?

  • Preis
  • Zustand
  • Gewährleistung
  • Kaufvertrag
  • E-Bike von privat
  • meist verhandelbar
  • schwer nachprüfbar
  • oft nicht vorhanden
  • individuelle Einigung
  • E-Bike vom Fachhändler
  • steht meist fest
  • oft Scheckheft-gepflegt und in guten Zustand
  • i.d.R 1 Jahr
  • vom Verkäufer

E-Bikes online kaufen und verkaufen

Zahlreiche Portale haben inzwischen auch den Kauf und Verkauf von gebrauchten E-Bikes im Angebot. Gute Anbieter erkennen Sie unter anderem daran, dass sie vom Verkäufer beispielsweise die Vorlage von Diagnoseberichten einfordern. Die meisten bieten zudem allgemeine Informationen rund ums E-Bike, sowie Restwert- oder Gebrauchswertberechnungen.

Es gibt beispielsweise Portale, die auf Premium-Hersteller spezialisiert sind, bspw. rebike1.de, oder solche, die gebrachte und reduzierte E-Bikes von Fachhändlern anbietet, bspw. Bikeexchange.de. Andere Anbieter wiederum bieten normale Fahrräder und E-Bikes über ein Portal an, bspw. bikesale.de oder ebike-markt.de. Speiche24.de wiederum bietet eine besonders fokussierte Suchfunktion, die durch die Eingabe von Marke, Bike-Typ, Motormarke und Preis des E-Bikes schnell und ohne große Umwege zum Ziel führt. Auch praktisch ist die Eingabefunktion der Postleitzahl, so dass nur Angebote aus der Nähe angezeigt werden.

Fazit: Bei gebrauchten Elektrofahrrädern ist es ähnlich wie bei gebrauchten Auto oder E-Autos: Das wichtigste ist der professionelle Check von der Fachwerkstatt – und dann kommt es vor allem auf die richtigen Fragen an, die ein Käufer dem Verkäufer stellt.

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