Elektromobilität

Florian Walberg: "Elektroroller sind eine praktische Alternative"

von Jennifer Hollack

EGRET-Gründer Florian Walberg spricht im Interview mit aio über die Vorteile von Elektrorollern – und warum Elektromobilität mehr als ein Trend ist.

Florian Walberg auf seinem EGRET-Elektroroller in der Hamburger Speicherstadt.
Mit dem eigenen Elektroroller durch Hamburg düsen: Florian Walberg hat seine Firma Walberg Urban Electrics bereits 2012 gegründet – heute liefert er die faltbaren Roller der Marke EGRET und THE-URBAN europaweit in 19 Länder. Foto: Walberg Urban Electrics

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie die Geschichte von EGRET begann
  • Wie Florian Walberg um eine Straßenzulassung für Elektroroller kämpft
  • Wie der EGRET-Chef die Chancen der Elektromobilität einschätzt

Wie die Geschichte von EGRET begann

2012 hat Florian Walberg, früher Mitglied der Boyband "Bed & Breakfast", die Firma Walberg Urban Electrics gegründet – ohne zu wissen, ob es überhaupt einen Markt für seine Idee gibt. Mittlerweile beliefert der Hamburger über 19 Länder in Europa mit seinen faltbaren Elektrorollern unter den Marken EGRET und THE-URBAN.

Die Geschichte von Florian Walberg und den faltbaren Elektrorollern fing mit einem Roller an, den er Anfang der 2000er geschenkt bekommen hatte. Dieser ging ständig kaputt, und die unzähligen Reparaturen in Eigenregie gingen Walberg schnell auf die Nerven.

Im Interview mit aio spricht Florian Walberg über seinen Kampf mit der Bürokratie, Lösungen für die letzte Meile vom Parkplatz bis nach Hause und die Chancen der Elektromobilität.

Ich will auf einem Elektroroller nicht aussehen, als hätte ich einen Dreijährigen überfallen.

aio: Was hat dich damals an deinem ersten Elektroroller gestört? Was macht ihr an euren Elektrorollern besser?
Florian Walberg: Die damaligen Roller haben nicht meinem Anspruch an Qualität und Design entsprochen. Ich will als Erwachsener auch auf einem erwachsenen Fahrzeug unterwegs sein und nicht aussehen, als hätte ich einen Dreijährigen überfallen.

Da ich bereits über sehr gute Kontakte nach China verfügte, konnte ich direkt von Anfang an auf die besten Zulieferer setzen. Ich bin immer noch bei jeder Produktion vor Ort, um unseren Qualitätsanspruch sicherzustellen.

Wie Florian Walberg um eine Straßenzulassung für Elektroroller kämpft

Zum Thema Straßenzulassung: Offiziell dürfen deine Elektroroller nicht auf der Straße fahren. Wie möchtest du das ändern?
Ich wusste von Anfang an, dass die Roller – so wie ich sie derzeit baue – in Deutschland und anderen europäischen Ländern nicht für den Straßenverkehr zugelassen werden können.

Also habe ich die entsprechenden Behörden gefragt: Wer kann das ändern? Die Antwort war: Brüssel. Dann bin ich nach Brüssel und habe mich so lange durchgefragt und genervt, bis ich wusste, mit wem ich sprechen muss. Da das Thema gerade nicht nur mich beschäftigt, hatte ich schnell einige Mitstreiter um mich versammelt, mit denen ich in einer Arbeitsgruppe bin.

Wer aus der Elektromobilitätsbranche sitzt da mit dir?
Ich sitze in Brüssel zusammen mit Vertretern von Honda, Segway oder Toyota an einem Tisch, um die Spezifikationen des technischen Standards für die neue Fahrzeugklasse der Personal Light Electric Vehicles, kurz PLEV, zu definieren.

Dieser Standard wird dann als Grundlage für die Gesetzgebung herangezogen. So einen technischen Standard festzulegen ist wahnsinnige Arbeit.

Wie ist hier der Stand der Dinge?
Wir sind sehr stolz darauf, dass bereits einige Länder ihre Gesetze geändert haben und somit unsere neue Fahrzeugklasse als Fahrrad akzeptieren. Darunter sind unter anderem Österreich, die Schweiz, Norwegen, Finnland, Belgien – und seit Anfang 2018 auch Dänemark.

Grundlage für eine flächendeckende europaweite Zulassung wird dann der von uns erarbeitete technische Standard, der gegebenenfalls noch landesspezifisch reguliert wird, zum Beispiel durch Geschwindigkeitsbeschränkungen.

