Elektromobilität

Formel E soll Formel 1 in Zukunft nicht ablösen

von Jennifer Hollack

Öko-Atmosphäre statt vibrierender Tribünen: Die Formel E unterscheidet sich stark von der Formel 1 – aber sie hat auch ganz andere Ziele und Fans.

Rennwagen der Formel E beim Grand Prix of Hungary.
Überall auf der Welt fahren die Wagen der Formel E – auf Rennstrecken oder direkt in den Städten. Foto: picture alliance / HOCH ZWEI

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie es um die Ökobilanz der Formel 1 und der Formel E steht
  • Warum die FE der F1 nicht die Zuschauer wegnimmt
  • Weshalb Sponsoren und Autobauer aber sehr wohl zur Formel E überlaufen
  • Wie die Rennen zu Teststrecken für Elektro-Rennwagen und die Elektromobilität werden

Rauchende Auspuffe oder heulende Motorengeräusche? Fehlanzeige! Die Formel E punktet mit ganz anderen Werten. Mit spektakulären Rennen, namhaften Fahrern und atemberaubenden Strecken: etwa mitten in den schönsten Metropolen unserer Erde. Die gute CO2-Bilanz macht es möglich.

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Da können die F1-Rennen nicht mithalten: Die Anreisen sind weiter, denn die Strecken liegen meist ein wenig außerhalb der urbanen Gebiete. Hier punktet die Elektromobilität auf der Rennstrecke also deutlich. Aber wie sieht es ansonsten im Vergleich zwischen F1 und FE aus – und kann die Formel E die Königsklasse sogar ablösen?

Formel 1: Elektrifizierung der Rennserie?

Elektroautos sind bereits ein großes Thema, welches in den kommenden Jahren verstärkt Fahrt aufnehmen dürfte – nicht zuletzt durch drohende Verbote für Diesel und sogar Benziner. Die Formel E bringt die Technik in den internationalen Motorsport.

Der Rennsport soll ein grüneres Image bekommen und den Umweltschutz vorleben. Im Jahr 2014 rollten deshalb erstmals elektrisch betriebene Einsitzer an den Start. Die Formel E war geboren. Immer wieder kommen Gerüchte auf, dass die Serie in Zukunft die Formel 1 als Spitze des Motorsports ablösen könnte.

Selbst Nico Rosberg, Weltmeister der Formel 1 im Jahr 2016, sprach von einer elektrischen Zukunft der Rennserie. Gegenüber der US-Nachrichtenagentur AP sagte Rosberg: "Wenn der Moment kommt, an dem die Formel 1 elektrisch wird, was passieren wird, dann sehen wir vielleicht eine Fusion. Der Schritt der Formel 1 in die Elektrifizierung wird ein großer und schwieriger sein."

Jean Todt, Präsident der Fédération Internationale de l’Automobile (FIA), wehrt sich jedoch dagegen. Seiner Meinung nach wäre ein solches Vorhaben nicht realisierbar. Gegenüber Motorsport-Total.com sagte der ehemalige Chef von Ferrari: “Die Formel 1 und die Formel E sind zwei völlig unterschiedliche Kategorien. Die Formel E ist nicht so leistungsstark wie die Formel 1. Einer der Gründe, warum die Formel E in Städten fährt, ist, dass die Formel E auf einer Strecke wie Monza niemanden interessieren würde.”

Ökobilanz: Formel E versus Formel 1

Tatsächlich ist das Image der Formel E ist nicht vergleichbar mit dem der Formel 1: Die Formula 1 gilt noch immer als die Königsklasse des Motorsports – mit lauten Motoren, stinkenden Abgasen und einer Art Festival-Atmosphäre. Auf der anderen Seite steht die Formel E, die sich durch Nachhaltigkeit, Effizienz und technologischen Fortschritt auszeichnet. Aber wie steht es tatsächlich mit der CO2-Bilanz der beiden Rennveranstaltungen?

In ihrer CO2-Bilanz ist die FE unschlagbar: Denn die Formel E weist den niedrigsten CO2-Fußabdruck aller internationaler Sportveranstaltungen auf. Im Zuge dessen wurde ihr im Juli zum Saisonfinale 2017/18 in New York die ISO 20121 Zertifizierung verliehen. Das ist die höchste Auszeichnung für nachhaltige Veranstaltungen.

Dabei geht die Verbesserung des CO2-Fußabdrucks weit über die sauberen E-Antriebe hinaus. Es gibt zum Beispiel ein eigenes Abfallwirtschaftssystem und die FE arbeitet ausschließlich mit Zulieferern zusammen, die ebenso auf Nachhaltigkeit setzen.

Der Spritverbrauch eines Rennwagens in der Formel 1 hingegen liegt bei 60 bis 80 Litern auf 100 Kilometer. Das ist das Zehnfache eines normalen PKWs. Vor einigen Jahren wurde der Verbrauch aller Formel-1-Autos, -Rennen und -Tests zusammengerechnet. Gemessen wurde der Verbrauch der kompletten Saison 2007: also aller Autos im Feld bei allen Rennen, Trainings und Tests. Insgesamt lag der Verbrauch bei 150.000 Litern Kraftstoff. Das entspricht ungefähr dem CO2-Ausstoß eines Langstreckenfluges von Frankfurt nach Tokio in einer Boeing 747. Das klingt im Vergleich wenig – hinzu kommt aber eben auch die schlechte Müll- und Nachhaltigkeits-Bilanz insgesamt.

