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Frozen Shoulder: Woher kommt der plötzliche Autofahrer-Schmerz?

von Gertrud Teusen

Ganz plötzlich unerträgliche Schmerzen: Vor allem Autofahrer sind vom Phänomen der Frozen Shoulder betroffen. Wir erklären Hintergründe und Therapien.

Eine Frau sitzt im Auto und blickt über ihre rechte Schulter
Eine falsche Bewegung – und plötzlich dieser schlimme Schmerz. Autofahrer leiden häufig unter der Frozen Shoulder. Foto: Shutterstock / Rawpixel.com

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum bei vielen Autofahrern die Schulter plötzlich steif wird
  • Wieso der Heilungsprozess bei der Frozen Shoulder ein Geduldsspiel ist
  • Wie jeder selber vorbeugen kann

Ein Schmerz, der aus dem Nichts kommt – das klingt unheimlich. Beim Frozen- Shoulder-Syndrom ist es genau so: Von einem Moment auf den anderen wirkt es, als sei die Beweglichkeit plötzlich eingefroren. Diese schmerzhafte Momentaufnahme passiert häufig beim Autofahren oder während des Schlafens im Bett.

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Frozen Shoulder? Wie passiert denn so was? Zum Beispiel durch eine unerwartete Bewegung, Eine Lenkbewegung beispielsweise, wenn man einem Fahrradfahrer ausweichen will und abrupt das Steuer herumreißt.

Fast jeder kennt solche Situationen, in denen man eine falsche Bewegung macht, die prompt von einem stechenden Schmerz in der Schulter quittiert wird. Im Fall der Frozen Shoulder sind es in der Folge insbesondere die kleinen, alltäglichen Bewegungen, die überraschender Weise schmerzhaft werden.

Die typische Reaktion auf Schmerz ist Vermeidung, doch mit einer immer steifer werdenden Schulter geht das nicht lange gut, weil man eben fast gar nichts mehr tun kann. Den Parkschein aus dem Automaten ziehen oder die Haare kämmen – die Einschränkung greift nach einer ersten, fatalen Bewegung rasch um sich. In dieser ersten Phase der Erkrankung ist der Gang zum Arzt die einzig richtige Konsequenz.

Warum die Schulter plötzlich steif wird

Von einer Schultersteife oder Frozen Shoulder spricht man, wenn eine Bewegungseinschränkung im Glenohumeral-Gelenk besteht. Im Diagnosegespräch versucht der Arzt zunächst einmal, die näheren Umstände zu erfragen.

Typischerweise hat die Frozen Shoulder einen einschießenden Charakter.

Philipp Bissig und Richard W. Nyffeler, Bern

Am wichtigsten ist ein Test, bei dem der Arzt den Bewegungsumfang der Schulter bestimmt. „Typischerweise hat die Frozen Shoulder einen einschießenden Charakter“, schreiben Dr. Philipp Bissig und Privatdozent Dr. Richard W. Nyffeler­ von der Orthopädie Sonnenhof in Bern in einem Fachartikel der „medical tribune“. Zumeist ist nur eine Schulter betroffen, lediglich in 20 bis 40 Prozent der Fälle beide.

Lautet die Diagnose „adhäsive Kapsulitis“, bedeutet das vereinfacht übersetzt, dass es sich um eine Entzündung mit Verklebungen der Gelenkkapsel und des umgebenden Gewebes handelt. Die Gelenkkapsel ist verdickt und wird durch neu gebildetes Bindegewebe sehr stramm. Das geht zulasten der Beweglichkeit.

Frozen Shoulder: Ursachen verzweifelt gesucht

Der Begriff „Frozen Shoulder“ (engl. für „gefrorene Schulter“) beschreibt sehr bildhaft, worum es geht: Das Schultergelenk versteift rund um die Gelenkkapsel und ist dann wie eingefroren. Mediziner sprechen auch von „Schultersteife“.

Die Krankheit verläuft in drei Phasen:

  1. Am Anfang steht eine Entzündung der Gelenkkapsel in der Schulter. Wenn sich die Schulterschmerzen spontan bemerkbar machen, ist das die sogenannte „freezing phase“
  2. In Folge der Entzündung wird die Beweglichkeit zunehmend eingeschränkt – die „frozen phase“ ist erreicht
  3. Danach bessert sich der Bewegungsumfang meist wieder, und die Patienten sind überwiegend schmerzfrei „thawing phase“ (also „Auftau-Phase“)

So gut die Forscher den Verlauf der Krankheit auch kennen – über die Ursachen bzw. die Auslöser wird nach wie vor spekuliert. Zwar begünstigen chronische Stoffwechselerkrankungen (zum Beispiel Diabetes oder Schilddrüsenfunktionsstörungen) oder Lungenerkrankungen das Entstehen einer Frozen Shoulder, doch ursächlich sind sie nicht.

Was man gesichert weiß, ist wenig: Nämlich dass Frauen ab 35 häufiger betroffen sind als Männer und dass die Krankheit „selbstlimitierend“ ist. Das bedeutet, sie verschwindet von alleine wieder – nur leider nicht ebenso schnell, wie sie gekommen ist.

Bis es so weit ist, leiden die Betroffenen arge Schmerzen. Nach spätestens einem Jahr ist der Spuk meist vorbei, und die Hälfte der Patienten sind komplett beschwerdefrei.

