Elektromobilität

England macht Verteilerkästen zu Ladestationen

von
Paul Bandelin

Ein britischer Telekommunikationsanbieter will aus Verteilerkästen Ladestationen machen. In Deutschland ist ähnliches geplant.

Blick auf eine Häuserwand in London
Geht es nach Virgin Media, könnten an englischen Straßen schon bald zahlreiche neue Ladestationen entstehen. Doch zuvor gibt es einige Hürden zu überwinden. Foto: Getty Images/iStockphoto

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie Virgin Media die Ladeinfrastruktur in London schnell wachsen lassen möchte
  • Welche Schwierigkeiten es dabei geben könnte
  • Welcher deutsche Anbieter ein ähnliches Vorhaben verfolgt

Bekommen Elektroauto-Fahrer bald eine weitere Möglichkeit, ihre Stromer zu laden? Der britische Telekommunikationsanbieter Virgin Media plant, Verteilerkästen an den Straßenrändern dafür zu nutzen.

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Ganz neu ist die Idee nicht, schließlich kündigte der deutsche Anbieter Telekom vor gut einem Jahr ein ähnliches Vorhaben an.

Elektroautos am Straßenrand laden

Virgin Media, Tochter des in London ansässigen Medien-Giganten Media Global, will schon in naher Zukunft die Verteilerkästen an Wohnstraßen als Ladestationen für Elektroautos nutzen. Das ambitionierte Unterfangen sieht vor, die bereits bestehenden Kabelkanäle und Breitbandstraßenschränke dahingehend anzupassen. Co-finanziert wird das Projekt „EV Charging for Public Spaces“ von dem Innovate-UK-Programm der britischen Regierung. Noch in diesem Jahr, genauer gesagt bereits bis April, sollen sechs Testladestationen in Southwark, London, eingerichtet werden.

Neben den erwartbaren höheren Einnahmen für den Telekommunikationsanbieter ist das Projekt allerdings auch mit einigen Kosten verbunden. So ist die Verlegung unter Hochspannung stehender Energiekabel aus Sicherheitsgründen nur mit Glasfaser möglich. Darüber hinaus sind die Verteilerkästen in der Regel auf der gebäudenahen Seite der Fußwege montiert, wodurch das Ladekabel zu einer Stolperfalle mutieren könnte. Außerdem müsste genügend Platz für ein dort parkendes Auto vorhanden sein, ohne die Fußgänger zu behindern.

Eine weitere Hürde stellen amtliche Regularien dar: Laut diesen braucht es eine besondere Genehmigung, da die Kästen eigentlich nur für Telekommunikationsdienste errichtet werden dürfen, was mit der Nutzung als Ladestationen nicht mehr der Fall wäre.

Obwohl noch keiner der Verteilerkästen umgebaut wurde, existiert bereits ein erstes Gebührenmodell für die Nutzung der Ladestationen am Straßenrand. Der bis zu vier Stunden lange Aufenthalt in den Parkbuchten wird mit 3,50 Pfund pro Stunde taxiert, wobei die Kosten für das Laden inbegriffen sind. Parkt ein Fahrer länger, soll es schnell teuer werden – von zehn Pfund pro jeder weiteren angebrochenen Stunde ist die Rede.

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Telekom plant neue Nutzung der Verteilerkästen

In Deutschland gab die Telekom vergangenes Jahr bekannt, auf die gleiche Art und Weise Tausende Lademöglichkeiten für Elektroautos in Deutschland schaffen zu wollen. Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender des Konzerns: „Wir haben in Deutschland 380.000 Kabelverzweiger. Jeder dieser grauen Kästen hat eine Stromversorgung, eine Batteriepufferung, eine digitale Messstelle. Da müssen wir vorne nur einen Stöpsel dranmachen, dann können alle Elektroautos daran tanken“.

Bislang wurden rund 12.000 geeignete Standorte identifiziert. Ähnliche Tests sind zeitnah auch in Belgien geplant. Telenet, eine weitere Tochter von Liberty Global, soll diese dort durchführen.

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