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Leben

Ausstellung Food Revolution 5.0: Das Essen der Zukunft

von Leonie Butz

Seetang statt Fleisch, Algen-Farmen oder Mehlwurm-Paste: In der Ausstellung "Food Revolution 5.0" zeigen Designer, wie sich die Ernährung verändern könnte.

Algen im Meer, die sich an der Oberfläche spiegeln.
Algen, Seetang, Mehlwürmer: Die Ernährung der Zukunft in der Ausstellung "Food Revolution 5.0". Foto: Pixabay/PublicDomainPictures

Das erfahren Sie gleich:

  • Was, wann, wo: Ausstellung "Food Revolution 5.0" in Berlin
  • Wie muss sich unsere Ernährung verändern?
  • Sind Algen, Seetang oder Mehlwürmer das Essen der Zukunft?

Die Ausstellung Food Revolution 5.0 in Berlin

In den Staatlichen Museen zu Berlin beginnt am 18. Mai 2018 eine Ausstellung zur Zukunft des Essens: "Food Revolution 5.0". Bis zum 30. September 2018 ist hier alles zu sehen, was mit den Nahrungsmitteln von morgen zu tun hat – von fiktionalen Gedankenspielen bis zu realen Konzepten.

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Im vergangenen Jahr machte die Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg Station. Dort hat sich aio bereits umgeschaut – und Ideen direkt aus dem Leben und aus Science-Fiction-Visionen gefunden.

Wie muss sich unsere Ernährung verändern?

Knarzende Stufen führen hinauf zur Ausstellung. Alles ist hier aus Holz, die Türen, die Treppen, das Treppengeländer. In krassem Kontrast leuchtet hingegen der Eingang zur Ausstellung. Pinkes Neonlicht beleuchtet einen Garten für den Innenraum, der einem Gewächshaus mit mehreren Etagen ähnelt.

Über der Konstruktion steht in fetten, pinken Lettern der Name der Ausstellung: "Food Revolution 5.0". Wie bereits am Eingang Tradition und Moderne aufeinanderprallt, arbeitet die gesamte Ausstellung an alten Konzepten und neuen Methoden, um die Welt nachhaltig zu ernähren.

Das Konsumverhalten muss das System verändern – denn die bisherige Lebensmittelverschwendung und das Ungleichgewicht der Ressourcenverteilung funktionieren weder ökonomisch noch ökologisch oder sozial.

Vivian Michalski, kuratorische Assistentin Food Revolution (Hamburg)

Die Öko-Küche von morgen bringt nicht nur Bioprodukte auf den Tisch. Sie setzt auch bei der Reinigung des Abwassers auf Schilfpflanzen – die ebenso Regenwasser für den Gebrauch in der Küche reinigen können. Garen kann die Küche dank einer Heukiste, die Temperaturen über 100 Grad erreichen kann.

Konzept der Freilandküche von Ton Matton
Konzept der Freilandküche von Ton Matton. Foto: aio

Neben der nachhaltigen Küche wartet Vivian Michalski, die kuratorische Assistentin der Ausstellung. In schlichten dunklen Farbtönen gekleidet lehnt sie mit einem Arm locker auf einer Konstruktion, die eine Mischung aus Regal und Sitzbank um eine moderne Kochstelle darstellt.

Vivian Michalski, kuratorische Assistentin der Ausstellung "Food Revolution 5.0" in Hamburg.
Vivian Michalski, kuratorische Assistentin der Ausstellung "Food Revolution 5.0" in Hamburg. Foto: aio

Es ginge hier vor allem um den bewussten Lebensmittelkonsum, sagt sie. Die Menschen müssten zurückfinden zur Tradition. Ein Drittel der Treibhausemissionen gehe auf das Konto von industrieller Landwirtschaft. Heißt: weniger Fleisch essen und Gemüse aus regionalem und saisonalem Bio-Anbau beziehen. Oder gleich selbst anbauen.

