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Ex-Formel-1-Star Frentzen: Ein Wohnsitz für das Elektroauto

von Christian Merten

Früher Formel 1, heute Formel E: Heinz-Harald Frentzen setzt auf Elektromobilität und tankt sein Elektroauto mit selbst gewonnener Sonnenenergie.

Ex-Formel-1-Star Frentzen: Ein Wohnsitz für das Elektroauto
Alles vernetzt: Die aus der Photovoltaik-Anlage gewonnene Energie wird in Akkus gespeichert – und reicht sogar aus, um die Elektroautos aufzuladen. Foto: aio

Das erfahren Sie gleich:

  • Ehemaliger Pilot aus der Formel 1 fährt nur noch Elektroauto
  • Sein Haus wird komplett mit Photovoltaik versorgt
  • Energie fürs Haus und fürs Elektroauto intelligent verknüpft

Heinz-Harald Frentzen versteht etwas von schneller Motorik und hohem Drehmoment. Noch zu seiner aktiven Zeit als Rennfahrer machte er sich einen Namen als Fürsprecher der Elektromobilität.

Die Formel E beweist, dass man Motorsport auch rein elektrisch betreiben kann.

Heinz-Harald Frentzen

Im Mai 2018 lud ihn die ARD deshalb ein, das einzige in Deutschland stattfindende Rennen der Formel E als Gastkommentator zu begleiten. Die Rennserie ist ausschließlich Formelwagen mit Elektromotor vorbehalten. Bei der Live-Übertragung des ePrix auf dem stillgelegten Flughafengelände Berlin-Tempelhof brachte Heinz-Harald Frentzen seine Expertise als Formel-1-Pilot und E-Auto-Fahrer ein.

Gegenüber dem Motorsport-Magazin äußerte sich Frentzen zuversichtlich über die Zukunft des rein elektrisch betriebenen Motorsports: "Die Formel E beweist, dass man Motorsport auch rein elektrisch betreiben kann. Vor zehn Jahren hätte noch kein Mensch daran gedacht, dass das möglich ist."

2014 ging die Formel E erstmalig an den Start. In diesem Jahr hat die ARD das Rennen in Berlin zum ersten Mal live übertragen und verschaffte der Formel E damit zugleich einen Zuschauerrekord. 1,46 Millionen Zuschauer verfolgten den Heimsieg von Daniel Abt live von Zuhause aus. Zum Vergleich: In der vergangenen Session brachte es die Formel 1 auf einen Zuschauerschnitt von 4,36 Millionen.

Auch Nico Rosberg, ebenfalls ehemaliger Formel-1-Pilot, engagiert sich inzwischen in der Formel E: "Ich interessiere mich mittlerweile sehr für die E-Mobilität und ihre positiven Auswirkungen auf unsere Gesellschaft und unseren Planeten. Deshalb glaube ich auch schon lange an das Potenzial der Formel E und bin bereits seit einiger Zeit als Investor mit dabei."

Komplett unabhängig dank Photovoltaik

Auch privat lebt Frentzen getreu der Nachhaltigkeit. Sein modernes, quaderförmiges Haus in der Nähe von Neuss hat einen Swimmingpool, eine Terrasse mit Rheinblick – und ist vom Stromnetz komplett unabhängig. Gleichzeitig beweist der ehemalige Formel-1-Pilot: Elektromobilität und regenerative Energien, das ist nicht nur was für Metropolen. Das geht praktisch überall.

Photovoltaik bekommt einen zusätzlichen Reiz, wenn der Strom auch für den privaten Fahrzeugpark reicht.

Heinz-Harald Frentzen

Auf dem Dach des Hauses von Heinz-Harald Frentzen sammeln 120 Panele Sonnenlicht auf über 200 Quadratmetern Fläche und machen es vom Stromnetz unabhängig. Der vom Wohnsitz erzeugte Strom reicht sogar aus, um damit auch die beiden Elektroautos zu betreiben und so eine unabhängige Mobilität zu gewährleisten: "HHF und Gattin fahren ausschließlich Elektroauto", sagt der 51-Jährige über sich selbst.

"Stromgewinnung durch Photovoltaik bekommt einen zusätzlichen Reiz, wenn nicht nur das Haus auf Temperatur gebracht wird, sondern die Energie auch noch reicht, den privaten Fahrzeugpark zu versorgen." An einem normalen Sommertag produziert die Anlage rund 250 Kilowatt. Was nicht zum Wohnen oder für die Mobilität verbraucht wird, speichern die Akkus des Wohnsitzes.

Heinz-Harald Frentzen mit seinen Speicherbatterien
Bei ihm ist die Energie im Keller: Heinz-Harald Frentzen an den Speicherbatterien seines Hauses. Foto: Bild

Trotz des Nachhaltigkeitsgedanken, den Frentzen mit seinem Haus verwirklicht, tauchte der Neubau jüngst negativ in den Medien auf. Anfang Juli war die Villa des Ex-Formel-1-Stars Gegenstand einer Verhandlung vor dem Landgericht Düsseldorf.

