Leben

Endlich wieder mit gutem Gewissen Plastiktüten nutzen!

von Leonie Butz

Plastiktüten sind unheimlich praktisch – aber leider umweltschädlich. Plastiktüten aus Abfällen der Käseherstellung könnten das Problem jetzt lösen.

Plastiktüten mit grünem Gewissen
Nachhaltig leben und trotzdem Plastiktüten nutzen: Bioplastik aus Molke macht es vielleicht bald möglich. Foto: Pixabay/ToddTrumble

Das erfahren Sie gleich:

  • Herkömmliches Plastik ist schlecht für die Umwelt, und selbst Bioplastik gilt als nicht nachhaltig
  • Deshalb werden Plastiktüten zunehmend aus den Supermärkten verbannt
  • Forscher haben jetzt umweltfreundliche Plastiktüten entwickelt – aus Molke

Das Problem mit den Plastiktüten

Bevor es nach dem langen Tag im Büro nach Hause geht schnell noch zum Bioladen an der Ecke. Brot, Aufstrich und ein wenig Gemüse fürs Abendessen. Der Grünkohl sieht wirklich toll aus. Er passt aber nicht in die Papiertüten, die der Laden bereitstellt. Und die wiederverwendbaren Gemüse-Taschen sind natürlich in der anderen Einkaufstasche. Ist es also in Ordnung, ausnahmsweise zur Plastiktüte zu greifen? Ich schaue mich vorsichtig um – niemand zu sehen. Also schnell den Grünkohl in die Tüte stopfen und ab zur Kasse. Dort hagelt es missbilligende Blicke der anderen Käufer – eine ältere Dame schüttelt den Kopf. Der Blick sagt "schäm dich!". Aber die Kassiererin eilt mir zur Hilfe. "Das ist Bioplastik. Aus Maisstärke." Puh, Glück gehabt – mit dem Wort "Bio" ist die Meute beruhigt. Obwohl ich natürlich weiß, dass Bioplastik nicht immer so nachhaltig und umweltbewusst ist, wie es gerne den Anschein macht.

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Ein Abfallprodukt aus der Käseproduktion soll zukünftig das Erdöl im Plastik ersetzen – die Molke.

Herkömmliches Plastik wird aus Erdöl hergestellt. Sowohl die Förderung als auch die Entsorgung dieses Materials ist umweltschädlich. Bei Bioplastik verzichten Hersteller auf das Erdöl – etwa zugunsten von Mais. Das Material ist natürlich biologisch abbaubar, trotzdem ist die Entwicklung umstritten: Für riesige Mais-Monokulturen, mit fragwürdiger CO2-Bilanz, werden Wälder in Südamerika gerodet. Außerdem entsteht so aus einem Nahrungsmittel ein Wegwerfartikel, der meist nach einmaligem Gebrauch sofort im Müll landet. Aber gibt es eine Möglichkeit, mit gutem Gewissen Plastiktüten zu verwenden? Das Fraunhofer Institut forscht seit fast zehn Jahren daran: Dort soll zukünftig ein Abfallprodukt aus der Käseproduktion das Erdöl im Plastik ersetzen – die Molke.

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Abfälle sinnvoll weiterverarbeitet

Bis zu 40 Prozent der Molke, die bei der Käseherstellung entsteht, landet normalerweise im Müll. Mit der Weiterverarbeitung zu Bioplastik beschert die Erfindung den Abfällen ein zweites Leben. Und das ohne Nahrungsmittel zu verwenden oder die Umwelt mit Monokulturen zu belasten. Hierzu mischt das Forschungsteam Molke statt dem aus Erdöl bestehenden Ethylen-Vinylalkohol in die Plastik-Rohmasse – und produziert so ein luftundurchlässiges Verpackungsmaterial, das Plastik. Laut eigenen Angaben kommt das Molke-Plastik bereits in einigen Nischen zu Anwendung. Bis zur industriellen Herstellung und Verwendung ist es aber offenbar nicht mehr weit – in drei bis fünf Jahren könnte so das Bioplastik die herkömmliche Verpackung ersetzen.

So rollen Plastiktüten im Supermarkt wieder ohne schlechtes Gewissen über das Kassenband.

Auch Zucker gilt als vielversprechende Basis für Bioplastik. Dabei spielen Abfälle aus Holz, Sägemehl oder Stroh eine entscheidende Rolle. Denn daraus lässt sich Glucose gewinnen, die mit Milchsäure zu Biokunststoff verarbeitet wird. Bei beiden Verfahren ist entscheidend, dass die nicht im Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion stehen. Eine wirklich spannende Alternative zu derzeitigen Produkten auf dem Markt also – mit der auch Plastiktüten im Supermarkt wieder ohne schlechtes Gewissen über das Kassenband rollen können.

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