Technik

Made in Space: Fabriken sollen bald im Weltraum produzieren

von
Marten Zabel

Das US-Weltraum-Start-up Space Tango plant den Einsatz von Fabriken im Erdorbit. Die Kapsel ST-42 soll mehrere Wochen im All bleiben und dann zurückstürzen.

Die Kapsel von Space Tango im erdnahen Orbit.
Fast in Schwerelosigkeit sollen Roboter in der Space-Tango-Kapsel ST-42 Waren im Weltraum produzieren. Foto: Space Tango

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie ein Start-up aus den USA in wenigen Jahren mit der Produktion von Gegenständen im Weltraum beginnen will
  • Wie die private Raumfahrt die kommerzielle Produktion im All überhaupt erst möglich macht
  • Warum für Unternehmen ISS-Experimente der Ausgangspunkt für solche Unternehmungen sind

Schon in der Mitte des kommenden Jahrzehnts will das Start-up Space Tango aus den USA für Auftraggeber Dinge im erdnahen Weltraum produzieren. Die ersten Fabriken im Weltraum werden allerdings keine großen Raumstationen voller Arbeiter sein. Vielmehr geht es dabei darum, eine Roboterfabrik auf einen kurzen Flug in den erdnahen Orbit zu schicken – und diese dann am Stück zurück zum Boden zu holen, um wertvolle Produkte zu bergen.

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Die Firma aus dem US-Bundesstaat Kentucky hat für die Herstellung wertvoller Endprodukte bei Schwerelosigkeit alle nötigen Technologien entwickelt. Neben einer Kapsel mit dem Namen ST-42, an Bord derer die Komponenten ins All reisen, sind die für die verschiedenen Verfahren notwendigen Automaten bereits existent.

Bei Schwerelosigkeit lassen sich bestimmte Prozesse der Fertigung besser durchführen. Der reduzierte Druck fast ohne Schwerkraft etwa reduziert kleinste Fehler in fiberoptischen Produkten, die etwa in der Medizin Verwendung finden.

Private Raumfahrt macht Produktion im Weltraum möglich

Die ST-42 wird einen Durchmesser von maximal 2,4 Metern haben und somit auf inzwischen relativ günstige kommerzielle Raketen wie die Falcon 9 von SpaceX passen. Das Unternehmen will sie in einen niedrigen Erdorbit schießen lassen. Dort verarbeitet sie zehn bis 30 Tage lang Rohstoffe, nur um dann am Fallschirm zurück zur Erde zu fallen. Nach der Bergung kann Space Tango die fertigen Produkte dann seinen Kunden liefern.

Das ist deshalb ökonomisch sinnvoll, weil die Kapsel aufgrund ihrer Einfachheit nicht sehr teuer ist – so das Unternehmen. Kein Andockmechanismus und keine Lebenserhaltungssysteme bedeuten ein simples Design und mehr Platz für die Fabrikationsanlage der kleinen Fabrik.

Für Space Tango gibt es eine ganze Reihe verschiedener Anwendungsbeispiele für die Veredelung von Rohstoffen im Weltraum:

  • Kohlenstoff-Nanoröhrchen
  • fiberoptische Bauteile
  • Silizium-Wafer von großem Wert

Je nach Bestellung wird dafür die Nutzlast an Bord der ST-42-Raumkapsel angepasst. Von Mikroelektronik, hochwertigen Werkstoffen bis hin zu biomedizinischen Produkten wie Retina-Implantaten sind unterschiedlichste Konfigurationen geplant.

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Experimente auf der ISS als Demonstration

Space Tango ist kein unbeschriebenes Blatt in Sachen Raumfahrt: Das Unternehmen hat seine Fertigungstechniken bereits in Form von Experimenten an Bord der internationalen Raumstation ISS getestet und für kommerzielle Kunden wie Budweiser und Airbus Defense and Space eingesetzt.

Insgesamt wurden 53 Nutzlastgegenstände mit 88 Experimenten im Auftrag des Unternehmens in den Weltraum verlegt. Die Berechnungen über die Wirtschaftlichkeit des Projekts stammen also nicht aus dem Nirgendwo, sondern fußen auf Erfahrungswerten. Und dabei ist das unternehmen in seinen Bestrebungen nich allein. Firmen wie Made in Space und FOMS (Fiber Optic Manufacturing in Space) produzieren ebenfalls Fertigungsstätten für den Weltraum – bisher aber nur für die ISS.

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