Die Behandlung - was wirklich hilft

Auf die Diagnose folgt die Behandlung. Je nach Phase der Erkrankung kommen unterschiedliche Therapien zum Einsatz: entzündungshemmende Medikamente, Ultraschall, Wärme, Massage, Dehn- und isometrische Übungen. Manchmal helfen Steroidinjektionen und Nervenblockaden, um den Patienten wenigsten kurzfristig Linderung zu verschaffen.

Die Kombination von Akupunktur und körperlicher Bewegung kann eine effektive Option bei der Behandlung von Schultersteife sein.

Michael Devitt in "Acupuncture today"

Nicht selten beginnt für die Betroffenen eine Odyssee durch verschiedene Heilverfahren, die nicht alle bei jedem Betroffenen gleiche Wirkung zeigen. Vielversprechend ist beispielsweise die Akupunktur in Kombination mit Manueller Therapie bzw. Bewegungsübungen. Das beweisen auch Studien, wie „acupuncture today“ berichtete.

So haben Forscher beispielsweise 35 Erwachsene mit diagnostizierter Schultersteife in zwei Gruppen unterteilt, wobei die erste ausschließlich physiotherapeutisch behandelt wurde. Die Teilnehmer der zweiten Gruppe bekamen zusätzlich Akupunkturbehandlungen. Nach sechs Wochen wurde der schmerzfreie Bewegungsradius der Schultern gemessen, wobei Akupunkturgruppe signifikant besser abschnitt.

"Diese Studie liefert zusätzliche Daten zur möglichen Rolle der Akupunktur bei der Behandlung von Schultersteife, insbesondere bei Patienten, die nicht gut auf konventionelle Therapie ansprechen", so die Autoren.

Nahaufnahme einer Patienten, die drei Akupunkturnadeln in den Unterschenkel gesetzt bekommt.
O'zapft is! Akupunktur kann bei einer Frozen Shoulder helfen. Foto: Shutterstock / Africa Studio

Der Heilungsprozess - ein Geduldsspiel

Spontan, schmerzvoll, kurz ein Geduldsspiel: die Schultersteife (Frozen Shoulder) verschwindet irgendwann fast wie sie gekommen ist – sofern nichts anderes dahintersteckt. Viele Betroffene können das Ende der Schmerzen bzw. der Schultersteife kaum erwarten.

Doch es braucht einfach seine Zeit. Vorschnelle Operationen bewerten die Experten überwiegend kritisch. Schließlich ist das Schultergelenk ein sehr komplexes und entsprechend sensibles System.

Einer neueren Annahme über die möglichen Auslöser lässt sich sogar etwas Gutes abgewinnen. Demzufolge spricht einiges dafür, dass die Frozen Shoulder beispielsweise eine überschießende Heilungsreaktion des Körpers ist. Da nämlich die Sehnen der Schulter am frühesten und schnellsten verschleißen und sich Kalkablagerungen bilden können, wäre die Erkrankung als Mittel der "Selbstheilung" zu verstehen, denn mit dem "Auftauvorgang" verschwinden diese.

Lebensweise

Autofahren mit der richtigen Einstellung

Das Frozen Shoulder-Syndrom wird durch Bewegungsmangel und falsches Sitzen begünstigt. Besonders drastisch sind falsche Sitzpositionen im Auto, weil der Fahrer oft mehrere Stunden in der gleichen Position auf seinem Sitz zwischen den Pedalen und dem Lenkrad festsitzt.

Zusammen mit der nötigen Konzentration führt das zu Muskelverspannungen in den Beinen, dem Nacken und vor allem im Schulterbereich. Aufgrund der dauerhaften Vibrationen im Fahrzeug kommt es zu einer Stauchung der Wirbelsäule, so dass nach stundenlanger Fahrt durchaus bis zu 3 Zentimeter Körpergröße verloren gehen können.

Dabei lässt sich heute in den meisten Autos den Sitz mehrfach verstellen und so weitestgehend an die persönlichen Bedürfnisse anpassen. Doch in der Tat nehmen sich nur wenige Autofahrer dafür Zeit.

Für eine entspannte Fahrt achten Sie auf Folgendes:

Der ideale Sitzabstand: Rücken Sie mit dem Po im Sitz so weit wie möglich nach hinten. Den Sitzabstand zu den Pedalen so einstellen, dass die Beine bei durchgetretenen Pedalen leicht angewinkelt sind.

Die Rückenlehne: Die Lehne sollte den Rücken vom Po bis zu den Schultern abstützen. Auch bei Lenkbewegungen sollten die Schultern Kontakt zur Lehne haben. Die Neigung sollte so ausgerichtet sein, dass die Hände mit leicht angewinkelten Armen das Lenkrad erfassen.

Die Sitzhöhe: Bringen Sie den Sitz in die Höhe, die Ihnen eine freie Rundumsicht ermöglichen.

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Die Kopfstütze: Diese sollte auf gleicher Höhe wie der Kopf sein. Der Abstand zum Kopf beträgt im besten Fall ungefähr zwei Zentimeter.

Tipp: Besonders sehr große Personen haben häufig Schwierigkeiten, eine ergonomisch richtige Sitzposition im Auto zu finden. Oft ist die Rückenlehne nicht hoch genug und die Sitzfläche zu kurz. In solchen Fällen kann sich die Anschaffung eines entsprechenden Nachrüstsitzes für die Rückengesundheit durchaus lohnen.

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