Das Konsumverhalten, sagt Vivian Michalski, muss das System verändern – denn die bisherige Lebensmittelverschwendung und das Ungleichgewicht der Ressourcenverteilung funktionieren weder ökonomisch noch ökologisch oder sozial. Eine Revolution ist notwendig. Eine Food Revolution eben.

Algen, Seetang oder Mehlwürmer?

Aber wie soll sie aussehen, diese Revolution? Die Ausstellung, so betont Vivian Michalski, zeigt praktikable, bereits verwendete Systeme. So etwa das Prinzip des Vertical Gardenings, bei dem der Garten nicht in die Breite sondern wächst, sondern in die Höhe. Oder eine Algen-Farm, in der Forscher bereits heute Algen züchten.

Beide Konzepte sind übrigens in schrillen Farben beleuchtet – neben dem neon-pinken Garten erstrahlt die Farm im knalligen Grün. Auf der anderen Seite stehen "übertrieben spekulative Design-Konzepte", wie Vivian Michalski einige Stücke der Ausstellung nennt. Eine Maske etwa, die durch das eigens produzierte CO2 beim Ausatmen Algen wachsen lässt, die den Träger ernähren.

Algenmaske des Design Studios Burton Nitta
Die Algenmaske des Design Studios Burton Nitta. Foto: aio

Oder Bakterien, die den Menschen zu einer Art Hybridwesen zwischen Mensch und Hyäne werden lassen – und ihm so erlauben, verdorbene Lebensmittel zu essen. Im Kontrast zu den Neonfarben sind diese Konzepte sehr viel puristischer, fast farblos.

Die menschliche Hyäne von Designer Paul Gong
Die menschliche Hyäne von Designer Paul Gong. Foto: aio

Zwischen den bereits praktikablen und den möglicherweise niemals verwirklichbaren Elementen, zeigt diese Ausstellung auch Möglichkeiten auf, wie sich zukünftig die Ernährung entwickeln könnte. Mit Hilfe des 3D-Druckers etwa, der sogar in der Medizin bereits einen festen Stellenwert hat.

Mehlwurm-Paste aus dem 3D-Drucker: Ein Konzept von Carolin Schulze
Mehlwurm-Paste aus dem 3D-Drucker: Ein Konzept von Carolin Schulze. Foto: aio

Gedrucktes Essen, das klingt erst einmal nach Star Trek oder ähnlichen Sci-Fi-Visionen. Aber gedruckte Speisen aus zermahlenen Mehlwürmern sind heute bereits realisierbar. Und auch die ganz persönliche Mehlwürmer-Farm stellt die Ausstellung vor – in Kombination könnten diese beiden Projekte effektiv nahrhafte Lebensmittel herstellen.

Ebenso die Kombination aus einer Algen-Farm und des speziellen "Dulse" Seetangs, der gebraten wie Schinkenspeck schmecken soll und dabei viele Mineralstoffe, Vitamine und Antioxidantien enthält. Diese beiden Konzepte könnten den Fleischkonsum und die gesamte Ernährung in der Zukunft nachhaltig beeinflussen. Alternativ könnte der Fleischersatz aus dem Labor eine Lösung darstellen.

Kritisch mit Ernährung auseinandersetzen

Ein Spiel zwischen Möglichem, Wahrscheinlichem und Phantastischem bietet die Ausstellung "Food Revolution 5.0". Aber auch einen kritischen Blick auf die heutige Konsumgesellschaft. Viele Besucher, so betont Vivian Michalski, sind sich über viele kritische Punkte der heutigen Ernährung nicht bewusst – zu alltäglich ist der Einkauf im Supermarkt, um ihn noch zu hinterfragen.

Die Ausstellung regt aber einige zum Nachdenken an. Besondern Jugendliche, die oft selbst nicht an der Beschaffung der Lebensmittel beteiligt sind, setzen sich mit dem Thema erstmals kritisch auseinander.

Ein grundsätzliches Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Tierwohl, so fand das Marktforschungsinstitut Forsa im vergangenen Jahr heraus, scheint es in Deutschland grundsätzlich bereits zu geben. Die Ausstellung trifft also genau den Trend der Stunde.

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