Elektromobilität

Faltbare Autos: iEV und City Transformer im Motorrad-Format

von
Carola Franzke

Falt-Elektroautos sollen den Verkehr revolutionieren. Zwei Firmen sitzen aktuell an ersten Modellen – mit unterschiedlichen Ansätzen.

Ein Konzeptbild des Faltautos iEV X.
Das Elektroauto für die Stadt: klein und faltbar. Das ist das Konzept des Crowdfunding-Autos iEV X. Foto: iEV1 GmbH

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie Falt-Elektroautos den Stadtverkehr revolutionieren sollen
  • Wie der iEV X vom Einsitzer zum Zweisitzer wird
  • Welche Bedenken vorherige Faltauto-Projekte aufwerfen

Die wachsenden Metropolen der Welt haben ein großes Problem: den Platz. Nicht nur Wohnraum ist knapp, auch das Parken von Autos gestaltet sich zunehmend schwierig. Ein Ausweichen auf Öffentliche Verkehrsmittel ist für viele Menschen aber keine Option – oder schlichtweg nicht möglich. Der Individualverkehr stirbt also wohl auch in Zukunft nicht aus. Elektroroller und E-Motorräder lösen das Problem allerdings nicht, weil sie zu stark abhängig vom Wetter sind.

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Stattdessen könnten in Zukunft Elektroautos auf den Straßen unterwegs sein, die sich während der Fahrt transformieren lassen. Das hat nichts mit den bekannten “Transformers” aus den gleichnamigen Filmen gemein. Vielmehr vergrößern oder verkleinern sich die Modelle auf Knopfdruck.

City Transformer: Fahren wie ein Auto, parken wie ein Zweirad

Bereits ihr Name macht klar, dass die israelische Firma City Transformer (CT) den Verkehr in Städten verändern möchte. Dafür arbeiten die Ingenieure an einem faltbaren Fahrzeug. Das hat genug Platz für zwei Personen, die hintereinander sitzen. Ist das Auto auf der Straße unterwegs, misst es 1,4 Meter in der Breite. Das soll eine stabile Kurvenlage garantieren.

Bei Bedarf verringert sich die Breite allerdings auf einen Meter. Damit ist es kaum breiter als ein Motorrad und passt in jede noch so kleine Lücke. In Parkhäusern hätten so beispielsweise zwei City Transformer in einer Parkbucht Platz. Zum Vergleich: Ein Renault Twizy misst in der Breite knapp 1,2 Meter.

Kurze Strecken auf der Autobahn sollen dank einer Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h kein Problem sein. Maximal 150 Kilometer schafft der City Transformer laut Herstellerangaben mit einer Akkuladung. Noch ist das faltbare Auto aber ein Konzept. Innerhalb der kommenden 10 Monate soll ein finaler Prototyp stehen. Im Anschluss plant das Unternehmen eine Phase für Vorbestellungen. Sind 10.000 davon erreicht, will City Transformer mit der Produktion beginnen.

Die Standard-Variante hört auf den Namen “Fun” und ist zu den Seiten offen. Alternativ dazu sollen ein Modell mit zwei Plätzen auf der Rückbank und eine wetterfeste Version mit geschlossenen Seiten zur Wahl stehen. Die Preise beginnen laut City Transformer bei etwa 8785 Euro. Viel interessanter ist jedoch, dass das Fahrzeug auch zur Erweiterung von Carsharing-Flotten vorgesehen ist.

iEV X: Elektrisches Faltauto aus Düsseldorf

Das Elektroauto iEV X ist mit seiner Abmessung von 78 Zentimetern Breite und 1,80 Metern Länge erst einmal für eine Person konstruiert. Für Gepäck oder einen zweiten Fahrer lässt sich das Auto jedoch auf 2,20 Meter verlängern. Hier ist Elektromobilität nicht nur sauber sondern auch platzsparend gedacht.

Etwas ungünstig bei dem Crowdfunding-Auto aus Düsseldorf ist jedoch, dass nur der Fahrer in der geschlossenen Kabine Platz findet. Mitfahrer und Gepäck hingegen sind dem Wetter direkt ausgesetzt. Aber, so das Argument der Entwickler, meist sitzt sowieso nur eine Person im Auto. Bis Ende September 2018 lief die Kampagne für den iEV X (Intelligent Electric Vehicle X) bei Kickstarter – die angepeilte Summe von 162.500 € bekam das Unternehmen aber nicht zusammen. Bald soll eine neue Finanzierungsrunde starten.

iEV X: Nur für die Innenstadt geeignet

Das kleine Elektroauto wiegt in der Basisversion 115 Kilogramm. Die Höchstgeschwindigkeit wird je nach Auslieferungsland auf 25 bis 45 Kilometer pro Stunde beschränkt, wobei der eingebaute Akku eine Reichweite von etwa 50 Kilometern schaffen soll. Laden lässt sich das iEV X an der Steckdose. Außerdem sind auf dem Dach Solarzellen mit 40 Watt Leistung verbaut, die die Reichweite verbessern sollen.

Zusätzlich zu der Basis-Variante bietet das Düsseldorfer Unternehmen iEV1 GmbH eine besser ausgestattete Version an: Das iEV X+. Die Größe und die Ausstattung sind hier gleich, nur bei der Leistung zeigt sich ein deutlicher Unterschied: Das iEV X+ soll eine Reichweite von 100 Kilometern haben und 60 km/h schaffen. Für die Autobahn ist aber auch der erstarkte Stromer zu langsam.

Crowdfunding-Faltauto oder kleines Elektroauto

Dass die veränderbare Größe nicht unbedingt eine gute Idee ist, zeigt das unrühmlich gescheiterte Projekt "Hiriko". Basierend auf einer MIT-Konzeptstudie, war das Faltauto Hiriko 2012 als Durchbruch für den Stadtverkehr gefeiert worden und sollte mit EU-Fördermitteln in Spanien gebaut werden. Das kleine, zweisitzige Elektroauto sollte sich zum Parken um einen Meter verkürzen, indem die Hinterräder unter die Fahrgastzelle geschoben werden, während diese nach oben schwenkt.

Updates

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Der Prototyp des Faltautos war jedoch nicht dauerhaft funktionstüchtig, die Elektronik erwies sich als nicht wetterfest. Für den Bau weiterer Prototypen fehlte am Ende das Geld. Gegen den ehemaligen Chef des Hiriko-Konsortiums, den baskischen Unternehmer Jesús Echave, wurde später sogar wegen Verdachts auf Subventionsbetrug und Geldwäsche ermittelt.

Da bleibt nur zu hoffen, dass das iEVX wetterfester und stabiler wird als sein Vorgänger. Vor allem, da der ausgefahrene Teil des Autos schließlich dem Wetter schutzlos ausgeliefert ist – ebenso wie ein Mitfahrer oder das Gepäck. Denn für immer voller werdende Städte wäre ein Ziehharmonika-Auto sicher interessant. Platz zu sparen ist der entscheidende Punkt – kein Wunder also, dass immer mehr Projekte dieses Ziel verfolgen: etwa mit fliegenden Autos, die nicht mehr die Straßen verstopfen sollen.

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