Elektromobilität

Fliegende Autos: Hersteller, Modelle, Konzepte und Preise

von
Carsten Fischer

Dem fliegenden Auto gehört die Zukunft: Doch wer arbeitet an den Fluggeräten, wie sehen sie aus und was sollen sie kosten? Die Antworten!

Ein Flugtaxi fliegt über die Themse in London – allerdings nur als Entwurf.
Neuer Nahverkehr? Vielleicht sind Flugtaxis in naher Zukunft Teil des Mobilitätskonzepts. Foto: Eleanor Bentall

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie fliegende Autos Verkehrsinfarkten vorbeugen könnten
  • Was Blackfly zum Fortbewegungsmittel der Zukunft machen könnte
  • Warum auch große Namen wie Audi und Rolls-Royce Interesse am Flugtaxi haben

Was im zweiten Teil von Harry Potter noch Kinofreunde amüsiert hat, ist gerade dabei, Realität zu werden: fliegende Autos. In vielen Ländern tüfteln Wissenschaftler und Ingenieure, wie sie die Fahrzeuge bestmöglich in die Luft bekommen – ein weiterer Zweig der Elektromobilität.

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audi.de/DAT-Hinweis

Dabei gibt es unterschiedliche Ansätze: Was sie eint, ist der Drang nach einer Revolution des Transportsystems und einer Entlastung des urbanen Verkehrs. Denn mittlerweile mehren sich in den Metropolen die Verkehrsinfarkte.

Der Viersitzer: City Airbus

In Ingolstadt stellte das Unternehmen Airbus ein fliegendes Auto vor. Der City Airbus ist soll als Taxi der Lüfte dienen und bis zu vier Passagiere transportieren. Der Senkrechtstarter hebt dank vier großen Propellern vom Boden ab. Die Entwicklung erfolgte gemeinsam mit Siemens.

Beweisen konnte die französische Firma das allerdings noch nicht, denn der City Airbus war bisher nur auf einer mobilen Bühne stehend zu sehen. Erste Testflüge will das Unternehmen allerdings bald starten. Das bestätigte Airbus auf Twitter. Als Ort dafür soll Ingolstadt dienen, das Teil des Projekts "Urban Air Mobility" (UAM) der EU ist.

Das Shuttle: Lilium

Das Unternehmen Lilium kommt aus dem deutschen Süden, genauer aus München. Bereits seit Jahren entwickelt und testet die Firma erste Prototypen von Flugtaxis, die in naher Zukunft die Lüfte erobern sollen. Im April 2017 hob einer davon erfolgreich vom Boden ab, legte einige Meter zurück und landete dann wieder sicher auf dem Boden. Doch weil Lilium nur selten Einblicke in die Entwicklungen gibt, war es lange still um das Unternehmen.

Das änderte sich kürzlich, denn die Münchner gaben Informationen zu einer möglichen Kooperation bekannt. Demnach soll das Unternehmen in Gesprächen mit den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) stecken. Die wollen die fliegenden Autos als Lufttaxis zur An- und Abreise von Bahnstationen nutzen. Bisher unterzeichneten die beiden Parteien aber nur eine Absichtserklärung. Genaueres verrät Lilium bisher noch nicht.

Die Flieger sollen rein elektrisch und nahezu lautlos über das Land schweben. Dabei sind laut Hersteller Geschwindigkeiten von bis zu 300 km/h möglich. Spätestens nach 300 Kilometern soll eine frische Akkuladung notwendig sein.

Der Vorbestellbare: Pal-V

Fliegende Autos sind bereits viel näher, als mancher denken mag. Das Unternehmen PAL-V aus den Niederlanden plant mit dem Liberty bereits für 2020 den Marktstart. Das “Personal Air and Land Vehicle” soll ganz legal auf der Straße fahren dürfen und sich durch klappbare Rotoren in einen Helikopter verwandeln.

