Elektromobilität

Untersuchung der EEA: Förderung bringt Elektromobilität in Gang

von Leonie Butz

Vergünstigungen für E-Autos machen Norwegen zum Spitzenreiter der Elektromobilität – andere Länder setzen auf eine Mischung aus Förderungen und Verboten.

Stromleitungen im Gewitter
Da braut sich was zusammen: Fast alle Staaten in Europa wollen die Elektromobilität fördern - aber die Methoden sind höchst unterschiedlich. Foto: CC0: Unsplash/Casey Horner

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie Norwegen dank E-Auto-Förderung zum Spitzenreiter im CO2-Vergleich wurde
  • Warum Länder wie Frankreich lieber mit Verboten zum Umdenken anregen wollen
  • Wieso für Deutschland eine Mischung aus Förderung und Verbot das Beste sein könnte

CO2-Statistik: Norwegen erreicht Zielwert fünf Jahre früher

Die Europäische Union will verstärkt Anreize für den Umstieg zur Elektromobilität schaffen, um die CO2-Emission zu reduzieren. Während einige Länder schon vor Jahren konkrete Pläne in die Tat umgesetzt haben, hinken andere Mitgliedstaaten noch hinterher.

Zwischen 2010 und 2016 haben nach und nach alle EU-Mitglieder inklusive der EFTA (Europäische Freihandelsassoziation) staatlich subventionierte Prämien- und Förderungsprogramme für Elektroautos und Hybride eingeführt.

Alle bis auf Polen. Dort gibt es bis heute keine Bestrebungen, Käufern von alternativ betriebenen Fahrzeugen steuerlich oder anderweitig begünstigend entgegenzukommen.

Ganz anders als Norwegen, wo mittlerweile jeder zweite Neuwagen ein Hybrid oder ein reines Elektroauto ist. Entsprechend positiv fiel dort die CO2-Bilanz laut der EEA aus: Mit 93 Gramm pro Kilometer schaffte es Norwegen als einziges Land schon 2016 unter für 2021 anvisierten 95 g/km.

Nächstbester ist übrigens Portugal mit 104,7 g/km. Mit einem Wert von 126,9 Gramm pro Kilometer zählte Deutschland 2016 noch zu den weniger leuchtenden Vorbildern in der CO2-Statistik.

Die Europäische Umweltagentur (EEA) spricht sich unter anderem dafür aus, dass die einzelnen Länder eine flächendeckende Ladeinfrastruktur bereitstellen müssten, um das Vertrauen in die Reichweite und die Verlässlichkeit von E-Autos zu steigern.

Von den in der Studie berücksichtigten Ländern böten lediglich 11 spezielle Boni für den Ausbau von Ladestationen.

Paris verbannt erst Diesel dann Benziner

Einige Länder wollen aber zusätzlich zur Förderung auch durch Restriktionen die Verbreitung der Elektromobilität voranbringen. Frankreich etwa. Hier sollen Benziner und ganz besonders Dieselfahrzeuge aus der Hauptstadt verschwinden.

Nach den olympischen Sommerspielen soll Paris vollkommen frei von Dieselautos sein.

In Paris stellte Frankreich gerade seine Planung in Bezug auf die Elektro-Entwicklung vor. Demzufolge will die Stadt noch vor dem für 2040 geplanten Verkaufsverbot für Wagen mit Benzin- oder Dieselmotor die Autos aus der Hauptstadt verbannen.

Nach den Olympischen Sommerspielen 2024 soll die Touristenhochburg vollkommen frei von Dieselautos sein, 2030 müssten dann auch Benziner weichen.

Paris verbannt den Verbrennungsmotor
Chaos auf den Straßen von Paris: Ob Verbrenner oder Elektromotor, auch zukünftig bleibt es sicherlich hektisch auf den Straßen der französischen Hauptstadt. Foto: Pixabay/cocoparisienne

Großbritannien zieht mit Verboten nach

Die britische Stadt Oxford verfolgt einen ähnlichen Plan: Wie Frankreich will auch Großbritannien 2040 den Verkauf von Diesel- und Benzinautos komplett verbieten. Noch vor dieser Deadline will aber Oxford den Verbrenner-Austritt.

Der Umstieg soll schrittweise erfolgen. In einigen Straßenzügen der Innenstadt soll bereits ab 2020 eine Zero-Emission-Zone entstehen, zu der Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor keinen Zutritt mehr haben würden – darunter auch Taxis, Busse oder Nutzfahrzeuge.

Bis 2035 sollen in der kompletten Innenstadt nur noch Elektrofahrzeuge erlaubt sein. Selbst Hybride will die Stadt verbannen.

Im Kampf gegen Verbrenner – und für Elektroautos – geht Großbritannien aber noch weiter. Große Tankstellen und jene an Autobahnen will die Regierung künftig verpflichten, Ladestationen für alle Batterie-Typen anzubieten.

Diese sollen zusätzlich intelligent mit dem Stromnetz verbunden sein. Das entsprechende Gesetz, die "Automated and Electric Vehicles Bill", stellte Verkehrsminister John Hayes Ende Oktober im Parlament vor.

Mega-Metropole als Zero-Emission-Vorreiter

Und auch in der Millionenstadt London macht die britische Regierung Druck: Neben geplanter Zero-Emission-Zones bis 2025 tritt ab sofort das T-Charge-Gesetz in Kraft (kurz für Toxicity Charge, also Gift-Gebühr).

Auf eine sogenannte Überlastungs-Gebühr von 11,50 Pfund für das Fahren in Londons Innenstadt kommt damit ab sofort zusätzlich eine Gebühr von 10 Pfund für Verbrenner ohne Abgasnorm Euro 4.

Das betrifft laut Stadtverwaltung rund 10.000 Fahrzeuge. Per Kamera erfasst ein System die Nummernschilder der einfahrenden Autos und sendet eine Zahlungsaufforderung an den Fahrzeughalter.

Die Experten auf dem Electric Vehicle Symposium sind sich einig: Ohne staatliche Restriktionen geht es nicht.

Aus Deutschland kommt Kritik – und ein mögliches Verbot

Auch Deutschland hat E-Auto-Fahrern bereits einige Vergünstigungen und Vorteile gegenüber Autofahrern mit Verbrennungsmotor unter der Motorhaube zugestanden. Und auch ein Verbot für Diesel-Fahrzeuge in Gebieten mit starker Luftverschmutzung hat das obersten deutschen Verwaltungsgerichtes in Leipzig im Februar als zulässig erklärt.

Trotzdem sprachen sich bereits vor dem Urteil viele gegen diese Restriktionen aus. So etwa Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. Umweltschonendere Kraftstoffe und innovative Technik sei der richtige Weg, keine Verbote.

Neu angetrieben

Nachhaltigkeit bei Audi.

Mehr erfahren

Aber welche Methode ist denn jetzt besser? Die Experten auf dem Electric Vehicle Symposium (EVS30) sind sich einig: Ohne staatliche Restriktionen geht es nicht. John Gartner, Ingenieur beim Forschungsinstitut Navigant, sieht die Regierung in der Pflicht, den Markt zu regulieren und Vorgaben für die Entwicklung der Elektromobilität zu machen.

Diesen Schritt hat jetzt auch Deutschland gewagt – wann aber mit den ersten tatsächlichen Verboten zu rechnen ist, das bleibt bisher noch abzuwarten.

Updates

Bleiben Sie zum Thema Elektromobilität immer informiert.

Auch interessant

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.