Elektromobilität

Elektroroller: Kumpan zeigt 1954 Ri S – und muss Messestand räumen

von Sabrina Lieb

Elektroroller sind ein günstiger Einstieg in die Elektromobilität. Für Kumpan electric lief die Vorstellung eines neuen Modells jedoch nicht wie geplant.

Ein geparkter Elektroroller in Berlin.
Besonders in Großstädten wie Berlin beliebt: der Elektroroller. Foto: Shutterstock/franz12

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum die teuren Elektroroller nicht immer die besten sind
  • Welche Akkutypen es beim E-Roller gibt
  • Welche Elektroroller im Vergleichstest gut abschneiden

Nicht lautlos, aber leise ziehen sie ihre Bahnen. Im Vergleich zum Elektroauto ist der Markt der Elektroroller zwar noch recht überschaubar, doch in den vergangenen vier Jahren hat sich eine nennenswerte Anzahl an alltagstauglichen Motorrollern mit Elektroantrieb herauskristallisiert – ein Aufschwung für die Elektromobilität auf zwei Rädern.

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Dabei zeigt sich ganz oft: Der Preis ist nicht immer ausschlaggebend für die Qualität. Im Gegenteil: Elektroroller um die 4000 Euro hatten in Testberichten teilweise grobe Verarbeitungsmängel. Ganz anders bei der Mittelklasse der Elektroroller, bei denen Fahrer zwischen 1400 und 2000 Euro schon ordentliche Modelle bekommen – eine Liste der von der Stiftung Warentest empfohlenen Elektroroller finden Sie unten.

Dabei entsprechen die Elektroroller der konventionellen “50er-Klasse”, verfügen also über die Leistung eines 50-ccm-Hubraum-Rollers, und erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von maximal 45 km/h – so viel also wie S-Pedelecs. Doch welche Modelle gibt es, was leisten sie und wie weit kommen sie pro Akkuladung?

Kumpan electric zeigt Roller und muss Messestand räumen

Stolz wollte das deutsche Unternehmen Kumpan electric auf der Motorradmesse EICMA in Italien seinen neuen Elektroroller vorstellen. Doch ein Konkurrent machte den Rheinland-Pfälzern einen Strich durch die Rechnung. Es war die Firma Piaggio, die weltweit für den Kult-Roller Vespa bekannt ist.

Per Strafanzeige ließen die Italiener die neuen Modelle von Kumpan aus der Halle entfernen. Dabei kam es fast zum Eklat, denn Piaggio wollte die Roller zunächst in die eigene Firmenzentrale bringen lassen. Grund für die Beschlagnahmung: Der Kumpan 1954 Ri S orientiere sich optisch eindeutig an der Vespa Primavera.

Den Ausgang des Streits wird wohl ein Gericht klären müssen. Unter der Haube haben die Modelle aber kaum etwas gemein. Der 1954 Ri S schafft laut Hersteller bis zu 100 km/h Spitzengeschwindigkeit. Dafür zuständig ist ein Elektromotor mit 7 kW Leistung. Die Reichweite soll maximal 120 Kilometer betragen. Als Tacho kommt ein Touchscreen mit 7 Zoll Bilddiagonale zum Einsatz. Günstig ist der Spaß allerdings nicht, denn der Roller kostet mindestens 6999 Euro.

Möglich ist allerdings auch, dass Piaggio in dem Roller einen unliebsamen Konkurrenten sah. Selbst hatte das Unternehmen auf der EICMA schließlich den Elektroroller Vespa Elettrica gezeigt, der mit 6400 Euro Basispreis zwar knapp unter dem 1954 Ri S liegt, aber nur bis 45 km/h ausgelegt ist. Den vergleichbaren 1954 Ri ohne “S” gibt es bei Kumpan electric übrigens ab 4999 Euro. Auch er fährt maximal 45 km/h – und entspricht optisch dem schnelleren Modell.

Elektroroller von Govecs bald ohne Helm nutzbar?

Wer mit einem Zweirad unterwegs ist, muss einen Helm tragen. Das gilt natürlich auch für Elektroroller – so will es der Gesetzgeber. Genau heißt es in §21a der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO): “Wer Krafträder oder offene drei- oder mehrrädrige Kraftfahrzeuge mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von über 20 km/h führt sowie auf oder in ihnen mitfährt, muss während der Fahrt einen geeigneten Schutzhelm tragen. Dies gilt nicht, wenn vorgeschriebene Sicherheitsgurte angelegt sind.”

Entscheidend ist also die Gurtpflicht. BMW baute deshalb von 2000 bis 2003 den Motorroller C1. Der nutzt genau diese Lücke und hatte ein Dach sowie einen Sicherheitsgurt. Für die Nutzer bedeutete das eine Befreiung von der Helmpflicht. Gut 15 Jahre später soll es wieder ein ähnliches Fahrzeug geben – von Govecs.

Das Produkt wollen wir aufgrund des enormen Marktpotenzials weltweit vermarkten und zwar sowohl im Bereich der zukunftsweisenden Sharing-Konzepte für Metropolen als auch im Konsumentenbereich.

