Elektromobilität

Gebrauchte E-MTBs kaufen und verkaufen: Darauf sollten Sie achten

von Gertrud Teusen

Günstig ein gebrauchtes E-Mountainbike kaufen? Das eigene E-MTB zugunsten eines neuen Modells verkaufen? Unsere Checkliste für Käufer und Verkäufer hilft.

Ein Mountainbike-Fahrer fährt auf einer schmalen Bergstraße.
Unendliche Weiten: Mit dem E-Mountainbike sind auch längere Trips kein Problem. Foto: Shutterstock / Umomos

Das erfahren Sie gleich:

  • Worauf es beim gebrauchten E-Mountainbike ankommt
  • Wann es die besten Preise für E-MTBs gibt
  • Welche fünf Tipps Käufer und Verkäufer beachten sollten

Wer ein gebrauchtes E-Mountainbike kaufen möchte, steht vor einem Dilemma: Hat der Vorbesitzer das E-MTB stark genutzt, spielt der Verschleiß eine große Rolle. Die hohe Beanspruchung kann zu Lasten der Sicherheit gehen, und ein vermeintlich topgepflegtes Modell entwickelt sich unter Umständen zu einem Groschengrab, in das man noch viel investieren muss.

Aber auch die E-Mountainbikes, die scheinbar kaum genutzt wurden, haben ihre Tücken. Denn unsachgemäße Lagerung nimmt ebenfalls Einfluss auf den aktuellen Zustand des Bikes.

E-MTBs: Wann gibt es die besten Preise?

Wer als Kaufinteressent vom edlen, aber günstigen E-Mountainbike träumt, sollte schnell aufwachen. Denn entweder sind die Gebrauchten fast so teuer wie die Restposten vom Vorjahr beim Händler oder haben je nach Schnäppchenpreis doch irgendeinen versteckten Haken. Mögliche Mängel werden oft als „Gebrauchsspuren“ kaschiert – und dann muss der Käufer viel Geld reinstecken, um ein sicheres E-MTB zu bekommen.

Das heißt nicht, dass es keine echten Schnäppchen gibt, doch es braucht Zeit und Geduld, um sie zu finden — und die richtige Saison. Die besten Angebote für E-MTBs gibt es im Herbst. Viele Verkäufer offerieren nach der Saison ihr Bike, weil sie im Frühjahr ein Neues kaufen wollen. Die Nachfrage ist gering - da sollte man als Käufer zuschlagen.

Für Verkäufer ist es genau umgekehrt: Die höhere Nachfrage erreichen sie garantiert im Frühjahr – da lassen sich unter Umständen bessere Preise erzielen.

Wo finde ich die besten Angebote?

Auch wenn wir inzwischen alle maximal digital sind: Beim E-Mountainbike geht ohne Vorabbesichtigung und Probefahrt nichts. Deshalb sind lokale Kleinanzeigen im Internet die sinnvollste Art, ein Bike anzubieten oder zu kaufen. Zumeist ist das dann auch kostenlos – aber vor allem ohne Risiko.

Allerdings brauchen Verkäufer Geduld und Käufer den Mut zum Verhandeln. Denn: Die Preise, die in den Anzeigen genannt werden, sind oft überhöht. Eine solche Plattform mit Umgebungssuche ist zum Beispiel Quoka.

Zahlreiche Portale im Internet haben inzwischen auch den Kauf und Verkauf von gebrauchten E-MTBs im Angebot. Generell und ohne Wertung kommen Käufer und Verkäufer jedoch bei speziellen E-Bike-Verkaufsportalen schneller zum Ziel – beispielsweise bei Used E-Bike.

Der Fahrradhandel oder Bike-Shop ist immer eine Option. Verkäufer müssen da allerdings mit enttäuschend niedrigen Angeboten rechnen. Käufer, die auf der sicheren Seite sein wollen, sind hier gut aufgehoben.

