Elektromobilität

Fliegende Autos: Jetzt geht die Formel 1 in die Luft

von Stefan Adrian

Matt Pearson und sein australisches Start-up Alauda arbeiten an einer Rennserie für fliegende Autos. Eine Formel 1 in der Luft - kann das funktionieren?

Prototyp des Airspeeder Mark 1
Rennmaschine: Der Prototyp des Airspeeder Mark 1 ist eine Mischung aus Quadrocopter und 1960er Formel-1-Design. Foto: Nikki Cunningham/Alauda

Das erfahren Sie gleich:

  • Australisches Start-up Alauda plant Rennserie mit fliegenden Autos
  • Der elektrobetriebene Airspeeder Mark 1 erinnert an Formel-1-Autos aus den 1960er Jahren und erreicht bis zu 250 km/h
  • Das erste Test-Rennen der Formel 1 der Lüfte im Juli 2018 wird weltweit gestreamt

Fliegende Autos – ein Kindheitstraum

Matt Pearson sitzt vor einer breiten Glasfront im 27. Stockwerk des Macquarie Tower in Sydney, die untergehende Sonne spiegelt sich in den umliegenden Hochhäusern. Selbst über die Videokonferenz wirkt die australische Metropole so einladend, dass man sich am liebsten durch die Linse ans andere Ende der Welt teleportieren möchte.

Eloquent und mit einem dezent ungebändigten, dichten Haarschopf, der an den jungen David Lynch erinnert, spricht der 31-jährige Australier von seinem Traum, der ihn verfolgt, seit er sich als Kind in die Welten von Jules Verne versetzt hat und Luke Skywalker in Star Wars über dessen Heimatplaneten Tatooine flitzen hat sehen: fliegende Autos.

Alauda-Gründer Matt Pearson
Von Star Wars inspiriert: Alauda-Gründer Matt Pearson hat Kunst studiert – und arbeitet jetzt an der Rennserie der Zukunft. Foto: Nikki Cunningham/Alauda

Ein Formel-1-Auto für die Luft

"Ich dachte immer, ich würde diese Dinge an der Universität entwickeln. Aber das Leben nimmt oft überraschende Wendungen, und hier bin ich", beschreibt der ehemalige Kunststudent seinen Weg in die Tech-Industrie. "Das Timing ist perfekt. Es gibt viele Firmen, die an fliegenden Autos arbeiten. Die Industrie legt gerade richtig los, und ich dachte: jetzt oder nie."

Seit 2016 arbeitet Pearson mit seinem Alauda-Team an einem Airspeeder Mark 1, einem fliegenden Gefährt, das nicht nur aussieht wie eine Mischung aus überdimensionaler Drohne und Formel-1-Auto, sondern genau das ist: Für das Design hat sich das Start-up an Formel-1-Autos aus den 1960er Jahren orientiert, um das goldene Zeitalter des Motorsports zu würdigen und gleichzeitig mit den Mitteln der modernen Welt in die Zukunft zu transportieren. Soll heißen: in die Luft.

Die Lithium-Ionen-Batterien für den Airspeeder Mark 1 treiben vier Motoren mit einer Leistung von je 50 Kilowatt an. Vier Propeller aus Holz – zwei an jeder Seite – erlauben dem 120 Kilogramm schweren, aus Aluminium gefertigten Airspeeder eine Top-Geschwindigkeit von 250 km/h.

In zwei Jahren startet die Formel 1 der Lüfte

Es gibt jedoch eine Sache, die Alauda von den Firmen, Start-ups und Entwicklern unterscheidet, die ebenfalls fliegende Autos entwickeln: der sportliche Aspekt. Pearsons Ziel ist es nicht, fliegende Taxis, Transportdrohnen oder autonome Luftschiffe zu entwickeln. Der umtriebige Entrepreneur, der mit seiner Firma Fleet an einem globalen Satellitennetzwerk arbeitet oder mit einem anderen Start-up namens Honcho Firmengründungen für Kleinbetriebe ermöglicht, denkt eine ganze Rennserie mit. Eine Formel 1 in der Luft, gewissermaßen.

Im Juli 2018 soll das erste Test-Rennen erfolgen, Ende 2020 der Startschuss für den First Airspeeder Grand Prix ertönen. Die Rennen könnten dabei auf vielfältige Methoden umgesetzt werden – ob festgesteckter Parcours, den es zu überwinden gilt, oder Sprint von Punkt A nach Punkt B. Wie in der Formel 1 sollen auch beim Airspeeder Grand Prix Boxenstopps Teil der Strategie werden. In diesem Fall also: alte Batterien raus, neue Batterien rein.

Kondensstreifen am Himmel
Dieses Projekt soll Spuren hinterlassen: Alauda will den Himmel für Rennen von fliegenden Autos nutzen. Foto: CC0: Unsplash/Quentin Rey

Fliegende Autos mit 250 km/h

Geflogen werden die Airspeeder dann von menschlichen Piloten. Für den geplanten Testlauf im Sommer 2018 müssen diese aber noch mit der Zuschauerrolle Vorlieb nehmen. Pearson und sein Team müssen noch Sicherheitsbedenken der australischen Behörden zerstreuen für ihr Vehikel, das theoretisch bis zu 3,5 Kilometer hoch in den Himmel abheben könnte; und wie man sich denken kann, dürfen auch in einem an abgelegenen Landstrichen nicht unbedingt armen Kontinent wie Australien 250 km/h schnelle, fliegende Autos nicht mal eben an jedem Felsen abheben.

Das Rennen wird via Cockpit-Kameras und einer Vielzahl von Drohnenkameras weltweit im Stream für unsere Supporter zu sehen sein.

Aber grundsätzlich seien australische Reglements sehr tech-freundlich, so Pearson, und für das Testrennen liege man – trotz inzwischen abgeblasener Kickstarter-Kampagne – budgetmäßig im Plan. "Wir werden zwei ferngesteuerte Airspeeder in einer vermutlich eher abgelegeneren Gegend gegeneinander antreten lassen", wirft er einen Blick in die Zukunft. "Je nachdem, wie stark wir die Batterien belasten, haben wir zehn bis zwanzig Minuten Flugzeit. Das Rennen wird via Cockpit-Kameras und einer Vielzahl von Drohnenkameras weltweit im Stream für unsere Supporter zu sehen sein."

Die Airspeeder selbst sollen sich dabei jedenfalls in relativer Bodennähe bewegen. "Wir wollen schließlich einen Sport für Zuschauer schaffen", weiß Pearson um die Kraft der Publikumsnähe.

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Airspeeder im Wettkampf.
Gar nicht so abgehoben: Die Wettkämpfe sollen nah am Boden stattfinden, damit die Zuschauer möglichst dicht dran sind. Foto: Nikki Cunningham/Alauda

Selber lenken - bald nur noch in der Luft?

Nicht zuletzt geht es Matt Pearson auch um ein paar Fragen, die nicht unmittelbar mit sportlichem Wettbewerb zu tun haben.

"Ich denke auch an das Gefühl von Freiheit. Erinnern Sie sich an den Tag, an dem Sie Ihren Führerschein bekommen haben? Mit einem Mal öffnet sich einem die Welt, man kann überall hin, es ist ein magisches Gefühl", beschreibt er den menschlichen Aspekt. "In einer Welt, in der man in einigen Jahrzehnten aufgrund von selbstfahrenden Fahrzeugen womöglich gar nicht mehr die Erlaubnis hat, ein Auto selbst auf der Straße zu lenken, kämpfen wir auch für den Erhalt des Fahrgefühls. Dieses könnte dann nämlich in der Luft stattfinden."

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