Elektromobilität

Fähre unter Strom: Mit dem Elektromotor übers Meer

von Daniela Pemöller

Fähre unter Strom: Mit dem Elektromotor übers Meer
Die Schifffahrt steuert um: Die Elektromobilität erobert jetzt auch die Flüsse und Meere. Foto: pixabay/PublicDomainPictures

Das erfahren Sie gleich:

  • Immer mehr Fähren fahren mit Elektroantrieb
  • Die Einsparungen bei den Energiekosten sind gigantisch
  • Scandlines stellt bereits von Hybrid auf Voll-Elektro um

Der Schiffsverkehr zählt zu den Hauptverursachern der Luftverschmutzung. Jetzt stellen immer mehr Reedereien auf Elektroantrieb um – und sparen dabei sogar.

Elektrisch über den Sognefjord

Autos, Motorroller, Fahrräder: Wer an Elektromobilität denkt, denkt meistens an die Verkehrsmittel auf der Straße. Dabei findet der Umstieg vom Verbrenner auf Elektromotoren nicht nur an Land statt - sondern auch auf dem Wasser. Vorreiter ist hier Norwegen: Seit Anfang 2015 pendelt die weltweit erste Elektrofähre im Linienverkehr über den Sognefjord. Die „Ampere“ ist eine rein elektrisch angetriebene Autofähre, die ihren Strom von Land bezieht. Sauberen Strom, versteht sich. Denn Norwegen produziert seine Energie fast komplett aus Wasserkraftwerken. Die Antriebs-Entwicklung für die E-Fähre stammt von Siemens.

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Fähre "Ampere" auf dem Sognefjord
Batterie-Fähre: Die von Siemens gebaute "Ampere" fährt in Norwegen über den Sognefjord. Foto: Reederei Norled

Die Elektro-Fähre ist nur halb so schwer wie konventionelle Fähren.

„Eine konventionelle Fähre auf dieser Strecke verbraucht pro Jahr etwa eine Million Liter Diesel und bläst 2.680 Tonnen Kohlendioxid sowie 37 Tonnen Stickoxide in die Luft“, erklärt Odd Moen, der bei Siemens Norwegen für den Vertrieb von Schiffslösungen zuständig ist. Obwohl die Akkus zehn Tonnen wiegen und das Schiff 360 Passagiere und 120 Autos transportieren kann, ist es nur halb so schwer wie konventionelle Fähren. Der Grund: Die Fähre wurde nicht aus Stahl gefertigt, sondern aus leichtem Aluminium. „Das rostet nicht, und der Rumpf muss daher kaum gewartet werden“, erklärt Ingenieur Moen die Vorteile.

Zudem wurden alle gängigen Bordsysteme auf ihren Energie-Verbrauch inspiziert. Die größten Stromfresser sind mit einer neuen Generation energieeffizienterer Geräte ersetzt – angefangen von Leuchtdioden bis zu ausgeklügelten Wärmetauschern. Mit der Umstellung von Dieselantrieb auf Batterie konnte der norwegische Schiffseigner Norled die Treibstoffkosten um mehr als 60 Prozent senken. Moen: „Die Energiekosten für die sechs Kilometer lange Fahrt belaufen sich auf fünf Euro.“

113 Jahre alte Fähre unter Strom

Vielen Betreibern ist ein Neubau jedoch zu teuer. Sie rüsten lieber ihre alten Fähren auf einen Elektroantrieb um. Finnlands älteste Fähre Föri, die in Turku seit 113 Jahren den Fluss Aurajoki überquert, gleitet seit Mai unter Strom durchs Wasser. Einen Monat später legte die erste reine Elektrofähre Finnlands ab, die neu gebaute „Elektra“.

In Dänemark machte zeitgleich die "Tycho Brahe“, laut Hersteller die größte Batteriefähre der Welt, auf sich aufmerksam. Das zwischen Helsingör (Dänemark) und Helsingborg (Schweden) im Öresund pendelnde 26 Jahre alte Schiff der schwedischen Reederei Ferries Group (Firma HH Ferries) muss im Moment noch immer mal wieder auf Diesel umschwenken.

Grund: Die vollautomatische Ladestation in den Häfen funktionierte noch nicht zuverlässig, nicht bei jedem Ladevorgang wird die Batterie genug geladen. Wenn die Probleme gelöst sind, soll auch das Schwesterschiff „Aurora“ unter Strom in See stechen.

Der Umbau der beiden Fähren hat umgerechnet 31,6 Millionen Euro gekostet.

Auf der schwedischen Werft in Landskrona haben die Schiffe die notwendigen Installationen erhalten, um die Batterien, Transformatoren, Konverter und die Kühlung aufnehmen zu können. Alles findet auf den Oberdecks der Doppelendfähren Platz, deren Aussehen sich dadurch stark verändert. Der Umbau der beiden Fähren hat umgerechnet etwa 31 Millionen Euro gekostet. Die EU-Agentur für Innovation und Netzwerke Inea unterstütze das Vorhaben mit rund 13 Mio. Euro.

