Elektromobilität

Elektroscooter – die Schattenseite der E-Mobilität

von
Paul Bandelin

In San Francisco und anderen Städten boomen Elektroscooter – und die schaffen mehr Probleme, als sie lösen. Wird es auch in Deutschland soweit kommen?

Zwei Männer schieben ihre Elektroscooter über eine Brücke
Elektroscooter von LimeBike. Foto: Lime

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum der Trend zu Elektroscootern in San Francisco und anderen Städten immer mehr zum Problem wird
  • Wie sich genervte Anwohner gegen die Schwemme an Elektroscooter wehren
  • Welche Probleme es mit der Helmpflicht gibt

Elektroscooter: Ärger in San Francisco

Sie sind klein, leicht und wendig – und den Bewohnern San Franciscos und anderer Städte in der Gegend mehr und mehr ein Dorn im Auge. Die Rede ist von Elektroscootern (elektrisch betriebene Tretroller). Von den Machern und Vertreibern werden sie als Allheilmittel für Pendler, das öffentliche Transportsystem, drohende Verkehrsinfarkte und CO2-Emission gepriesen. Doch die Wirklichkeit sieht ein wenig anders aus.

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Einen Scooter bei einem der Anbieter wie Bird, Spin oder LimeBike zu mieten ist kinderleicht: In der jeweiligen App muss der Nutzer nur auf „Entsperren“ tippen und schon kann es losgehen. Ein integrierter GPS-Tracker im Roller protokolliert die gefahrene Strecke und gibt den zu zahlenden Betrag an. Ist man angekommen, klickt man nur auf „Sperren“ – fertig.

Bei den verschiedenen Anbietern gibt es unterschiedliche Abrechnungsmodelle. Im Schnitt kostet eine Minute Fahrzeit etwa 15 Cent. Abstellen kann der Nutzer den Scooter überall, trotz in der App vorgeschlagener Abstellorte – und hier wird es problematisch.

Hauptprobleme: Helmpflicht und das Abstellen

Die Idee, die platzsparenden Scooter in der Stadt zu vermieten, ist durchaus naheliegend und mit geringeren Fuhrpark-Kosten verbunden als andere Mietobjekte wie Fahrräder oder Autos.

Nur der Umgang der Nutzer mit den Rollern wirft einige Fragen auf: Sie werden unkontrolliert nahezu überall stehengelassen und bilden oft genug ein Verkehrshindernis. So kommt es vor, dass Scooter selbst an Kreuzungen, in der Mitte des Bürgersteigs oder auf privaten Grundstücken stehen gelassen werden.

Anfang 2018 verschickte ein Anwalt der Stadt San Francisco an die drei größten Betreiber im Stadtgebiet – also die oben genannten Spin, Bird und LimeBike – ein Schreiben, das sie über die Klagen der Bürger aufklärte.Bislang hat erst einer der Anbieter (Bird) eine Stellungnahme abgegeben und erklärt, man werde sich intensiv mit dem Problem auseinandersetzen. Was dabei herausgekommen wird, ist derzeit noch nicht absehbar. Auch deshalb denkt die Regierung über besondere Scooter-spezifische Gesetze nach.

Um das Problem in den Griff zu kriegen und die Anbieter auf das Verhalten der Fahrer aufmerksam zu machen, greifen genervte Bürger zu teils drastischen Maßnahmen. Manche zerstören die Scooter mutwillig, andere bewerfen sie mit Schmutz oder befördern sie eigenhändig in Bäume. In einem Fall ging es sogar so weit, dass die Bremsschläuche durchgeschnitten waren, was der Fahrer glücklicherweise bei geringem Tempo bemerkte.

In den vergangenen Wochen hat sich die Debatte um die E-Scooter immer weiter hochgeschaukelt. Einige der Kritiker meinen sogar, die Nutzer seien sich zu fein für die öffentlichen Verkehrsmittel und beschimpften sie als „Silicon Valley-Hipster“.

Von besonderer Wichtigkeit ist die nur selten eingehaltene Helmpflicht, die auch die Anbieter nicht sanktionieren. Gerade bei Geschwindigkeiten von etwa 20 Kilometer pro Stunde müssten die Leihfirmen restriktiver auf deren Einhaltung achten und mit Bußgeldern drohen.

E-Scooter und die STVO in Deutschland

Zugute halten muss man den E-Scootern aber, dass sie eine veritable Option für die häufig zitierte „letzte Meile“ sein können. Diese Lücke zu schließen, ist noch keinem anderen der sich mit E-Mobilität befassenden Unternehmen gelungen. Zudem können sie in Städten mit weniger gut ausgebauter Infrastruktur eine enorme Hilfe sein.

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In Europa treibt insbesondere Florian Walberg mit seinen Modellen EGRET und THE-URBAN den Trend zu Elektroscootern voran – und arbeitet unter anderem auch daran, eine einheitliche europäische Gesetzgebung zu erreichen. Denn in Deutschland verbietet die Straßenverkehrsordnung (STVO) es bisher, solche E-Scooter auf der Straße zu fahren.

Probleme wie in San Francisco sind in Deutschland dann zu befürchten, wenn die Sharing-Welle auch diese Elektroscooter erreicht. Beim Bikesharing ist es jedenfalls schon so weit: Auch hier klagen deutsche Städte bereits über die Menge von achtlos abgestellten oder hingeschmissenen Leihrädern.

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