Technik

Fliegende Autos an der Leine: Da ist die Bewegungsfreiheit eher mau ...

von Marten Zabel

Sollen elektrisch fliegende Autos in Zukunft die Städte dominieren, brauchen sie dafür Energie. Die könnten in die Luft gespannte Freileitungen liefern.

Stromleitungen vor einem grauen Himmel.
Immer an der Stromleitung entlang: So könnte Entwickler die Reichweiten-Problematik von fliegenden Autos in den Griff bekommen. Foto: Shutterstock / BMJ

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie das Start-up Karman Electric dem Reichweitenproblem von fliegenden Autos begegnen will
  • Welche Vor- und Nachteile das System für das elektrische Fliegen bereithält
  • Weshalb so nur die Großstadt in den Genuss von elektrische Flugzeugen käme

Die meisten fliegenden Autos, an denen unterschiedliche Firmen derzeit arbeiten, haben mit ihren elektrischen Antriebssystemen eine große Schwäche: die Reichweite. Während viele Unternehmen noch auf eine Revolution in der Akkutechnik hoffen, hat die Firma Karman Electric einen anderen Vorschlag: Wie Züge sollen sich die Fluggeräte an Freileitungen einklinken. Um den Verkehr in Zukunft in die dritte Dimension zu heben, könnten Städte also Stromkabel über Verkehrswegen spannen, damit den fliegenden Autos nicht der Saft ausgeht.

Die Technik ist simpel genug, dass die Entwickler von Karman Electric es bereits an kleinen Drohnen testen können. Ein langes Kabel ist durch die Luft gespannt und das Fluggerät hängt an einem kurzen Kabel mit Stromabnehmer daran. Ähnlich wie bei einer Tram wären damit zwar die Flugwege auf bestimmte Korridore beschränkt, die dritte Dimension wäre aber dennoch erschließbar – und das deutlich günstiger, als etwa durch den Bau von Straßen auf Hochtrassen.

Die ersten Tests von Drohnen an der Leine bei Karman Electric.
Bisher alles andere als frei beweglich: Eine fliegende Drohne an der Leine. Foto: Karman Electric

Kabel für fliegende Autos und elektrische Flugzeuge?

Fliegende Autos an Freileitungen zu fesseln hätte seine Vor- und Nachteile. Das System würde es möglich machen, den Verkehr in Großstädten in mehreren Ebenen zu führen, ohne dass Tunnel gebohrt oder Brücken errichtet werden müssen. Auch wären die Fahrzeuge im Vergleich mit akkubetriebenen Fluggeräten relativ billig zu bauen und würden eine Menge Gewicht einsparen. Außerdem wäre der Flugverkehr so sehr viel simpler planbarer als bei freischwebenden Fluggeräten.

Auf der anderen Seite wären die Flugkorridore auf fixe Routen beschränkt, was einen Teil der Verkehrsentlastung wieder ausgleichen dürfte. Außerdem könnten kreuz und quer durch die Stadt gespannte Hochspannungsleitungen nicht nur ein gewisses Risiko bei Unwettern darstellen, sondern auch das Stadtbild verschandeln. Zudem wäre das elektrische Flugzeug der Zukunft in diesem Fall eher eine städtische Seilbahn.

Die Idee, fliegende Autos wie Züge mit Freileitungen zu versorgen, ist nicht gänzlich neu: In einigen Science-Fiction-Werken kommen derartige Systeme tatsächlich bereits vor. Im Falle von Michael Bays "Die Insel" aus dem Jahr 2005 fuhren schwebende Züge an Drahtleitungen durch die Stadt und der französische Streifen "Immortal – New York 2095: Die Rückkehr der Götter" von Enki Bilal aus dem Jahr 2004 zeigt exakt das, was dem Start-up Karman Electric vorschwebt: Fliegende Autos an Freileitungen, die sich durch die Häuserschluchten einer Großstadt bewegen.

Elektrisches Fliegen nur in der Großstadt?

Das erste gezeigte Testsystem von Karman Electric zeigt keine frei hängenden Leitungen, sondern eine Stromschiene am Boden. Entsprechend sehen Kritiker bei diesem System zunächst einmal keine Vorteile gegenüber Zügen und Straßenbahnen, die ähnliche Fähigkeiten mitbringen, ohne dabei von Rotoren in der Schwebe gehalten zu werden.

Schaffen es Ingenieure allerdings, die Leitungen durch die Luft zu spannen, sähe die Sache bereits anders aus. Selbst dann wäre ein solches System in sich geschlossen und würde sich nur in sehr dicht besiedelten Abschnitten von Städten lohnen. Für Flüge in die Vororte oder gar aufs Land bräuchte es dann weiterhin Lösungen für Flugmaschinen, die ihre Energie mit sich herumtragen, anstatt auf eine direkte Leitung zum nächsten Kraftwerk angewiesen zu sein.

Auch interessant

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.

Schließen