Wenn sich Realität immer nach Gesetzen richten würde, gäbe es keinerlei Innovation.

Woran scheiterte es bisher, warum gibt es aktuell noch keine Straßenzulassung?
Das Problem ist, dass unsere Fahrzeuge in keine bisher bestehende Kategorie passen. In Deutschland ist es nun mal so, dass alles, was nicht erlaubt ist, verboten ist. Daran halten sich alle. Das sieht in anderen Ländern ganz anders aus.

Ich könnte auf meine Roller einfach einen Sitz montieren oder ein Pedal anbringen, schon würden sie in die Kategorie Fahrrad oder Moped fallen. Das ist doch absurd. Wenn sich die Realität immer nach den geltenden Gesetzen richten würde, gäbe es keinerlei Innovation.

Florian Walberg
Der ehemalige Boyband-Sänger Florian Walberg gründete nach dem Ende seiner Gesangskarriere ein Unternehmen, das Elektroroller herstellt. Foto: Walberg Urban Electrics

Wie der EGRET-Chef die Chancen der Elektromobilität einschätzt

Wie realistisch ist es in deinen Augen, dass wir mehr und mehr auf Elektromobilität umsteigen?
Das ist nicht nur realistisch, dieser Prozess ist schon in vollem Gang. Wir bekommen natürlich mit, dass sich auch eher traditionelle Mobilitätsanbieter wie Autobauer oder Verkehrsverbunde ganz konkret mit dem Thema auseinandersetzen.

Und das beschränkt sich nicht nur darauf, eigene Fahrzeuge in elektrische Modelle umzuwandeln. Alle sind auf der Suche nach integrierbaren Lösungen, die die letzte Meile von der Haltestelle ins Büro oder vom Parkplatz nach Hause überbrücken.

Gibt es konkrete Autobauer aus dem Bereich Elektromobilität, die an euren Elektrorollern interessiert sind?
Ziel aller Autobauer ist es, eine Lösung zu finden, die sich in ihre Fahrzeuge integrieren lässt. Aufgrund verschiedener Verträge können wir an dieser Stelle nicht so viel sagen, wie wir gerne würden.

Unterm Strich bleibt der Fakt, dass faltbare Elektroroller für unsere Mobilität – sei es mit dem Auto oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln – eine praktische Alternative sind. Und das wissen auch die großen Player der Industrie.

Wir erleben gerade, wie sich Mobilität nachhaltig verändert – das ist kein Trend, sondern eine Kehrtwende.

Inwiefern setzen die sich mit dem Thema Elektromobilität auseinander? Wie sieht die Suche nach integrierbaren Lösungen genau aus?
Wir erleben gerade, wie sich Mobilität nachhaltig verändert – das ist kein Trend, sondern eine Kehrtwende. Und da will keiner den Anschluss verpassen. Natürlich sehen alle Autobauer das Potential hinter dieser neuen Fahrzeugklasse.

Die Größe eines Konzerns bringt aber auch eine gewisse Behäbigkeit mit sich. Daher können unsere Autobauer nur sehr schwer mit der nötigen Flexibilität und mit dem Mut zur Lücke umgehen, die zum Schaffen und Erschließen einer neuen Industrie notwendig ist.

Wie sieht in deinen Augen die Mobilität der Zukunft aus?
Individuell und elektrisch. Und kompakt natürlich. Wir hätten da schon mal was vorbereitet.

Was wird in den nächsten fünf Jahren in dieser Hinsicht passieren?
Auch in Deutschland wird die Straßenzulassung zeitnah kommen. Wir können uns nicht leisten, beim Thema individuelle Elektromobilität noch weiter abgehängt zu werden.

Sobald die Zulassung da ist, werden alle Mobilitätsanbieter mit ihren Lösungen auf den Markt drängen. Und dann wird sich zeigen, wer seine Hausaufgaben gemacht hat.

Ist Elektromobilität nur in Großstädten möglich oder lässt sich das auch auf dem Land umsetzen?
Ich denke, Elektromobilität ist überall ein Thema. In Großstädten liegt der Fokus auf Fahrzeugen, die möglichst klein sind und die kombinierbare, individuelle Mobilität ermöglichen.

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Für Elektrofahrzeuge, die auf dem Land genutzt werden, sind andere Faktoren wichtiger: Belastbarkeit, Reichweite, Fahrkomfort.

Wir haben allerdings auch Kunden, die ihren EGRET-Roller benutzen, um damit zum Pferdestall zu fahren. Unsere Roller lassen sich am Ende doch einfacher in den Kofferraum laden als ein Fahrrad.

Updates

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