Technik

Förbifart Stockholm: Schweden baut Mega-Tunnel

von Paul Bandelin

Rund um Stockholm entsteht ein umweltfreundlicher Megatunnel, der die schwedische Hauptstadt dauerhaft vor einem Verkehrsinfarkt schützen soll.

Eine Autobahn in Stockholm, daneben ist ein Fluss zu sehen, im Hintergrund sind Häuser.
Stockholm bei Sonnenuntergang: Die Stadt könnte so schön sein – ohne seine Autobahn. Zum Glück entsteht derzeit eine unterirdische Umgehungsstraße: Ein Autobahntunnel. Foto: Shutterstock/Kalin Eftimov

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie die Umgehungsstraße „Förbifart Stockholm“ die Innenstadt entlasten soll
  • Mit welchem Trick die schwedischen Tunnelplaner gegen das eindringende Grundwasser ankämpfen
  • Wie der Abtransport der gewaltigen Gesteinsmassen möglichst umweltfreundlich organisiert ist

Schweden baut gewaltiges Tunnelprojekt für Stockholm

Stockholm wächst unglaublich schnell. Keine andere Stadt in Europa verzeichnet eine derart hohe Wachstumsquote, wie die auf 14 Inseln errichtete schwedische Hauptstadt.

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Rund 2,1 Millionen Menschen – das ist mehr als ein Fünftel der schwedischen Bevölkerung – wohnen im Großraum Stockholm. Die vielen Pendler sorgen tagein, tagaus für immer wiederkehrende Verkehrsinfarkte. Und – trotz des wachsenden Einflusses der Elektromobilität – für schlechte Luft.

Das Trafikverket, das schwedische Äquivalent zum deutschen Verkehrsministerium, hat deshalb den Bau einer Umgehungsstraße mit dem Namen „Förbifart Stockholm“ beschlossen, um die Europastraße 4, das Zentrum der Stadt und die vielen kleinen Zufahrtsstraßen zu entlasten.

Das ambitionierte, rund 3,3 Milliarden Euro teure Projekt sieht eine 21 Kilometer lange Strecke vor. Sie führt von Kungens Kurva im Süden nach Häggvik im Norden. Davon werden mehr als 18 Kilometer unterirdisch in Tunneln verlaufen.

„Förbifart“ ist nicht das erste beeindruckende Tunnel-Projekt in Skandinavien: Der FinEst-Tunnel etwa soll ab 2024 Finnlands Hauptstadt Helsinki mit der estnischen Hauptstadt Tallinn verbinden.

Viele Herausforderungen beim Bau des neuen Autobahntunnels

Mittlerweile ist das im August 2014 begonnene Projekt in vollem Gange. Um den an manchen Stellen bis zu 80 Meter unter der Erde verlaufenden Tunnel zu realisieren, besteht die größte Schwierigkeit darin, das Eindringen von Grundwasser zu verhindern.

Das gelingt, indem die Arbeiter etwa 30 Meter lange und sehr dünne Löcher ins Gestein bohren. Diese befüllen sie mit einer Zementmischung. Derzeit rinnt trotz umfassender Verdichtungsarbeiten immer noch ein Teil des Grundwassers in den 16 Meter breiten Tunnel.

Wie viel genau ist von verschiedenen Faktoren abhängig, beispielsweise von der Wassermenge und dem herrschenden Wasserdruck im umgebenden Erdreich und Gestein. Besonders kompliziert ist die Konstruktion der Tunnelausfahrten, da diese besonders schwer gegen das Wasser aus dem Boden zu schützen sind.

Um das nicht zum Problem werden zu lassen, mussten sich die Ingenieure eines Tricks bedienen – und haben die Ausfahrt im Ganzen schon im Voraus in Beton eingießen lassen. Zuerst tragen die Arbeiter nun die überschüssige Erde ab. Im nächsten Schritt verlegen sie die vorgegossene und gegen sämtliches Grundwasser geschützte Betonröhre.

Abschließend füllen sie die restliche freie Fläche mit Erde auf. Um die Großbaustelle über Jahre hinweg möglichst umweltfreundlich zu halten, geschieht der Abtransport des aus dem Untergrund zu Tage beförderten Gesteins zur Hälfte auf dem Seeweg.

Die Steine werden komprimiert und im Anschluss über Förderbänder auf vorgelagerte Schiffe in drei Häfen verteilt und auf anderen Baustellen wiederverwendet. Den Rest bringen Lkw in unterschiedliche Teile des Landes.

Fahrt durch die „Förbifart“-Tunnel dauert 15 Minuten

Der Verkehr durch den „Förbifart Stockholm"-Tunnel soll nach Fertigstellung so schnell wie auf dem rund 2000 Kilometer umfassenden Autobahnnetz Schwedens rollen: Zwischen 80 und 100 Kilometer pro Stunde gibt das Trafikverket als Höchstgeschwindigkeit an.

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Autofahrer sollen somit innerhalb von 15 Minuten die neue, 21 Kilometer lange Straße passieren können. Zudem gab die schwedische Verkehrsbehörde bekannt, dass auch drei Buslinien das Tunnelsystem nutzen sollen.

Tunnel sind also nicht nur in den USA und bei Elon Musk derzeit schwer angesagt – auch in Skandinavien wird fleißig durch den Untergrund gebohrt. Die Eröffnung von „Förbifart Stockholm“ ist für 2026 geplant.

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