Elektromobilität

Elektroscooter-Verleih: Was bringt die Zukunft?

von
Marten Zabel

Die Verbreitung von E-Scootern mit viel Investorenkapital läuft weltweit. Platzt die Blase? Oder sind die Roller die Zukunft? Vier mögliche Szenarien.

Ein Mann und eine Frau auf je einem E-Scooter.
Der E-Scooter-Verleih läuft gerade erst an, da spekulieren Experten bereits über dessen Zukunft. Wie die wohl aussehen könnte ... ? Foto: Shutterstock / begalphoto

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie Elektro-Scooter scheinbar einen Siegeszug um die Welt antreten
  • Ob die Elektro-Roller wirklich zukunftsweisend sind: Vier mögliche Zukunft-Szenarien
  • Warum im Kampf Scooter gegen E-Bike das Pedelec wahrscheinlich als Gewinner die Straßen erobern wird

Elektrische Tretroller für den schnellen Verleih per App scheinen die Großstädte der ganzen Welt unaufhaltsam zu erobern – teils deutlich schneller, als die regulierenden Behörden hinterherkommen. Wird sich die Art, in der wir uns durch Städte bewegen, dadurch tatsächlich grundlegend verändern? Oder bleibt am Ende ein Haufen Altgeräte übrig, wie es bei der Übersättigung des Marktes durch Leihfahrradanbieter in einigen Regionen der Welt bereits geschehen ist?

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audi.de/DAT-Hinweis

Analysten gehen davon aus, dass die verschiedenen Unternehmen auf dem Markt – Lime, Bird, Uber und Lyft, aber auch kleinere Akteure wie Skip und Scoot – weiter wachsen, sich aber auch gegenseitig verdrängen und schlucken werden. Aktuell arbeiten alle mit Finanzierungskapital auf Wachstum, bieten ihre Dienste dabei deutlich unter Wert an und versuchen so, eine breite Nutzerbasis aufzubauen.

Uber zum Beispiel erwartet, in zehn Jahren mehr Fahrten mit Scootern und Leihrädern zu vermitteln, als mit Autos. Hierzulande müssen sie dafür natürlich noch die Straßenzulassung der Gefährte im Mai abwarten. Aber wie sieht die Situation in ein paar Jahren aus? Es gibt verschiedene Szenarien, wie sich die Sache entwickeln könnte.

Szenario 1: Geht den Elektro-Roller-Firmen das Geld aus?

Das erste Szenario wäre, dass den Firmen schlichtweg irgendwann das Geld ausgeht und sie zusammenbrechen. Aktuell arbeiten die Roller-Verleihe teils mit massivem Minusgeschäft, Analysten zufolge steckt etwa Lime jeden Monat zwischen sechs und 23 Millionen US-Dollar mehr in seinen Dienst, als dieser abwirft. Die Preise anziehen können die Anbieter allerdings auch nicht so einfach, dafür gibt es zu viele Konkurrenten.

Irgendwann werden die Investoren dann die Lust verlieren und kein weiteres Geld in die Dienste stecken. In diesem Szenario ist allerdings nicht zu erwarten, dass die Scooter damit aus dem Stadtbild verschwinden: Die Fahrzeuge werden auch durch die Nachfrage der Verleihfirmen in der Massenproduktion immer günstiger und viele Privatleute dürften sich einen eigenen Roller kaufen. Die Firmen hätten somit durchaus ihren Teil zur Verkehrsrevolution beigetragen – allerdings auf Kosten ihrer Investoren.

Szenario 2: Die Großen überleben

Im zweiten Szenario geht es vor allem für die kleineren Anbieter bergab, während die Großen den restlichen Markt unter sich aufteilen und sich damit am Leben halten, ihre Preise zu steigern. Das müssten sie zwar gemeinsam tun, allerdings ohne die Kartellbehörden auf sich aufmerksam zu machen. Ein Unternehmen würde also den Anfang machen und die anderen müssten dann schnell nachziehen.

Vermutlich würden Bird und Lime übrig bleiben – und ein Kundenstamm, der sich plötzlich mit deutlich höheren Nutzungskosten konfrontiert sieht.

Drei E-Scooter des Verleihers Bird.
Bleiben die großen Player – wie Bird – als einzige Überlebende auf dem Markt? Ein mögliches Szenario. Foto: Shutterstock / Karl_Sonnenberg

Szenario 3: Lokale Monopole als Überlebensstrategie?

In einem dritten Szenario umgehen die Anbieter den Konkurrenzdruck und schließen sich zusammen. In dieser möglichen Zukunft kommen auf die Kunden saftige Preiserhöhungen zu, ohne dass es eine Konkurrenz gibt, zu der sie ausweichen könnten. Alternativ könnten die Anbieter sich absprechen, welcher Dienst in welcher Region aktiv sein sollte und so verhindern, sich gegenseitig Kunden streitig zu machen.

Diese lokalen Monopole würden es ihnen erlauben, in einer Region eigene Preise zu diktieren, die notwendig sind, um den Betrieb kostendeckend und schließlich gewinnbringend aufrecht zu erhalten. Die Frage ist dabei allerdings, bis zu welchem Kostenpunkt die Kunden das mitmachen. Und ab wann sie dann auf andere Verkehrsmittel wie Leihräder, öffentliche Verkehrsmittel oder gar einen eigenen Elektro-Roller umsteigen würden.

Szenario 4: Das Pedelec als Sieger?

Das vierte Szenario prophezeit das Ende der E-Scooter-Verleihdienste und ihrer Fahrzeuge als kurzzeitigen Trend. In den USA gibt es immer mehr Regeln, die den Einsatz der Elektrokleinstfahrzeuge einschränken und in Europa ist die Lage noch schwieriger für die Firmen. Geografische Einschränkungen und Geschwindigkeitsbegrenzungen sind die Folge – und die für Deutschland geplante Pflicht zur Montage von Blinkern und ähnlichen Regeln machen den Betrieb der Fahrzeuge unattraktiver.

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Entsprechend könnte der nächste Trend an Elektrofahrzeugen, etwa Schuhe mit Rollen oder eine Nachfolgeversion der Hoverboards ebenso zum Tod der Scooter führen, wie die immer stärkere Verbreitung des Pedelecs. Das hat nämlich in Puncto Sicherheit und Transportkapazität deutliche Vorteile und ist im deutschen Recht auch ohne Führerschein erlaubt.

Wie genau der Markt in vier bis fünf Jahren aussieht, ist nicht klar. Es bleibt zu hoffen, dass die Welt dann nicht auf ähnlichen Schrotthaufen sitzen bleibt, wie nach dem Ende vieler Fahrradverleiher in Asien, die ebenfalls ihren Markt mit der Hilfe von Kapitalgebern übersättigt hatten.

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