Elektromobilität

Wenn sich das Auto in die Parklücke falten lässt: Klappautos für die Stadt

von
Peter Michaely

In überfüllten Städten suchen selbst Fahrer von Kleinstwagen häufig vergeblich einen Parkplatz. Sind faltbare E-Autos deshalb die idealen Stadtautos?

Ein City Transformer steht quer in einer winzigen Parklücke.
Selbst die engste Lücke wird für den City Transformer zum Parkplatz. Foto: CT City Transfomer

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum faltbare Elektroautos eine Alternative für den Stadtverkehr sein können
  • Welche Konzepte es für faltbare Kleinstwagen mit Elektroantrieb gibt
  • Vor welchen Herausforderungen die Entwickler solcher Stadtautos stehen

Reichweite ist in Städten nicht das gravierendste Problem für elektrisch angetriebene Fahrzeuge. Die Infrastruktur für die Versorgung mit Strom ist häufig bereits vorhanden. Nur am Platz mangelt es, weshalb wendige Stadtautos eine echte Alternative sein können.

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Einige Hersteller bieten deshalb Kleinwagen für die Stadt an. So etwa Mercedes mit dem Smart EQ. Seine Reichweite beträgt knapp 100 Kilometer, wenn man den harten Maßstab der United States Environmental Protection Agency (EPA) zugrunde legt. Auch Elektroautos wie der Peugeot iOn können mit Strom bis zu 100 Kilometer weit fahren.

Vom Kleinwagen zum Kleinstwagen

Ganz neue Wege ging Renault mit seinem Elektromobil Twizy, das im Idealfall ebenfalls bis zu 100 Kilometer Reichweite schafft. Den 1+1-Sitzer gibt es auch in einer Cargo-Version.

Auch kaum bekannte Hersteller wie die italienische Firma Estrima versuchen, auf diesen Zug aufzuspringen – und bei den Abmessungen zu knausern, soweit es geht. Der zweisitzige Birò beispielsweise ist 1,74 Meter lang, 1,03 Meter breit sowie 1,56 Meter hoch. Er kommt mit einer Ladung seines Akkus rund 50 Kilometer weit, auch dank Energie-Rückgewinnung beim Bremsen.

Wie sieht das ideale Stadtauto aus?

Laut Internetportal Statista lebten 49 Prozent der Bevölkerung 2005 weltweit in Städten. Für das Jahr 2030 wird ein Anteil von 60 Prozent prognostiziert. Deutschland wird den Einschätzungen zufolge sogar noch über diesem Wert liegen: 2030 werden rund 79 Prozent der Bevölkerung hierzulande in Städten leben.

Ein gutes Beispiel für diese globale Verstädterung ist die israelische Metropole Tel Aviv. Fast vier Millionen Menschen leben in der Metropolregion, rund 440.000 in der Stadt selbst. Die Bevölkerungsdichte liegt bei über 6000 Einwohnern pro Quadratkilometer. Parkplätze sind Mangelware, eine Herausforderung auch für die Elektromobilität. Deshalb hat das Start-up City Transformer ein faltbares Elektroauto entwickelt. Das Modell trägt den Namen seiner Gründerfirma

Kleinstwagen mit einziehbaren Rädern

Die Gründer von City Transformer in Tel Aviv verfolgen mit ihrem wendigen Auto einen speziellen Ansatz in Sachen E-Mobilität. Das Stadtauto soll bis Ende 2019 serienreif sein und 75 Prozent an Parkraum sparen. Der Grund: Der Kleinstwagen kann zum Parken die Räder einziehen und ist dann statt 1,45 Meter nur noch einen Meter breit (Länge: 2,35 Meter, Höhe: 1,53 Meter, Gewicht: 450 Kilo ohne Akku).