Vorbestellungen nimmt die Firma aber schon jetzt entgegen. Allerdings müssen Interessenten eine Reservierungsgebühr in Höhe von 25.000 Euro für die Top-Version Pioneer entrichten. Beim Liberty Sport schlägt sie mit 10.000 Euro zu Buche. In beiden Fällen ist eine Rückerstattung ausgeschlossen. Wer sich hingegen nur einen Platz in der Warteliste sicher möchte, bezahlt dafür 2500 Euro – von denen sich 2000 Euro rückerstatten lassen.

Die hohen Reservierungsgebühren geben bereits einen Hinweis auf die hohen Preise des fliegenden Autos. Der Pal-V Liberty Sport kostet 299.000 Euro, die vollausgestattete Pioneer-Variante sogar 499.000 Euro. Dafür verspricht der Hersteller Exklusivität: Nur 90 Exemplare der Pioneer Edition soll es geben – weltweit.

Der Modulare: Pop.Up Next

Auf der Drone Week in Amsterdam zeigten drei Unternehmen einen funktionierenden Prototypen für ein Flugtaxi: Audi, Airbus und Italdesign. Er hört auf den Namen “Pop.Up Next” und besteht im Grund aus drei Teilen. Der obere Teil ist eine große Flugdrone mit einem Verschlusssystem an der Unterseite. Damit ist das Fluggerät in der Lage, eine Passagierkapsel aufzunehmen.

Diese soll Platz für mehrere Personen bieten und bequemes Reisen durch die Luft ermöglichen. Weil Flugtaxis nicht überall landen können und die Fahrgäste dennoch bis zum Ziel kommen sollen, gibt es als dritten Teil ein autonomes Auto. Das steht am Landeplatz bereit und besteht aus einer Basis, auf der sich die Kapsel andocken lässt.

Testflüge des Systems funktionieren bereits, allerdings nur im Maßstab 1:4. Im nächsten Schritt soll ein Prototyp in voller Größe fliegen und fahren. Wie der damit verbundene Dienst aussehen könnte, erprobt Audi derweil zusammen mit der Airbus-Tochter Voom in Mexico City und Sao Paulo. Dort lässt sich bereits ein Hubschrauberflug buchen, gekoppelt an die An- und Abreise vom Flugplatz in einem Audi.

Laufen die weiteren Tests von Pop.Up Next erfolgreich, könnte der Dienst laut Audi bereits im kommenden Jahrzehnt starten.

Der Senkrechtstarter: Blackfly

Insgesamt neun Jahre Entwicklung und knapp 20.000 zurückgelegte Flugkilometer stecken in Blackfly – dem Projekt des kalifornischen Start-ups Opener.

Was es genau ist, das die US-Amerikaner da entwickelt haben, bleibt jedem selbst überlassen. Manche mögen es auch eher als Flugzeug denn als fliegendes Auto bezeichnen.

Der vier Meter breite und eineinhalb Meter hohe Senkrechtstarter besteht zu großen Teilen aus Kohlenstofffaser und wiegt deshalb lediglich 142 Kilogramm – kann aber auch nur einen Piloten beherbergen, der nicht mehr als 1,99 Meter misst.

Bei einer Maximalgeschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde sowie einer Akkuladung, die zwölf Kilowattstunden beträgt, soll der elektrisch betriebene Blackfly eine Distanz von bis zu 65 Kilometer zurücklegen können. Dank der Supercharger-Technologie lässt es sich zudem innerhalb von 25 Minuten auf 80 Prozent der Kapazität laden.

Neben der Entlastung des Straßenverkehrs könnten fliegende Autos wie Blackfly auch die Lärmemission senken. Laut Angaben auf der offiziellen Homepage ist der Betrieb der Blackfly 72 Dezibel laut. Also irgendwo zwischen Staubsauger und Schleudergang einer Waschmaschine.

Straßenlärm erreicht, je nach Verkehrsdichte, bis zu 80 Dezibel. Allerdings bezieht sich die Angabe von Opener auf die Nutzung eines einzelnen Blackflys. In Summe dürfte das Surren der Rotoren als wesentlich lauter wahrgenommen werden.