Fünf Tipps für Käufer

  1. Schlau machen: Lesen Sie Testberichte, schauen sie beim Fachhändler vorbei, lassen Sie sich beraten! Je mehr Sie über das Modell (die Modelle) erfahren, die Sie gebraucht kaufen wollen, desto zielgerichteter kann ihre Suche sein.
  2. Neupreis checken: Anzeigentexte versprechen meistens viel und halten oft wenig. Die einfachste Methode, einen seriösen Anbieter zu finden: Checken Sie den Original-Kaufpreis! Erst dann können Sie beurteilen, ob das Angebot wirklich günstig ist.
  3. Probefahrt vereinbaren: Kaufen Sie ein E-Mountainbike niemals nur nach Sichtprüfung, sondern fragen Sie gleich zu Beginn nach einer Probefahrt!
  4. Zeit nehmen für ein Gespräch: Schauen Sie sich das E-MTB genau an. Fragen Sie gezielt nach Vorschäden, Mängeln oder Stürzen! Wenn der Verkäufer rumdruckst, besser Finger weg!
  5. Schließen Sie einen Vertrag: Besiegeln Sie den Kauf in jedem Fall mit einem schriftlichen Vertrag – ein bloßer Handschlag kann fatale Folgen haben.

Nahaufnahme eines Displays am E-MTB-Lenkers, das ein älterer Mann mit seinem linken Zeigefinger bedient.
Fingerzeig für Käufer: Prüfen Sie das E-MTB ausführlich bei einer Probefahrt. Foto: Shutterstock / moreimages

Fünf Tipps für Verkäufer

  1. Online-Restwert-Rechner nutzen: Viele Verkäufer setzen den Kaufpreis nach dem Prinzip „Pi mal Daumen“ fest. Machen sie es sich einfacher und lassen Sie ihr E-MTB durch einen Restwertrechner wie den von Speiche24.de berechnen. So können Sie einen fairen Preis anbieten.
  2. Sachlich beschreiben: Bleiben Sie ehrlich, wenn es um die Beschreibung des E-MTBs geht. Übertriebene Floskeln schrecken die Käufer eher ab, als dass es das Angebot lukrativer macht.
  3. Mängel beseitigen: Nur ein einwandfreies Bike wird einen hohen Preis erzielen. Also beseitigen Sie bekannte Mängel im Vorfeld, selbst wenn es ein paar Euro kostet. Durch solche Belege vom Händler können Sie ihre eigene Glaubwürdigkeit hervorheben.
  4. Limit setzen: Es liegt in der Natur der Sache, dass der Verkäufer einen möglichst hohen Preis heraushandeln will, ebenso wie der Käufer nach einem Schnäppchen sucht. Legen Sie vorab für sich selbst eine untere Schmerzgrenze fest!
  5. Geduld haben: Im Winter geht wenig. Warten Sie mit dem Verkauf bis zur warmen Jahreszeit.

Gebrauchte E-Mountainbikes: Die Rechtslage

Bevor Sie ihr gebrauchten E-Mountainbike von privat an privat verkaufen oder sich als Käufer dafür interessieren, sollten Sie sich über die Rechtslage informieren:

Gewährleistung

Auch bei Privatgeschäften gibt es eine gesetzliche Gewährleistungspflicht bzw. ein Gewährleistungsrecht. Ganz praktisch bedeutet das: Wer ein E-MTB mit Mängeln verkauft, muss für die Behebung der Mängel gerade stehen.

Garantie

Vom Hersteller gegebene Garantien können an den Käufer übergeben werden. Darüber hinaus muss der Verkäufer halten, was er verspricht. Im Klartext: Wenn Mängelfreiheit bescheinigt wird, muss das auch den Tatsachen entsprechen.

Mängel

Wer ein E-Bike privat verkauft, muss auf bekannte Mängel hinweisen. Allerdings muss er nicht alle Macken aufzählen, es sei denn, er wird explizit danach gefragt.

Gewährleistungsfrist

Rein rechtlich gesehen kommt es darauf an, ob das Kaufobjekt am Tag des Vertragsabschlusses einen Mangel aufwies – oder eben nicht. Die Beweislast liegt beim Käufer. Im gewerblichen Handel ist es umgekehrt: In den ersten sechs Monaten muss der Händler nachweisen, dass das Rad mängelfrei war, als er es verkauft hat.

Diese Fragen sollten Sie schon im Vorfeld klären

Noch bevor Sie einen Besichtigungstermin vereinbaren, sollten Sie sich einige grundlegende Fragen stellen. Egal ob neu oder gebraucht, vor dem Kauf eines E-Mountainbikes ist generell zu überlegen:

  • Wie will ich das E-MTB nutzen?
  • Wo will ich damit unterwegs sein?
  • Wie groß ist mein Budget?
  • Brauche ich ein Hardtail (ein Mountainbike ohne Federung am Hinterrad) oder ein vollgefedertes Mountainbike, ein so genanntes "Fully"?

