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Gesundheit

Ersatz-Organe? Chinesische Forscher züchten Ohren

von Marten Zabel

Chinesische Mediziner konnten neue Organe züchten: Mehrere Kinder mit einer angeborenen Ohrdeformation erhielten Ohren aus ihren eigenen Zellen.

Ein Baby im Profil
Künstliche Organe im Labor züchten: In China ist es Forschern gelungen, Ohren aus Zellen von Patienten herzustellen. Foto: Pixabay/tung256

Das erfahren Sie gleich:

  • An der Universität von Shanghai gelang es Forschern, ein Organ aus Zellen des Patienten zu züchten
  • Tiere sind schon vielfach geklont worden, sollte man auch Menschen klonen?
  • Warum künstliche, geklonte Menschen hoffentlich überflüssig sind

Neue Ohren: Mediziner züchten Organe

Bis zur neuen Niere auf Bestellung dauert es noch, aber auf dem Weg dahin ist Forschern in Shanghai ein Durchbruch gelungen. Insgesamt fünf Kinder, die an Mikrotie leiden, haben neue Ohren aus eigenem Zellmaterial bekommen. Mikrotie ist eine angeborene Deformation der Ohren, bei der nur eine sehr verkümmerte Ohrmuschel vorhanden ist. Für die Patienten ist das nicht nur ein ästhetisches Problem, auch das Gehör ist in dem betroffenen Ohr stark beeinträchtigt.

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In dieser Studie fertigten die Forscher Ohrmuschelnachbildungen im 3D-Drucker aus porösem, selbstauflösendem Material. Danach impften sie die künstlichen Ohren mit Zellen der Patienten. Die Haut über den rudimentären Ohrmuscheln der Kinder wurde mit Expandern gedehnt, so dass die Nachbildungen eingesetzt werden konnten. Das ästhetische Ergebnis ist nicht bei allen gleich gut, aber grundsätzlich war die Prozedur bei allen fünf Kindern erfolgreich. Die Nachbildungen haben sich mit der Zeit zersetzt, und stattdessen hat sich Knorpel gebildet.

Geklonten Affen und künstliche Menschen?

Vor 22 Jahren wurde das Schaf Dolly als erstes geklontes Säugetier weltberühmt. Seitdem sind Schweine, Hunde und Kühe erfolgreich geklont worden, und im Januar 2018 sind nun – übrigens auch in Shanghai – zwei Klonäffchen zur Welt gekommen. Mit diesem Erfolg scheint auch das Klonen von Menschen in eine greifbare Nähe zu rücken – was auf jeden Fall die ethische Frage aufwirft "Was darf die Forschung, was darf sie nicht?".

Wer genau hinsieht, muss allerdings schon längst diese Fragen stellen. Laut den chinesischen Genforschern wollten sie Affen klonen, um sie für Tierversuche einzusetzen. Die Idee ist logisch nachvollziehbar, denn genetische Zwillinge – oder geklonte Unendlinge – sind ideal für kontrollierte Versuchsbedingungen: geradezu ein Forschertraum. Aber wenn man das nachvollziehbar und in Ordnung findet, verschiebt sich wieder eine Grenze. Logisch wäre ja auch, dass genetisch identische Organe von einem Empfänger nicht abgestoßen werden und man so Leben retten kann. Aber was ist mit dem Spender, sollte man geklonte Ersatzteillager züchten?

Wir brauchen keine künstlichen Menschen, die Zukunft kommt hoffentlich ohne Klone aus.

Der Forschungserfolg in Sachen nachwachsender Ohrmuscheln könnte die medizinische Forschung in eine andere Richtung lenken. Der Ansatz basiert zwar auch auf der Vervielfältigung von Zellmaterial, kommt aber ohne die Schöpfung eines Klon-Lebewesens aus. Die rasante Entwicklung in der 3D-Drucktechnik lässt auch hoffen – wer genetisch angepasste Zytostatika (Medikamente zur Chemotherapie) aus dem 3D-Drucker möglich machen will, kann vielleicht auch irgendwann gesunde Nieren oder andere Organe drucken. Wir brauchen also keine künstlichen Menschen, die Zukunft kommt hoffentlich ohne Klone aus.

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