Die Macher von Opener versprachen bei der Präsentation des Flugfahrzeuges im Juli 2018 zudem, dass es sich unkompliziert auseinander- und wieder zusammenbauen lässt, und innerhalb von 30 Minuten flugbereit sein soll. Der nach unten gewölbte Boden ermöglicht es dem fliegenden Auto darüber hinaus auf Gras, Asphalt, Schnee und Eis zu landen.

Wann der Flieger auf den Markt kommen könnte, steht hingegen noch nicht fest.

Der Renner: Das Flugtaxi Vertical Aerospace

Senkrecht in die Luft steigen will auch Vertical Aerospace mit dem gleichnamigen Flugtaxi, an dem das junge Unternehmen aktuell in Bristol arbeitet. Gegründet hat es der ehemalige Formel-1-Fahrer Stephen Fitzpatrick 2016 und seither 28 Experten von Airbus, Boeing, Rolls-Royce, Martin Jetpack und GE eingestellt.

Wie seine Mitbewerber hat auch Fitzpatrick das ambitionierte Ziel, in naher Zukunft ein Flugtaxi als moderne Alternative zu klassischen Fortbewegungsmitteln zu etablieren. 2022 soll das Vertical Aerospace abheben, einen ersten Testflug hat der Prototyp bereits hinter sich.

"Wir warten nicht erst auf große Anpassungen bei den existierenden Regularien", sagt Fitzpatrick gegenüber Reuters mit Blick auf die Konkurrenz, die vor allem auf autonom fliegende Autos setzt.

Bei Vertical Aerospace soll stattdessen ein menschlicher Pilot die Fluggäste an ihr Ziel befördern – das verkürzt nicht nur die Zeit, bis entsprechende Gesetze für unbemannte Flugtaxis verabschiedet worden sind. Es befreit zudem von den technischen Schwierigkeiten, mit denen die noch junge Technologie der autonomen Fahrzeuge zu kämpfen hat.

Dass sich Fitzpatrick nach seiner Karriere in der Formel 1 der Entwicklung fliegender Autos verschrieben hat und nicht etwa an normalen Autos arbeitet, erklärt sich durch seine Vergangenheit als Rennfahrer: "Die Technologie, die wir in der Formel 1 genutzt haben, wäre für ein normales Auto völlig überdimensioniert. Die Leistung eines F1-Motors erreicht eine höhere Dichte pro Kilogramm als eine Jet-Turbine."

Rolls-Royce präsentiert sein Flugtaxi

Nicht nur Start-ups haben eine Interesse daran, als erstes ihr fliegenden Autos in die Luft zu bringen. Auch etablierte Automobilhersteller investieren Zeit und Geld in den Verkehr in der Vertikalen. So will auch Rolls-Royce den Markt der Flugtaxis respektive den der fliegenden Autos erobern.

Auf der Farnborough Airshow 2018 im Südwesten Londons stellte der britische Triebwerkshersteller sein erstes eigenes Konzept vor, das aber noch keinen Namen trägt und bei dem nicht klar ist, in welche Sparte es denn gehört. Das Äußere lässt eher auf ein modifiziertes Flugzeug als auf ein fliegendes Auto schließen.

Der mit einer Gasturbine ausgestattete Hybrid soll von sechs Elektrotriebwerken angetrieben werden. Da diese an den Tragflächen angebracht sind und bis zu 90 Grad rotieren können, sind senkrechte Starts und Landungen möglich und auch vorgesehen. Mit bis zu 400 Kilometern pro Stunde soll das Flugtaxi rund 800 Kilometer zurücklegen können.

Der Hybridantrieb soll allerdings nur eine Übergangslösung sein. Rob Watson, der Chef des Elektroteams von Rolls-Royce: "Elektrifizierung ist ein aufregender und unausweichlicher Trend in der Industrie. Auch wenn wir nur Schritt für Schritt vorankommen: Letztlich wird es eine Revolution sein."

Aston Martins Volante Vision Concept

Auch Aston Martin versucht im Wetteifern um das erste serienreife fliegende Auto mitzuwirken – und arbeitet dafür sogar mit Rolls-Royce zusammen.