Folgende Fragen sollten Sie dem Verkäufer stellen:

  • Wie alt ist das Bike?
  • Wie viele Kilometer wurde es schon gefahren?
  • Wann war der letzte Service?
  • Wurden bereits Verschleißteile getauscht?
  • Ist oder war das Rad getunt?

Fakt ist: Je neuer, desto besser. Die technologische Entwicklung schreitet rasant voran. Neuere Bikes haben in der Regel eine bessere Geometrie, bessere Komponenten und auch einen besseren Antrieb. Als Faustregel gilt: Das Bike sollte nicht älter als zwei Jahre sein.

Eine Hand im Handschuh drückt auf einen grün umrandeten Knopf am Rahmen eines E-Mountainbikes.
Möglichst modern: Weil die Technik bei E-Mountainbikes rasant voran schreitet, sollte ein gebrauchtes Modell nicht älter als zwei Jahre sein. Foto: Shutterstock / WAYHOME studio

Entscheidend ist aber auch, wo der Fahrer mit dem Bike unterwegs war. Schaltung, Bremsen und Reifen verschleißen auf Bergfahrten viel schneller als im Flachland. Je mehr Kilometer gefahren wurden, desto höher ist die Verschleiß-Wahrscheinlichkeit.

Auch hier gibt es eine Faustregel: Alle 500 bis 1000 Kilometer braucht es neue Bremsbeläge, und alle 1500 bis 2500 km sollte die Kette gewechselt werden.

Ein E-Bike sollte einmal im Jahr zum Service. Dabei gibt es einen Ölwechsel bei den Federelementen, und manchmal muss auch Bremsflüssigkeit erneuert werden. Außerdem sind häufig Software-Updates für den Antrieb verfügbar. Der Verschleiß am Antrieb, den Bremsen und den Reifen ist normal. Wichtig ist nur, dass die Verschleißteile rechtzeitig ersetzt werden.

Werden an einem E-Mountainbike auch andere Teile (ohne Grund) getauscht, wird die CE-Kennzeichnung ungültig. Vorsichtshalber sollte man danach fragen. Auch das Motortuning ist ein Thema und dazu illegal. Es führt dazu, dass das Bike keine Betriebserlaubnis mehr hat und alle Herstellergarantien nichtig sind.

Die Schwerste aller Fragen: Warum wird das Bike verkauft?

Schön wäre es, wenn der Verkäufer einen plausiblen Grund hätte. Wenn er stattdessen ins Stottern gerät, will er vielleicht einen Mangel nicht preisgeben.

E-MTB: Die Besichtigung vor Ort

Beim Kauf oder Verkauf kommt es immer auf den ersten Eindruck an. Ganz gleich, ob Verkäufer bzw. Käufer seriös und freundlich auftreten, es kommt darauf an, welchen ersten Eindruck das E-Mountainbike vermittelt.

Steht es völlig verdreckt oder verstaubt da? Hat der Besitzer es sorgfältig geputzt oder nur lieblos drüber gewischt? Alles das sagt schon viel darüber aus, wie das E-MTB insgesamt gepflegt wurde. Spätestens jetzt sollte der Käufer auch fragen, wann das Bike zum letzten Mal beim Service war.

Für die Probefahrt sollte man sich ein Terrain mit unterschiedlichen Herausforderungen aussuchen. Nur so kann man ungewöhnliche Fahrgeräusche und die Reaktionszeiten von Bremsen und Antrieb kennenlernen. Lassen Sie sich die Unterlagen (z.B. Rechnungen) des Service zeigen! Auch den Originalkaufvertrag sollte man sich anschauen, bevor man in die Preisverhandlungen geht.

Dass über den Verkauf ein Vertrag angefertigt und unterschrieben werden muss, versteht sich von selbst.

Worauf es beim gebrauchten E-Mountainbike ankommt

Ganz gleich, ob Sie sich für ein E-MT interessieren oder das eigene verkaufen wollen. Darauf müssen Sie achten:

Der Rahmen

Der Rahmen ist das Herzstück eines E-Mountainbikes. Nehmen Sie sich Zeit, ihn in Ruhe zu untersuchen: Kleine Dellen in Alu-Teilen sind nicht schlimm, Risse im Carbon schon. Letzteres kann einem Totalschaden gleichkommen. Achtet Sie besonders auf die Lackierung an den Schweißnähten.