HH Ferries befördert auf der Kurzstrecke über den Öresund mit fünf Fähren täglich rund 50.000 Passagiere und 9000 Fahrzeuge aller Art. Alle 15 Minuten gibt es eine Abfahrt, die Überfahrt dauert 20 Minuten. Im vergangenen Jahr transportierten die Fähren 7,3 Mio. Passagiere, 1,4 Mio. Autos, 410.000 Lkw und 20.000 Busse. Das sind 20 Prozent aller Fahrzeuge, die einschließlich der Öresundbrücke zwischen Dänemark und Schweden unterwegs sind.

Scandlines fährt mit vier Hybridfähren

Zwischen Deutschland und Dänemark sind aktuell bereits Hybridfähren im Einsatz. Auf der Strecke zwischen Puttgarden und Rødby, der sogenannten Vogelfluglinie, fährt die Reederei Scandlines mit vier Schiffen. Diese sollen in den nächsten Jahren ihren Dieselantrieb nicht mehr benötigen. In einem über 65 Millionen Euro teuren Umbauprogramm will die Reederei den Fährbetrieb auf „Zero Emission“ umstellen. Es wäre der erste rein elektrische Fährbetrieb dieser Größe in der internationalen Schifffahrt. Scandlines will so dem Bau des Tunnels unter dem knapp 18 Kilometer langen Fehmarnbelt eine grüne Fährlinie entgegensetzen.

Für Scandlines sind die Treibstoffeinsparungen erheblich. Mit dem Hybrid-Antrieb sinkt der Treibstoffbedarf der Fähren um 15 bis 20 Prozent. Zur Senkung des Schadstoffausstoßes hat Siemens eine Rauchgasreinigung (Scrubber) installiert, mit der die Emissionen um 90 Prozent reduziert würden. Die Linie zwischen Puttgarden und Rødby ist mit 34.000 Abfahrten im Jahr eine der am stärksten frequentierten Fährverbindungen im Norden Europas. Alle 30 Minuten legt eine Fähre in den beiden Häfen ab, mehr als 90 Mal in 24 Stunden. Dabei transportieren die Fähren jährlich sechs Millionen Passagiere, 1,6 Millionen Autos und 13.000 Eisenbahnwaggons.

Hybridfähre von Scandlines
Kreuzung: Noch betreibt Scandlines auf der Vogelfluglinie vier Hybridfähren, will aber künftig komplett auf Elektroantrieb umstellen. Foto: Siemens/Ulrich Wirrwa

Mit Solarenergie über die Mosel

In Stralsund wurde am 20. Oktober 2017 die „Sankta Maria 2“, die weltweit erste vollelektrische Autofähre für Binnengewässer vom Stapel gelassen. Die Fähre, von den Firmen Formstaal und Ostseestaal gebaut, wird nach Angaben der Unternehmen ausschließlich mit Solar- und Batteriestrom betrieben und kann pro Fahrt 45 Passagiere und sechs Fahrzeuge befördern. Sie ist für den Einsatz auf der Mosel bestimmt und soll die Gemeinden Oberbillig in Rheinland-Pfalz und Wasserbillig auf der Luxemburger Seite des Flusses verbinden. „Mit der Mosel-Fähre bringen wir das dritte Elektro-Solarschiff-Projekt in diesem Jahr zum Abschluss“, sagte Ingo Schillinger, Senior Sales Manager bei Formstaal/Ostseestaal in einem Interview.

Weitere 14 Projekte für Elektro-Solarfähren für die deutsche Binnenschifffahrt seien derzeit bei den im Verbund agierenden Unternehmen in Planung. Das mit rund 1,5 Millionen Euro veranschlagte Elektroschiff sei zwar teurer als eine Dieselversion, aber - so hoffen die Eigner - dies soll über die Jahre durch erheblich geringere Energiekosten und ebenso geringeren Wartungsaufwand aufgewogen werden. Allein 14.000 Liter Diesel werde pro Jahr eingespart.

Am Bodensee stockt die Umrüstung

Auch in Rostock denken die Stadtväter über eine E-Fähre nach. Die Neptun Hopper soll den Rostocker Verkehr über die Warnow entlasten und Passagiere klimaneutral transportieren. Die Lithium-Ionen-Batterien des Elektroantriebs werden sowohl über Solarpanels auf dem Dach des Schiffes, als auch während des Anlegens mittels Landanschlusses an den Anlegern geladen. Am Bodensee hingegen steht man der Elektrifizierung noch skeptisch gegenüber. Laut Zeitungsberichten würden die Schweizer in Thurgau gern den Schiffsverkehr über den Bodensee über Batterie betreiben. Den Deutschen hingegen ist die Umrüstung zu teuer. Sie haben auch Angst, in die falsche Technik zu investieren.

Um eine Wende hervorzubringen, da ist sich Odd Moen sicher, erfordert es klare Ansagen seitens der Politik. „Von den 180 Fähren in Norwegen können wir 84 Stück zu 'Zero Emission' umbauen. Diese würden dann die Energie von 20 mittelgroßen Windmühlen verbrauchen. Die Industrie hat die Technologie, aber die Regierung muss die Rahmenbedingungen für die Nutzung setzen." In Norwegen tut sie das bereits. Im Dezember 2015 wurde beschlossen, dass alle neuen Fähren die Kategorie „Zero oder Low Emission“ vorweisen müssen.

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