Mitte Juli 2018 stellte der für seine Sportwagen bekannte britische Automobilhersteller seine Pläne für ein fliegendes Auto vor: das Volante Vision Concept. In einem futuristischen Design gehalten wird der Flieger elektrisch betrieben und soll somit vollkommen emissionsfrei agieren.

Das Äußere erinnert in Teilen an ein Raumschiff aus der Star-Wars-Saga, was unter anderem auf die glatten Oberflächen und die lang gezogene, gläserne Haube zurückzuführen ist, unter der bis zu drei Erwachsene sitzen können.

Auch diese Neuentwicklung startet und landet senkrecht, was bei einer Nutzung in der Stadt unumgänglich sein dürfte. Die beiden links und rechts befestigten Propeller sorgen für Richtungswechsel in der Luft. Zudem befindet sich noch ein weiterer fester Propeller am Heck.

Da es sich Volante Vision Concept noch um eine frühe Studie handelt, die derzeit nur virtuell existiert, ist mit einem zeitnahen Abheben nicht zu rechnen. Zumal sich Aston über nähere technische Details bisher ausschweigt.

Das Volante Vision Concept, hier von oben zu sehen, von Aston Martin existiert bislang nur auf dem Papier.
Bislang nur auf dem Papier: Auch Aston Martin will ein fliegendes Auto entwickeln. Foto: Aston Martin

Macht ein deutscher Mitbewerber das Rennen?

Nicht nur auf internationaler Bühne wird fleißig am fliegenden Auto entwickelt. Auch in Baden-Württemberg entsteht bei Volocopter ein gleichnamiges Fluggerät, das die urbane Mobilität in die Lüfte heben soll.

Der Volocopter 2X hat Ähnlichkeiten zu den Helikoptern unserer Zeit: Eine kleine Passagierkabine hängt unter dem Propeller, der die Maschine abheben lässt. Doch anstatt eines großen Rotors hängt der 2X unter einem Ring aus 18 kleinen Rotoren.

Vollelektrisch und bei Bedarf sogar autonom soll der Volocopter fliegen, der sich ansonsten per Joystick steuert lässt. Dabei sei “für den Betrieb des Volocopter nur eine kurze Einweisung erforderlich”, heißt es auf der offiziellen Homepage. Neben dem Piloten findet eine weitere Person der Kabine Platz.

Neun Lithium-Ionen-Akkus halten den Volocopter für 27 Minuten oder für 27 Kilometer (bei einer Geschwindigkeit von 70km/h) in der Luft. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 100 km/h, wodurch sich allerdings die maximale Flugzeit entsprechend verkürzt.

Volocopter ist mit dem 2X bereits über die Konzeptphase hinaus. Erste Testflüge als Lufttaxi fanden in Dubai schon Ende 2017 statt.

Ist es schon 2019 so weit?

Wer den Kampf um das erste für den Massenmarkt produzierte fliegende Auto letztendlich fürs sich entscheidet, lässt sich noch nicht absehen. Der Fahrdienst-Service Uber etwa liegt derzeit relativ weit vorne. Aktuell sieht das Unternehmen einen Serienstart noch 2019 vor.

Terrafugia hat sein Flugauto Transition bereits 2009 vorgestellt und seitdem immer weiter verbessert. Es ist im eigentlichen Sinne eher ein Kleinflugzeug, kann aber die Tragflächen einklappen und dann auf der Straße fahren. Aber auch hier fehlt es noch an einem Termin.

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Neben den hier genannten entwickeln aktuell noch weitere Unternehmen und Start-ups innovative Ideen, die teilweise schon in erste Prototypen münden. Das Rennen um das erste fliegende Auto – es ist noch mitten im Gange.

Doch neben der technische Umsetzbarkeit, gibt es noch eine Vielzahl behördlicher Fragen zu klären, die eine reguläre Inbetriebnahme voraussetzt: Beispielsweise steht noch nicht fest, welche Art Führerschein man benötigt, um ein fliegendes Auto steuern zu dürfen. Ist ein Flugschein vonnöten? Schließlich gelten in der Luft besondere Bedingungen. Vor allem in Hinblick auf eine weitere parallele Entwicklung: die Autonomie von Vehikeln.

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