Elektromobilität

Elektroroller im Alltagstest: Erfahrungsbericht eines Pendlers

von
Roland Kontny

Philipp (34) aus Hamburg fährt täglich 26 Kilometer mit dem E-Scooter – bei jedem Wetter. Seine Erfahrungen mit dem Elektroroller schildert er hier.

Elektroroller Niu N1 vor einem weißen Hintergrund.
Mit diesem Niu N1 hat Pendler Philipp seine Elektroroller-Alltagstest gemacht. Foto: Niu

Das erfahren Sie gleich:

  • Welche Vorteile der Elektroroller in einer Großstadt wie Hamburg bietet
  • Welche Kriterien beim Kauf eines E-Rollers wichtig sind
  • Welche Kosten für die Anschaffung und den Unterhalt anfallen

Seit Februar 2018 fahre ich als Pendler täglich 26 Kilometer quer durch Hamburg: Morgens 13 Kilometer nach Nordosten in den Stadtteil Wandsbek, abends dann 13 Kilometer zurück nach Ottensen im Westen. Auf einem Elektroroller. Und: Ja, auch bei Kälte, Regen und Wind. Inzwischen sind in diesem ganz realen Alltagstest in Hamburg knapp 5000 Kilometer mit dem E-Roller zusammengekommen.

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Auf die Idee kam ich, weil ich nach der besten Lösung für meinen Arbeitsweg gesucht habe: Mit öffentlichen Verkehrsmitteln und den letzten Rest zu Fuß würde der knapp 60 Minuten dauern; im Individualverkehr aber nur 30 bis 40 Minuten, je nach Verkehrslage. Ein Auto kam nicht in Frage, da ich nach 17 Uhr vor der Haustür in Hamburg-Ottensen keinen Parkplatz mehr finde. Den Roller dagegen kann ich einfach überall abstellen. Für mich die bequemste Form der Elektromobilität.

Als die Kaufentscheidung anstand, sollte der Elektroroller vor allem zwei Kriterien erfüllen. Erstens: Die Reichweite sollte mindestens Hin- und Rückweg abdecken. Ich wollte keinesfalls bei der Arbeit nachladen müssen. Zweitens: vernünftige Technik wie etwa Scheibenbremsen vorn und hinten. Naja, und die Optik spielte auch eine Rolle, wenn auch eine untergeordnete.

Elektroroller kaufen: Die billigen Exemplare waren mir zu unsicher

Schnell waren zwei Fahrzeuge in der engeren Wahl. Der Torrot Muvi und ein Niu. Alles, was preislich darüber lag, war zu teuer für mich. Alles darunter war mir zu unsicher, ich hatte hatte vor allem diese drei Zweifel:

  • Wie zuverlässig sind günstige Elektroroller?
  • Wie lange dauert es, bis man die Ersatzteile hat?
  • Wo kann ich Reparaturen machen lassen?

Diese Risiken wollte ich nicht eingehen. Letztlich fiel die Wahl auf einen Niu N1s für 2700 Euro. Auf seiner höchsten Leistungsstufe bietet er eine tatsächliche Reichweite von 50 Kilometern.

Mein Niu war dann leider ein Montagsroller, der mich gleich mehrfach im Stich ließ. Die größten Probleme machten das Batteriemanagement-System und ein defekter Seilzug der Klappe über dem Akku. Ein Cent-Bauteil – das mich aber nicht an den Energiespeicher ließ, das Aufladen verhinderte und so den ganzen E-Roller für mich unbrauchbar machte. Für einen Pendler eine Katastrophe!

Elektroroller Niu N1: Nach 1100 Kilometern noch 98 Prozent Akkuleistung

Glücklicherweise ist der neue Niu, den der Händler mir ohne große Formalitäten im Austausch gab, seit der Übergabe im Juni bislang sehr zuverlässig. Am Fahrzeug selbst schätze ich die tolle Beschleunigung.