Beim Gebrauch kann es zum Abrieb durch Schlamm kommen, auch Steinschläge und daraus resultierende Dellen sind Gebrauchsspuren, die auf eine entsprechende Nutzung schließen lassen. Dadurch lassen sich Rückschlüsse auf andere Verschleißteile ziehen.

Die Bremsen

Apropos Verschleiß: Ein Blick in den Bremssattel verrät, wie viel noch von den Bremsbelägen übrig ist. Wer einen geschulten Blick hat, erkennt an den Riefen oder den Verfärbungen den Zustand der Bremsbeläge. Anhaltspunkt für intakte Bremsen sind bspw. vorn mehr als 200 mm übriggebliebene Bremsscheibe.

Die Reifen

Ganz gleich, ob E-Bike, Pedelec oder Mountainbike: Die Reifen sind ein klassisches Verschleißteil, und Ersatz ist immer teuer. Ob sie noch etwas taugen, erkennt man am Profil, sowie an Rissen oder Beschädigen an der Lauffläche oder an der Seitenwand.

Motor und Akku

Bei äußerlicher Betrachtung sollten Akku- und Motorabdeckung fest und ohne Spielraum am Rahmen sitzen und keine Schäden aufweisen. Insbesondere Verformungen oder Brüche an der Außenhülle von Motor und Akku sollten nicht vorhanden sein. Lithium-Ionen-Akkus sind tückisch, wenn es um Verformungen und Manipulation geht. Stichwort: Brandgefahr.

Ein Elektromotor braucht keine regelmäßigen Wartung, da die Zahl der bewegten Teile, die Verschleiß unterliegen, geringer ist. Allerdings altert der Akku mit jedem Ladezyklus. Die Anzahl der Ladezyklen kann man vom Händler ausgelesen lassen, ebenso wie die gefahrenen Kilometer.

Auch wichtig ist die Lagerung des Rads, wenn es nicht genutzt wird (also beispielsweise im Winter). Kalte Temperaturen lassen Akkus schneller altern. Auch sollten sie stets während der Winterpause auf einem mittleren Ladelevel gehalten werden.

Nahaufnahme des Rahmens eines E-MTB, an dem auch der Akku zu erkennen ist.
Der Akku ist das Herzstück eines E-MTB. Achten Sie hier besonders auf Deformierungen! Foto: Shutterstock / moreimages

Die Schaltung

Bei einem E-Mountainbike ist die Schaltung regelmäßig extremer Belastung ausgesetzt – auch so kann Verschleiß entstehen. Da das aber nur mit einer speziellen Kettenmesslehre ermittelt werden kann, sollte man das E-MTB in einer Werkstatt durchchecken lassen oder selbst in ein solches Werkzeug investieren. Am einfachsten ist allerdings der Praxistest bei einer Probefahrt: Sind alle Gänge schaltbar? Rutscht die Kette unter Belastung über die Ritzel?

Das Fahrwerk

Vom optischen Eindruck her kann der Käufer nur schauen, ob kein Öl beim Einfedern austritt. Auch sollten die Standrohre keine Kratzer oder Dellen aufweisen. Im Zweifel lohnt der Weg zur Werkstatt oder die Frage nach dem letzten durchgeführten Service.

Grau ist alle Theorie, deshalb ist eine Probefahrt ohnehin Pflicht. Gehen Sie dabei keine Kompromisse iein. Bevor Sie sich aufs Rad schwingen, stellen Sie alles optimal auf ihre Körpergröße ein.

Fazit: Im Zweifelsfall beim Händler kaufen!

Der Kauf eines E-Mountainbikes ist Vertrauenssache, und mögliche Mängel lassen sich für Laien oft nur schwer abschätzen. Da es beim Mountainbiken schon mal hart zur Sache gehen kann, muss man sich auf sein Rad 100-prozentig verlassen können. Hinzu kommt, dass die Modellvielfalt oft eine richtige Kaufberatung braucht – und die kann nur der Fachhändler bieten.

Die Ausnahme von der Empfehlung: Sie haben bereits ein bestimmtes Bike im Auge. Dann lohnt sich der Aufwand der Recherche. Vielleicht machen Sie ja ein Schnäppchen?

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