Ein Rennwagen der Formel E in New York 2018.
Ein Rennen mitten in New York: So urban fahren die Elektro-Rennwagen der FE. Foto: picture alliance / ATP

Neuer Motorsport für ein neues Publikum

Trotzdem stellt sich die Frage, ob die Formel 1 ausstirbt. Während die Saison 2016 weltweit ungefähr zehn Millionen Fans weniger vor den Fernseher zog, gab es in der Saison 2017 grundsätzlich einen kleinen Aufschwung – außer in Deutschland. Experten gehen deshalb davon aus, dass die Fans gesättigt sein könnten, weil sie so lange von Michael Schumachers, Sebastian Vettels oder auch Nico Rosbergs Erfolgen verwöhnt wurden.

Natürlich gilt hier immer auch zu berücksichtigen, dass sich die allgemeinen Fernsehgewohnheiten der Menschen geändert haben. Dazu kommt das etwaige Umdenken in der Gesellschaft, die immer mehr Wert auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz legt.

Und im direkten Vergleich sind die Zuschauerzahlen der Formel E noch verschwindend gering: Im Schnitt schalteten in der Saison 2017/18 80.000 Zuschauer ein – bei der F1 waren es 2017 durchschnittlich 603 Millionen Menschen. Sicherlich spielt dabei aber auch die Tatsache eine Rolle, dass die Formel E kaum im Fernsehen übertragen wird.

Die Zuschauerzahlen vor den heimischen Fernsehgeräten scheinen hier aber sowieso nicht die wichtigste Rolle zu spielen. Denn vor allem bei der entscheidenden Zielgruppe der Formel E, den sogenannten Millennials, stehen soziale Medien und Streaming-Dienste eher im Fokus als das lineare Fernsehprogramm. Sie sind jung, urban, mobil, minimalistisch, neugierig und vor allem interessiert daran, unseren Planeten ein bisschen besser zu machen.

Dazu gehören auch emissionsärmere Autorennen, die in den Stadtzentren von Marrakesch, Hongkong, Paris, New York, Monaco oder auch Berlin stattfinden – mit vielen Stars und Sternchen in den Boxengassen. Mit Dreck und Zeltlagern hat das nichts mehr zu tun.

Dass sich die beiden Rennen gegenseitig Zuschauer wegnehmen, ist bei der komplett gegensätzlichen Ausrichtung der Zuschauerinteressen doch eher unwahrscheinlich.

Sponsoren und Autobauer springen bei der Formel E auf

Mittlerweile sind alle großen Autohersteller in die Formel E eingestiegen. Neben BMW bauen auch Audi, Porsche, Renault, Jaguar und Mercedes Benz richtig schnelle E-Autos. Und auch bei den Sponsoren tut sich einiges: Selbst große Player ziehen sich mehr und mehr komplett aus der F1 zurück. So verkündeten BMW, Hugo Boss und die Allianz in der vergangenen Saison, dass sie künftig in die Formel-E-Teams investieren. Auch die Brauerei Heineken ist ab kommender Saison bei der Formel E mit an Bord.

Während in der F1 jeder Autohersteller sein eigenen Rennwagen baut, fahren in der Formel E alle mit einem Gehäuse von Renault. Von den eigentlichen Autoherstellern kommen minimale technische Änderungen. Da sich die Wagen so wenig unterscheiden, kommt es bei der FE vor allem auf die Fahrer an, die mit ihrem Fahrstil versuchen, einen Vorteil gegenüber den anderen Wagen herauszuholen.

Die Wagen haben aktuell 272 PS, werden bei 225 km/h abgeriegelt und die Batterien eines Wagens halten für ein halbes Rennen (12 bis 17 Runden). Bisher wurden sie von Williams Advanced Engineering geliefert.

Die Gen2-Wagen haben 340 PS und fahren 280 km/h. Die neuen Batterien der fünften Saison – Start ist am 15. Dezember 2018 – werden durch McLaren Applied Technologies vertrieben, allerdings von Lucid Motors (drei Ex-Mitarbeiter von Tesla) entwickelt. Im Mai 2018 wurden die Wagen beim Berlin-E-Prix vorgestellt. Mit den neuen Batterien sind die Elektro-Rennwagen ab der kommenden Saison zudem erstmals in der Lage, die Rennen am Stück durch zu fahren.

Die Rennstrecke als Teststrecke für die E-Mobilität

Den Wagen der zweiten Generation durfte der ehemalige Formel-1-Fahrer und Weltmeister Nico Rosberg testen. Seit seinem Ausstieg aus der Formula 1 interessiert Rosberg sich nicht nur für die Formel E, er ist ebenso großer Investor und selbst Fan. Diverse Rennen hat sich der ehemalige Formel-1-Pilot aus der Boxengasse in der gerade beendeten Saison 2017/2018 angesehen – und in der kommenden Saison werden es noch einige mehr. Er ist aber nicht der einzige F1-Veteran, der jetzt bei der FE mitmischt: Auch Heinz Harald Frentzen ist bei der Formel E als Co-Moderator dabei.

Updates

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Wenn wir die CO2-Emissionen bei der Energiegewinnung und beim Transport eliminieren, dann verschwinden die größten Quellen für CO2 in der Atmosphäre.

Alejandro Agag, CEO der ABB Formula E

Von der ständigen Weiterentwicklung der Elektro-Rennwagen profitiert letztlich auch der Endverbraucher. Denn vor allem der Gewinn an Reichweite ist der Formel E und der ständigen Optimierung für die Rennen zu verdanken. Die verbauten Batterien sind so komplex (in Sachen Kühlung, Zellen-Design, Größe, Gewicht, etc.), dass es ohne die Formel E und deren Tests unter Extrembedingungen sicherlich noch einige Jahre mehr gedauert hätte, um auf den heutigen Stand zu kommen.

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