Der Blinker geht nach einer Kurvenfahrt sogar von selbst wieder aus, ganz wie beim Auto. Und tut er es mal nicht, weil der gefahrene Radius zu weit war, erinnert mich ein auch unter dem Helm gut hörbares Signal daran, ihn wieder auszuschalten.

Ein nettes Gadget für Statistikfreunde ist die App, mit der ich unter anderem ein elektronisches Fahrtenbuch führen und die Leistungsfähigkeit des Akkus prüfen kann. Nach 1100 Kilometern hat demnach der Akku in dem Niu beispielsweise noch 97,7 Prozent der ursprünglichen Kapazität. Rechne ich das mal hoch, schafft er auch in fünf Jahren noch den täglichen Arbeitsweg.

Elektroroller in Hamburg: Bloß nicht zu langsam fahren!

Überflüssig finde ich die vermeintlichen Energiesparmodi. Sie drosseln das Fahrzeug auf 15 oder 30 km/h – und machen den E-Roller zum Verkehrshindernis. Man sollte sie wirklich nur dann benutzen, wenn die Restreichweite so gering ist, dass man irgendwie nach Hause beziehungsweise eben an eine Steckdose kommt. Das ist mir einmal passiert. Für das Aufladen ist der zehn Kilogramm schwere Akku in unter zehn Sekunden ausgebaut und lädt über Nacht im Flur meiner Wohnung.

Bei maximaler Geschwindigkeit fühle ich mit trotz der Begrenzung auf 45 km/h nicht ausgebremst. Im Hamburger Berufsverkehr geht es meist eh nicht viel schneller; auch sind Spurwechsel zum Beispiel beim Einordnen zum Linksabbiegen unproblematisch. Zudem ist die Beschleunigung so gut, dass ich mit dem Elektroroller an der Ampel meist flotter losfahre als viele Autos.

Insgesamt erlebe ich die Autofahrer nicht als rücksichtslos, wie man es vielleicht befürchtet oder annimmt. Bislang ist mir gegenüber keiner aggressiv aufgetreten, hat mich geschnitten oder mir den Spurwechsel unnötig schwer gemacht.

Zubehör für den E-Roller: Ohne die richtige Kleidung geht es nicht

Wirklich zu schaffen macht mir da eher die Witterung. Ich pendele mit dem E-Roller ja das ganze Jahr durch. Zu dem Vorhaben gehört deshalb unbedingt warme, winddichte und regentaugliche Kleidung. Für Hose, Schuhe und Jacke habe ich etwa 500 Euro gezahlt. Das tut im ersten Moment etwas weh, macht das Fahren bei Temperaturen unter fünf Grad über Null aber erst möglich, ohne als Eisklumpen am Ziel anzukommen.

Die Reichweite des Akkus schmälerten auch Temperaturen unter null Grad kaum. Sie sank allenfalls um fünf Kilometer, was für meine tägliche Strecke kein Problem war.

Elektroroller und die Kosten: 50 Cent reichen für 50 Kilometer

Mein Fazit bisher: Mit dem Elektroroller zu pendeln ist ein günstiger Spaß: Eine volle Ladung (1,74 kWh) Ökostrom kostet 50 Cent. Mit anderen Worten: Ich fahre für einen Cent Energiekosten pro Kilometer.

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Teuer wird es, falls der Akku in vier oder fünf Jahren vielleicht nicht mehr für Hin- und Rückweg reicht. Derzeit kostet ein neuer Akku 1600 Euro. Allerdings wird der dann sicherlich auch mehr Energie speichern und somit nicht mehr so oft aufgeladen werden müssen – und das ist ja schon ein Komfortgewinn.

Falls Sie jetzt selbst interessiert sind: Hier lesen Sie einen weiteren Erfahrungsbericht über das Leben mit einem Elektroroller. Und hier haben wir verglichen, was besser für die City ist: Elektroauto, Elektroroller oder E-Bike.

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