Auf diese Weise lassen sich laut City Transformer deutlich mehr Fahrzeuge auf begrenztem Raum parken. Denn somit passt der elektrisch angetriebene Kleinstwagen zum Beispiel auch auf Motorradparkplätze. Laut Hersteller schafft das Auto bis zu 90 km/h. Sind die Räder eingezogen, sind immer noch 45 km/h möglich. Wer mit dem Auto viel in besonders engen Gassen unterwegs ist, kann sich also schlank machen.

City Transformer: Der Wagen für die Stadt

Der elektrisch angetriebene Kleinstwagen ist als sogenannte offene Plattform konzipiert. So können Entwickler das Fahrzeug auf der frei zugänglichen Seite also fortlaufend mit der jeweils modernsten Batterie- und lernfähigen Kommunikationstechnik ausrüsten. Das ist vor allem auch für Flottenbetreiber und Carsharing-Angebote attraktiv.

Auch verschiedene Aufbauten bis hin zu Cargo-Lösungen sind aufgrund der modularen Bauweise des kleinen Autos möglich. Angestrebt wird für das E-Mobil eine Leistung von 15 kW (20 PS) Der Grundpreis des zwei- bis dreisitzigen Stadtautos steht bereits fest: 10.500 US-Dollar, zuzüglich Batterie und Steuern.

Als Reichweite für den City Transformer sind 100 bis 150 Kilometer vorgesehen. An Schnellladestationen soll das Laden binnen 15 Minuten möglich sein, an Haushaltssteckdosen soll der E-Antrieb in drei bis vier Stunden wieder mit Strom vollgeladen sein. Auch hochautomatisiertes Fahren der Stufe 3 ist laut Hersteller mit dem E-Auto möglich. So könnte das E-Fahrzeug beispielsweise selbstständig einparken, wenn es zusammengefaltet ist.

Nicht der erste klappbare Kleinstwagen

Ausreichend Reichweite für die Stadt, relativ niedriger Preis, 100 Prozent Elektro, dazu noch Platz sparend: Reicht das, um mit Autos wie dem City Transformer auf dem hart umkämpften Markt für Stadtautos vorn mitzuspielen?

Die Idee, entsprechende Kleinstwagen für die Stadt anzubieten, ist nicht neu. Doch Erfolg war den faltbaren E-Autos bislang nicht beschieden. Schon 2012 erregte ein elektrisches Fahrzeug namens Hiriko Aufsehen. Das Auto stammte aus Spanien und sollte nach dem Willen der EU-Kommission die Elektromobilität revolutionieren, vor allem hinsichtlich Fahrzeugen für die urbane Mobilität.

Das ursprüngliche Konzept des Hiriko (baskisch für "Urban") stammte vom renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT). Das Elektroauto konnte sich in der Mitte falten, sparte also Platz in der Länge anstatt in der Breite – Autofahren und Elektromobilität mal ganz anders.

Viele Konzepte scheiterten bisher

120 Kilometer Reichweite, 90 km/h Höchstgeschwindigkeit, 12.500 Euro günstig: Die Papierform des Hiriko stimmte, doch das elektrisch angetriebene kleine Auto konnte sich nicht auf dem Markt durchsetzen. Denn den erreichte es gar nicht. Mittlerweile ist das von der EU mitfinanzierte Projekt eingestellt worden, die Herstellerfirma schlitterte in einen dubiosen Bankrott.

Elektromobilität

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Ende 2017 wurde mit dem japanischen Earth-1 eine Kopie des Hiriko-Konzepts angekündigt. Das knickbare E-Auto im Stil der Transformer-Spielzeugfiguren soll allerdings umgerechnet rund 60.000 Euro teuer sein. Schon 2013 hatten südkoreanische Ingenieure des Korea Advanced Institute of Science and Technology (KAIST) zudem das Elektroauto Armadillo-T präsentiert. Die Studie konnte sich ebenfalls mittig zusammenfalten.

2015 stellten Wissenschaftler der Universität Bremen den Prototyp eines Elektroautos namens EO smart connecting car 2 vor. Das Auto kann auch seitwärts fahren und sich von 2,5 auf 1,5 Meter zusammenfalten.

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