Der Architekt, der das Objekt plante und durchführte, und Heinz-Harald Frentzen liegen im Streit über Fehlplanungen, Baumängel und ausstehende Zahlungen. Im Oktober will das Gericht den Prozess weiterführen.

Von der Formel 1 ins Elektroauto

Weltberühmt wurde Frentzen im Jahr 1997, als er hinter seinem Williams-Teamkollegen Jacques Villeneuve Vizeweltmeister in der Formel 1 wurde. Aber was kaum jemand weiß: Frentzen erkannte schon früh die Vorteile der Elektromobilität.

Wenn ich Elektro-Auto fahre, kann ich völlig entspannen.

Heinz-Harald Frentzen

Für Aufsehen sorgte er bereits 2008, als er auf eigene Kosten einen Seriensportwagen für das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring zu einem Hybridrennwagen umbaute. In seinem Gumpert Apollo schaffte er als erster Fahrer der Welt eine Runde über die Nordschleife des Nürburgrings ausschließlich mit Elektro-Antrieb. Die ganze Technik des halben Elektroautos hatte der ehemalige Vizeweltmeister der Formel 1 selbst konzipiert, doch nach drei Stunden ging das konventionelle Getriebe kaputt. Nur der Elektro-Antrieb rettete ihn in die Box.

Heute lässt Frentzen es ruhiger angehen und fährt sein privates Elektroauto mit Köpfchen und Geduld. Für die 600 Kilometer von seinem Wohnsitz nach München plant er immer eine Pause zum Aufladen ein. Gegenüber dem ARD Mittags-Magazin verriet er: "Wenn ich Elektro-Auto fahre, kann ich völlig entspannen. Ich genieße das auch, weil ich diese Lautstärke wie damals nicht mehr brauche."

Die Werksangaben für die Reichweite der Akku-Ladung erreicht er bisher nur, wenn er mit seinem Elektroauto im Windschatten der Lkw dahinschleicht. Und er tut etwas, das für einen Rennfahrer ungewöhnlich ist: sich Tempolimits bei der Mobilität zu setzen. Wenn er 300 Kilometer weit kommen will, fährt Frentzen nicht schneller als 120 Kilometer pro Stunde.

Elektromobilität auf dem Land

Vor allem die die Förderung der Elektromobilität auch in ländlichen Gebieten ist für den Ex-Rennfahrer ein wichtiges Thema: Deutschland brauche dringend eine bessere Ladeinfrastruktur. Denn bisher konzentrieren sich die Ladesäulen vor allem in den Städten, weil dort die meisten Menschen wohnen, doch für das Fahren auf dem Land oder auf weiten Strecken ist das schlecht.

In Baden-Württemberg zeigen schon mehrere Beispiele, wie die E-Mobilität im ländlichen Bereich nicht in Fahrt kommt. Trotz der Prämie für Elektroautos ist das Interesse bislang nur gering. So manche kommunale Initiative schränke ihr Angebot ein oder hätte schon ganz aufgegeben.

"Wir werden nur dann richtige Erfolge erzielen, wenn wir den Verkehr mit Elektrofahrzeugen dort fördern, wo er am meisten gebraucht wird: auf dem Land", forderte beispielsweise auch der niedersächsische Städte- und Gemeindebund.

Es müssten flächendeckend Ladestationen geschaffen und der Einsatz von E-Fahrzeugen gefördert werden. Doch international gibt es auch andere Beispiele. BMW meldete schon vor zwei Jahren, dass sein elektrischer i3 sich in den USA besonders gut auf dem Land verkauft. Die höchste Nachfrage käme aus eher wohlhabenden ländlichen Regionen in Kalifornien, Texas und dem südlichen Florida, wo mehr zahlungskräftige Kunden für Elektroautos ihren Wohnsitz haben.

Frentzens Haus könnte praktisch überall stehen

An die Umwelt denkt auch Heinz-Harald Frentzen. Die Anschaffungskosten für Photovoltaik und Elektroauto seien natürlich hoch gewesen, aber er habe viele Vorteile bei einem Elektroauto. Und mit der Elektrotechnik in seinem Wohnsitz habe er überhaupt keine Probleme, die Akkus seien robuster als erwartet.

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Deshalb werde seine Investition sich über die Dauer rentieren. Für den ehemaligen Rennfahrer war es vor allem wichtig, ein ganzheitliches Konzept für das Wohnen zu erschaffen und die Elektroautos nicht mit Atomstrom zu laden. Mit seinen Solarzellen auf dem Dach und den Speicher-Akkus im Keller kann er sein Elektroauto jederzeit aufladen und auch den Strombedarf für alle anderen Lebensbereiche decken.

Damit könnte sein moderner Wohnsitz eigentlich überall stehen, egal ob in der Stadt oder auf dem Land. So hat sich der ehemalige Formel-1-Fahrer schon heute für alle kommenden Entwicklungen der Mobilität in die Pole Position gebracht.

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