Technik

Flüssigsalz – Energiespeicher der Zukunft?

von Marten Zabel

Mit Flüssigsalz will Googles Mutterkonzern Alphabet eine neue Form von Energiespeicher entwickeln – dafür ist sogar eine Kooperation mit Bill Gates denkbar.

Zwei Strommasten mit Stromleitungen.
Grünen Strom gibt es genug – aber wie wird er transportiert und gespeichert? Foto: Shutterstock / Astrid Gast

Das erfahren Sie gleich:

  • Flüssigsalz als Stromspeicher: Warum Googles Mutterkonzern und ein Fonds von Bill Gates hier kooperieren könnten
  • Weshalb die Energiewende mehr Speicher benötigt
  • Wie Flüssigsalz auch als rein thermischer Energiespeicher nutzbar ist

Googles Mutterkonzern Alphabet arbeitet mit seinem Forschungslabor X an vielseitigen Zukunftsprojekten. Eines davon ist die Verwendung von Flüssigsalz als Stromspeicher für die Energiewende.

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Daran hat auch Bill Gates mit Breakthrough Energy Ventures Interesse. Die Patente sind bereits gewährt – und das erste kommerzielle System soll schnell ans Netz gehen. Könnte bei der Technik sogar eine Kooperation der beiden Tech-Giganten entstehen?

Kooperation von Alphabet und Bill Gates?

Alphabets Zukunftslabor X hat mit Project Malta den Plan gefasst, die thermischen Eigenschaften von Flüssigsalz in zwei Tanks als kostengünstige Speichermöglichkeit zu erforschen. Der für Investitionen in die Energiewende von Bill Gates gegründete Fonds Breakthrough Energy Ventures soll jetzt mit Alphabet in Verhandlungen stehen, in das Projekt einzusteigen, um es an den Markt zu bringen.

Das wäre nicht sie erste Investition in Energiespeicher: Im Jahr 2016 hat der Fond Geld in Quidnet gesteckt. Das Start-up will Brunnen als Speicher für hydroelektrische Energie nutzbar machen. Damit wären derartige Anlagen erstmals von der Geografie und Staudämmen unabhängig. Aber auch den Ozean selbst will Gates praktisch nutzen: Mit Rechenzentren am Meeresboden.

Das Patent, das Project Malta bereits hält, sieht dabei den Austausch von unterschiedlich heißen Salzlösungen zwischen zwei Tanks mit einer zwischengeschalteten Turbine vor. Gleichzeitig soll ein Wärmetauschmedium in entgegengesetzter Richtung zirkulieren.

Die Energiewende benötigt mehr Speicher

Aber warum ist diese Form des Energiespeichers überhaupt notwendig? Vor allem die Nachfrage nach immer mehr Ökostrom macht es unvermeidlich, dass unregelmäßige Stromquellen – wie Sonnenenergie, Windenergie oder Gezeitenkraftwerke – große Stromspeicher erhalten. Damit eng verbunden, kommt immer wieder die Frage auf, ob überhaupt genug Strom für die Energiewende und den Umstieg auf Elektromobilität vorhanden ist.

Es bedarf deshalb günstiger Möglichkeiten für den massenhaften Stromspeicher. Die bisher preiswerteste Möglichkeit, hydroelektrische Speicher, benötigt bestimmte geografische Voraussetzungen. Außerdem ist nicht jedes Terrain geeignet: Ein Tal und ein Damm sind dafür die Mindestanforderung. Simplere Lösungen sollen also bessere Ergebnisse beim Energiespeicher liefern.

Aber auch andere Akteure arbeiten daran, die Energiewende mit Flüssigsalz zu ermöglichen – und sogar mit anderen Stoffen zur Speicherung von Energie in Form von Wärme.

Beim Stromspeicher zählen vor allem die Kosten

Flüssigsalz zu nutzen, um Wärme zu speichern, ist keine neue Idee. Thermische Solarkraftwerke nutzen bereits die thermischen Eigenschaften von flüssigen Salzen. Die Sonne erhitzt dabei ein Reservoir, das auch nachts Hitze abgibt. Damit treiben sie dann Turbinen an, die Strom erzeugen.

Diese Art von Kraftwerk entsteht inzwischen an verschiedenen Orten, vor allem in Nordafrika und der arabischen Welt. Aber auch im rheinischen Jülich steht ein derartiges Versuchskraftwerk des DLR. Hier will das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt die Vorgänge weiter optimieren.

Spiegel bündeln die Sonnenstrahlen an einem Turm.
Energie im Fokus: Jülicher Sonnenkraftwerk des DLR. Foto: Volker Lannert

Alternativ zu Flüssigsalz entwickelt das norwegische Start-up Energy Nest gemeinsam mit Heidelberg Cement einen speziellen Beton, der ebenfalls als Energiespeicher deinen kann.

Flüssigsalz als rein thermischer Energiespeicher

Die Umwandlung von einer Energieform in die andere kostet natürlich gemäß den Gesetzen der Thermodynamik immer einen Teil dieser Energie. Entsprechend kommen Flüssigsalze vor allem dort zum Einsatz, wo die Energie zunächst als Wärme anfällt.

Updates

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Das Hamburg-Institut testet unterdessen für das Hamburger Fernwärmenetz die Möglichkeit Fernwärme statt elektrischer Energie in Salzlösung zu speichern. Der Clou: Keine oberirdischen Tanks sollen als Akku dienen. Stattdessen sondert Salzlösung Wärme ab.

Diese wird per Bohrloch in eine unterirdische Grundwasserschicht gepumpt, um im Erdinneren ihre Wärme zu halten. So lassen sich in der Theorie praktisch unbegrenzte Energiemengen speichern. In Verbindung mit mehr Solaranlagen ließe sich so der Strommix deutlich sauberer machen.

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