Leben

Energieautarkes Haus: Eigener Stromanschluss überflüssig

von Carsten Fischer

Das ist einmalig in Europa: Ein energieautarkes Haus in Lehrte bei Hannover erzeugt seine Energie selbst – es braucht nicht mal einen Stromanschluss.

Nahaufnahme von Solarzellen auf einem Hausdach
Selbstversorger: Das energieautarke Haus nimmt die Sonnenenergie über Solarzellen auf und leitet diese in Langzeitwärmespeicher weiter. Foto: Pexels/Carl Attard

Das erfahren Sie gleich:

  • Erstes energieautarkes Haus Europas könnte den Wohnungsmarkt revolutionieren
  • Ein Haus ohne externe Energie – dauerhafte Speicherung von Solarstrom ist der Schlüssel
  • Der Verzicht auf einen Stromanschluss zum externen Netz bedeutet lebenslange Einsparungen

Energieautarkes Haus steht in Lehrte

In der Nähe von Hannover steht ein Haus ohne Stromanschluss, und darin wohnen Menschen. Was nach einem Leben in der Steinzeit klingt, ist stattdessen ein hochinnovatives Projekt – ein energieautarkes Haus.

Das aus dem altgriechischen kommende Wort Autarkie bedeutet Selbstständigkeit oder auch Selbstgenügsamkeit. Unter der Leitung von Prof. Timo Leukefeld von der TU Bergakademie Freiburg hat eine Projektgruppe das erste vollkommen energieautarke Haus Europas in Zusammenarbeit mit dem Massivhausspezialisten HELMA entwickelt.

Das ohne Stromanschluss funktionierende Haus weist ein völlig anderes Heizkonzept als das zuvor entwickelte Plusenergiehaus auf. In Lehrte bei Hannover können Interessierte das Modellhaus begutachten und sich ihre Fragen vom Experten selbst beantworten lassen – er wohnt nämlich selber in dem Haus.

Ein zweites Projekt läuft unter der Schirmherrschaft des Bundesforschungsministeriums. Das schwimmende Haus mit dem Namen „autartec“ speichert Solarstrom in den Wänden und hat eine eigene Minikläranlage, um Wasser zu reinigen.

Das Haus versorgt sich selbst mit Energie

Unter dem sich ganzjährig mit Sonnenenergie aufheizenden Dach in Lehrte liegen 162 Quadratmeter Wohnfläche, die auf einen geschätzten jährlichen Stromverbrauch von 2000 kWh kommen.

Die Kombination aus Solarthermie und Photovoltaik bildet dabei den Schlüssel zur Speicherung des Sonnenstroms und der damit verbundenen Autarkie. Auf dem Dach sind Solarzellen installiert, die die Energie in den Langzeitwärmespeicher im Haus weiterleiten. Ein Kaminofen deckt den geringen Restwärmebedarf für Heizung, Warmwasser und Lüftung.

Das energieautarke Haus ist noch mal 60 Prozent effizienter als ein Plusenergiehaus.

Betrachtet man Heizkosten, CO²-Ausstoß und den Primärenergieverbrauch, dann liegt das innovative Bauwerk rund 60 Prozent unter dem Passiv-, Null - und Plusenergiehaus. Für den Fall, dass ein Überschuss an Energie erzeugt wird, können die Bewohner diesen in den sonnenarmen Wintermonaten beispielsweise dafür nutzen, das Elektroauto oder auch Gartengeräte zu laden.

Das Haus ohne Stromanschluss

Das mit der Plakette des Deutschen Solarpreises ausgezeichnete Haus ist ein Projekt mit Modellcharakter. Die Bewohner des Hauses brauchen keinen Stromanschluss zum externen Netz und sind auch bei einem Stromausfall komplett unabhängig vom jeweiligen Energieversorger.

Ein weiterer positiver Effekt ist der Blick in die Zukunft: Die Einsparungen durch den gar nicht erst eingekauften, sondern selbst produzierten Strom sind steuerfrei. In Anbetracht der Inflation und den ebenfalls steigenden Energiekosten gewinnt so ein Haus mit jedem Jahr an Wert.

Zudem gibt es für die Eigentümer die Möglichkeit, ihren Speicher den regionalen Stromversorgern zur Verfügung zu stellen und Überschüsse zu speichern. Somit entlasten sie das Stromnetz und verdienen ein wenig Geld dazu. Leukefeld selbst spricht auf seiner Internetseite auch schon von energieautarken Mehrfamilienhäusern und Gewerbeobjekten.

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