Leben

Epidemien verhindern: Mit Twitter und dem Google-Suchvolumen

von Carola Franzke

Die amerikanische Seuchenschutzbehörde erprobt ein neues Frühwarnsystem für Epidemien: Mit Daten via Twitter, Google-Suchvolumen und Google-Trends.

Zwei Asiatinnen mit Mundschutz, die auf ihr Smartphone schauen.
Wer in einigen asiatischen Ländern etwa eine Grippe hat, der trägt einen Mundschutz – so ist die Ansteckungsgefahr bei Krankheiten und Epidemien oft geringer. Darüber zu twittern klappt so aber trotzdem noch einwandfrei. Foto: Shutterstock / yochika photograp

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie das Google-Suchvolumen zum Frühwarnsystem für Epidemien werden könnte
  • Was Google und Twitter langfristig zum Seuchenschutz beitragen sollen
  • Wie Doktor Google auch Patienten hilft – oder eben nicht

Wie das Google-Suchvolumen zum Frühwarnsystem für Epidemien werden könnte

Ein Frühwarnsystem, das aus dem Google-Suchvolumen eine mögliche Epidemie frühzeitig erkennt? Das klingt nach Minority Report in der Behörde für Gesundheit – könnte aber zukünftig tatsächlich funktionieren.

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Wissenschaftler konnten jetzt einen Zusammenhang zwischen Google-Suchvolumen oder Tweets zu Krankheiten und deren verbreitetem Auftreten zur gleichen Zeit nachweisen.

So konnten sie das Google-Suchvolumen von Begriffen wie "sexuell übertragbare Krankheiten" und "suche Sex" in Korrelation zum Auftreten von Syphilis setzen. Denn die Krankheit trat in der betreffenden Region in den folgenden Wochen gehäuft auf. Ähnlich erginge es den Wissenschaftlern sicherlich, wenn sie zur Heuschnupfenzeit die Google-Trends verfolgen.

Dieses Phänomen konnten sie auch bei Twitter nachweisen. Tweets über Syphilis und riskantes Sexualverhalten gingen mit einem Anstieg der Syphilis-Erkrankungen einher. Da bleibt natürlich die Frage: Wer twittert über Syphilis?

Was Google und Twitter langfristig zum Seuchenschutz beitragen sollen

Es sollte niemanden wundern, dass auch Behörden öffentlich zugängliche Daten wie Google-Suchvolumen und -Trends beobachten. Nicht nur Wissenschaftler, auch die amerikanische Seuchenschutzbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) hat ein wachsames Auge auf diese Daten.

Denn ein Frühwarnsystem via Google oder Twitter könnte möglicherweise die existierenden Prognose-Modelle der CDC ersetzt – oder zumindest ergänzen. Denn die Daten sind öffentlich und kostenfrei, und die Prognosen sind ähnlich präzise wie mit aufwendigeren Vorhersage-Systemen.

Es ist allerdings verfrüht, die existierenden Systeme abzuschalten: Die Beobachtungszeiträume sind bei weitem noch nicht lang genug gewesen, um zuverlässige Algorithmen und Schwellenwerte zu definieren.

Wie Doktor Google auch Patienten hilft – oder eben nicht

Zu bedenken ist allerdings: Suchanfragen nach Symptomen mögen zwar der Wissenschaft helfen, doch sich blind auf „Doktor Google“ zu verlassen ist keine gute Idee. Denn so kann aus einem kleinen Pickel schnell eine (imaginäre) das Leben bedrohende Krankheit werden.

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Bei einer gesicherten Diagnose, die von einem Arzt gestellt wurde, kann es dagegen hilfreich – und je nach Erkrankung auch tröstlich – sein, alternative Behandlungsmethoden oder Anlaufstellen für eine Zweitmeinung zu recherchieren. Ebenso kann es helfen, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen.

Und auch in der Patientenpflege soll Google künftig unterstützen: Mit der künstlichen Intelligenz Deepmind.

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