Thomas Grübel, CEO von GOVECS

Das Unternehmen sicherte sich die Lizenz von BMW und plant nun eine elektrifizierte Version aus eigenem Hause. Die soll auch als Elektroroller bis 45 km/h auf den Markt kommen und wäre somit für den Sharing-Markt geeignet. Bisher setzen entsprechende Anbieter wie Emmy noch auf handelsübliche E-Roller. Der darin deponierte Helm nimmt Platz weg und schreckt potenzielle Nutzer ab. Wann Govecs den Roller auf die Straße bringt, ist allerdings noch unbekannt. Gleiches gilt auch für die technischen Daten wie Motorleistung und Reichweite.

Die Reichweite eines Elektrorollers

Die Reichweite des Elektrorollers richtet sich nach der Menge an Energie, die der Akku speichern kann. Bei fast allen Herstellern von Elektrorollern ist der Akku exakt so groß, dass die Leistung für etwa 50 Kilometer reicht. Allerdings beeinflussen viele Faktoren die reale Reichweite: das Wetter zum Beispiel, das Gewicht des Fahrers, die Beschaffenheit der Fahrbahn etc. Je schwerer und stärker das Fahrzeug jedoch ist, umso höher ist häufig auch die Akkukapazität.

Dabei zeigt sich kein lineares Verhältnis: So braucht man für einen 2000-Watt-Motor beispielsweise nicht zwingend die doppelte Akkukapazität eines 1000-Watt-Modells. Auf einer ebenen Fahrstrecke wird bei gleicher Geschwindigkeit und identischen Rahmenbedingungen die gleiche Menge an Energie benötigt – und das unabhängig davon, wie viel Leistung der Akku maximal abrufen kann.

Akkutypen beim E-Roller

Maßgeblich für den Preis von Elektrorollern ist der verwendete Akkutyp. Hier gibt es bei E-Rollern in der Regel nur zwei Varianten: Bleisäure-Akkus und Lithium-Ionen-Akkus. Beide Akkutypen haben ihre Vorteile.

Vorteile von Bleisäure-Akkus:

  • preiswerter
  • robuster
  • kälteunempfindlicher

Vorteile von Lithium-Ionen-Akkus:

  • geringeres Gewicht
  • höhere Energiedichte
  • mehr Vollladezyklen möglich

Auf die Reichweite und Geschwindigkeit hat der Akkutyp jedoch so gut wie keine Auswirkungen. Grundsätzlich sind alle Elektroroller in der Standardvariante mit einem Akku ausgestattet, der meist für eine Reichweite von 50 bis 60 Kilometer reicht. Höhere Reichweiten werden beim Elektroroller in der Regel durch den Einsatz eines zweiten Akkus erreicht.

Diese E-Roller empfiehlt das vom TÜV zertifizierte Vergleichsportal vergleich.org:

Elektroroller: Modelle, Reichweiten, Preise

  • Modell
  • Reichweite
  • Leistung
  • Neupreis in Euro
  • Ladedauer
  • Wechselakku
  • Akkutyp
  • Kreidler E-Florett 3.0
  • 60 km
  • 5,4 PS
  • 3899*
  • 6 Stunden
  • nein
  • Lithium‑Ionen
  • Niu N1S
  • 80 km
  • 3,26 PS
  • 2300*
  • 6 Stunden
  • ja
  • Lithium‑Ionen
  • Luxxon E3000
  • 60 km
  • 4 PS
  • 1999*
  • 8 Stunden
  • nein
  • Blei‑Gel
  • Yadea Elettrico Li
  • 60 km
  • 1,63 PS
  • 1999*
  • 8 Stunden
  • nein
  • Lithium‑Ionen
  • Nova Motors eRetro Star 50
  • 60 km
  • 2,72 PS
  • 1299*
  • 6 Stunden
  • nein
  • Blei‑Gel
  • Ranis 1200
  • 60 km
  • 2 PS
  • 999*
  • 6 Stunden
  • nein
  • Blei‑Gel
  • SXT Raptor 1200
  • 60 km
  • 1,63 PS
  • 1560*
  • 8 Stunden
  • nein
  • Blei‑Gel
  • Rolektro Retro‑Light 40
  • 60 km
  • 1,63 PS
  • 1849*
  • 8 Stunden
  • nein
  • Blei‑Gel
  • Kreidler RMC‑E Hiker 50 Amaze
  • 40 km
  • 4,08 PS
  • 2199*
  • 8 Stunden
  • ja
  • Lithium‑Ionen
  • AGM Scoody 25
  • 60 km
  • 0,68 PS
  • 898*
  • 8 Stunden
  • ja
  • Lead‑Acid

Die mit * versehenen Modelle gibt es gebraucht oder als Angebot bereits günstiger. Quelle: Vergleich.org (Stand: September 2018).

Fazit: Es ist Zeit für den Elektroroller

Neben dem E-Bike und Elektrokleinstfahrzeugen wie E-Scootern ist der Elektroroller die günstigste Form der Elektromobilität – und er passt mit seinem leisen Motor perfekt in den City-Alltag.

Updates

Bleiben Sie zum Thema Elektromobilität immer informiert.

Wie sich ein Elektroroller fährt und ob er sich tatsächlich im Alltag als Alternative bewähren kann, hat unsere Autorin Michaela Gerganoff ausprobiert.

Falls Sie jetzt überlegen, ob Sie sich einen Elektroroller anschaffen sollen: Einige Städte unterstützen den Kauf – durch den Umweltbonus lassen sich so ein paar Hundert Euro sparen.

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