Leben

Fünf Frauen, die das Laufen verändern

von Stefan Adrian

Laufen wird immer weiblicher: Die Zahl von Frauen bei Laufveranstaltungen steigt und steigt. Manche blicken sogar über ihren persönlichen Trainingsplan hinaus – und verändern die Welt.

Fünf Frauen, die das Laufen verändern
Bei ihr läuft's: Für viele Frauen ist Laufen weit mehr als nur eine Methode zum Abnehmen. Foto: Unsplash/Marvin Ronsdorf

Das erfahren Sie gleich:

  • Immer mehr Frauen laufen
  • Manche engagieren sich über ihre persönlichen Ziele hinaus
  • Wir stellen fünf außergewöhnliche Läuferinnen vor

Nicht nur den Trainingsplan erfüllen

Steigende Teilnehmerinnenzahlen bei Langstreckenläufen und Joggerinnen, die das Stadtbild prägen - dass Frauen das Laufen für sich entdeckt haben, ist längst kein Geheimnis mehr. Und den meisten geht es dabei nicht nur ums Abnehmen, sondern um echte sportliche Herausforderungen. Viele engagieren sich in ihrem Leben außerdem auch weit über die sportliche Betätigung hinaus. Fünf dieser Frauen, die mit ihrem Laufen mehr bewegen wollen als nur Trainingspläne zu erfüllen, stellen wir dieser Stelle vor.

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Alison Désir - Harlem Run

2013 stand Alison Désir jeden Dienstag um sieben Uhr abends vor einem Yoga-Studio in Harlem und wartete. Dann lief sie alleine los. Erst nach zwölf Wochen gesellte sich erstmals eine weitere Läuferin hinzu - heute hat sich ihr Harlem Run zu einem Phänomen entwickelt. Désir gründete ihre Plattform, zu der auch Männer willkommen sind, nach einem Zustand der Depression. "Sport hat die Kraft, das Leben zu verändern", so das Motto von "Powdered Feet", wie sich Désir nennt. Die Runnerin sammelt Geld für Obdachloseninitativen oder lief im Januar 2017 als Protest gegen die zunehmende frauenfeindliche Stimmung in den USA 240 Meilen von New York nach Washington.

Rahaf Khatib - Run Like a Hijabi

Die Mutter von drei Kindern schrieb sich 2012 anlässlich eines Rennens ihres Sohnes für einen 10.000-Meter-Lauf ein. Als sie ihn beendet hatte, "fühlte ich mich euphorisch." Sie gründete den Instagram-Blog Run Like a Hijabi, und seither ist ihre Mission einfach, wenn auch nicht leicht: "Stereotypen überwinden und muslimische Frauen unterstützen", so Rahaf Khatib, die als erste verschleierte Frau 2016 das Cover eines amerikanischen Sportmagazins, Women's Running, zierte. Die gläubige Muslimin, die als Kind in den Achtzigern aus Syrien in die USA gekommen war, hat seither einige Marathons bestritten, darunter jenen von Berlin. Die Frage, die sie von ihren Mitläufern zu ihrer Kopfbedeckung am meisten zu hören bekommt: "Ist dir nicht warm?"

Sandra Mastropietro – Läuferleben

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Uta Pippig - Take the magic step

Die 1965 geborene Leipzigerin führte ein bewegtes Läuferleben: Nach der Wende stand sie Schlange im Sozialamt, 1990 gewann sie den Berlin-Marathon, 1993 den New York-Marathon und 1994 und 1995 den berühmten Boston-Marathon. In den laufbegeisterten USA genoss als ehemalige DDR-Athletin nur Eisläuferin Katharina Witt ähnliche Sympathiewerte. Pippig lief mit Bill Clinton um das Weiße Haus, war bei David Letterman zu Gast und wurde von Nike mit dem damals höchst dotieren Vertrag der Leichtathletik ausgestattet. Heute verbindet sie mit ihrer Organisation "Take the Magic Step" ihre Liebe zum Laufsport mit sozialem Engagement und Arbeit mit Wohltätigkeitsverbänden.

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Bobbi Gibb - Lauflegende

Apropos Boston: Hier lief die 23-jährige Roberta Louise "Bobbi" Gibb 1966 als erste Frau einen Marathon. Da Frauen eine Teilnahme untersagt war, versteckte sich die Studentin am Start hinter einem Busch und lief ohne Läufernummer, in einem schwarzen Badeanzug, Bermuda-Shorts und Krankenschwesterschuhen – es gab damals noch keine Laufschuhe für Frauen. Global bekannter wurde die ikonenhafte Fotografie von Kathrine Switzer 1967, als ein Ordner die Läuferin erfolglos von der Strecke zerren wollte, aber es war tatsächlich Gibb, die die Strecke bereits ein Jahr zuvor absolviert hatte. Sie benötige dafür 3:21,40 Stunden – und lag damit im ersten Drittel der Läufer. Die heute 74-jährige arbeitete später als Wissenschaftlerin, Anwältin oder Autorin – und lebt gegenwärtig als Künstlerin in Massachusetts.

Neue Generationen von Läuferinnen

Diese fünf Frauen haben nicht nur für das Laufen an sich viel erreicht, sondern auch viele andere Frauen inspiriert. Mit jedem solcher Vorbilder entsteht immer eine neue Generation von Läuferinnen. Und die bringt bestimmt wieder neue Frauen hervor, die das Laufen verändern werden...

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