Elektromobilität

Elektrobusse: Deutschland im ÖPNV-Umbruch

von Thomas Pitscheneder

Der ÖPNV transportiert täglich Millionen Fahrgäste durch deutsche Städte. In Zukunft sollen statt Dieselantrieben Elektrobusse zum Einsatz kommen.

Linienbusse stehen vor der Tour im Busdepot.
Die Standzeiten im Busdepot dienen zunehmend auch zum Aufladen. Immer mehr Elektrobusse rollen durch deutsche Städte. Foto: picture alliance/KEYSTONE

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie die Bundesregierung den Umstieg im ÖPNV fördert
  • Wie sich Diesel-Busse einfach zu Elektrobussen umrüsten lassen
  • Welche Möglichkeiten es zur Aufladung gibt zeigt die IAA Nutzfahrzeuge 2018

Einer der größten Vorteile eines modernen Elektromotors liegt in der besseren Verträglichkeit für die Umwelt. Während der Fahrt stoßen die Fahrzeuge keine Schadstoffe aus. Auch die geringere Lärmentwicklung ist ein Plus. Interessant ist nicht zuletzt deshalb ein Einsatz im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Die Bundesregierung fördert die Anschaffung von Elektrobussen für Städte und Kommunen. Das Angebot vergünstigter Elektromobilität nehmen viele Regionen dankend an.

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Für die Hersteller der Fahrzeuge ist das ebenfalls ein großer Gewinn. In Zukunft sehen sie einen großen Markt. Auf der IAA Nutzfahrzeuge 2018 waren Elektrobusse deshalb eines der großen Themen.

Elektrobus: Vom Diesel zum grünen Stromer

Rund 35.000 Busse sind täglichen auf deutschen Straßen unterwegs – alleine im ÖPNV. Ein großer Teil davon ist noch immer mit klassischen Dieselmotoren ausgestattet. Neue Fahrzeugflotten mit elektrischen Motoren kosten den Staat viel Geld. Der Grund: Die Bundesregierung übernimmt 80 Prozent der Investitionsmehrkosten.

Es gibt jedoch eine Alternative, die wesentlich günstiger sein könnte. Die Firma in-tech aus München zeigte auf der IFA 2018 ein Konzept zum Umbau von Diesel-Bussen. Die Aftermarket-Abteilung von ZF Friedrichshafen ist als Partner mit an Bord.

Hohe Emissionswerte in den Innenstädten setzen die Kommunen unter Zugzwang. Viele Betreiber suchen daher den Einstieg in die Elektromobilität.

Andreas Hager, Leiter der Business Unit New Mobility Solutions bei in-tech

Die Technik der Firma ermöglicht eine unkomplizierte Umrüstung bestehender Fahrzeuge. Teile wie Achsen, Fahrwerk und Differenzial bleiben dabei unangetastet. Das soll die Kosten um bis zu 50 Prozent senken – im Vergleich zu einer Neuanschaffung. Auch beim zeitlichen Rahmen gibt es einen Vorteil, denn eine langwierige Fertigung fällt weg. Oft bleibt sogar die aktuelle Beklebung der Fahrzeuge bestehen.

Umbau statt Neuentwicklung: Die Firma in-tech baut Diesel- zu Elektrobussen um. Foto: intech

Die Unternehmen wollen auf der eMove360° erstmals einen vollständig umgerüsteten Bus zeigen. Die Messe findet vom 16. bis 18. Oktober in München statt. Anschließend soll er bei den Stadtwerken Landshut im Zuge eines Pilotprojektes durch die Stadt rollen.

Nutzfahrzeughersteller setzen auf Elektromobilität

Völlig neue Modelle gab es auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover zuhauf zu sehen. MAN, Scania, Iveco und viele andere Hersteller hatten neue Busse mit Elektroantrieb dabei. Hybrid-Modelle, wie sie heute bereits in einigen Städten zum Einsatz kommen, waren eine Seltenheit auf der Messe.

Viele E-Busse setzen auf leistungsstarke Akkus. Der Betrieb für den ganzen Tag will schließlich gewährleistet sein. Die Reichweiten betragen deshalb nicht selten 150 Kilometer und mehr. Die Ladung soll dann im Busdepot nach Abschluss der Linie erfolgen.

Verschiedene Ladekonzepte im Nahverkehr möglich

Noch ist nicht klar, ob ein solch klassisches Ladekonzept im ÖPNV zufriedenstellend funktioniert. Damit es nicht zu Ausfällen kommt, muss das Flottenmanagement bei den Verkehrsbetrieben reibungslos funktionieren. Ein Bus ist schließlich nicht innerhalb weniger Minuten aufgeladen.

Alternativ dazu sind verschiedene andere Arten der Aufladung im Gespräch. Eine davon könnte das “Opportunity Charging” sein. Dabei holen sich die Busse im Linienverkehr bei Gelegenheit frischen Saft, etwa bei jedem Kurzstopp an einer Haltestelle. Wie bei einer Straßenbahn ist auch ein Betrieb mit Oberleitungen möglich. Der setzt jedoch die passende Infrastruktur voraus und ist mit hohen Investitionen verbunden.

Noch Interessanter sind Fahrbahnen mit eingebauten Leitungen zum induktiven Laden. Sie könnten in Zukunft nicht nur Busse mit frischer Energie versorgen, sondern auch Elektroautos. Doch bis die Technik bereit für einen großflächigen Einsatz ist, vergehen wohl noch viele Jahre.

Updates

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Erste Städte proben bereits mit Elektroantrieben

Auf den Straßen sind Elektrobusse bereits jetzt unterwegs. Immerhin 45 Städte im Bundesgebiet erproben die Fahrzeuge im Linienbetrieb. Dazu gehören Millionenstädte wie Hamburg, Berlin und Köln, aber auch kleinere Großstädte wie Aachen, Regensburg und Braunschweig.

In den kommenden Monaten und Jahren sollen viele weitere Städte diesem Beispiel folgen. Vielerorts laufen bereits die Ausschreibungen für den Umstieg. Die ESWE plant beispielsweise, die rund 220 Busse in Wiesbaden und Umgebung bis spätestens 2022 auf rein elektrische Antriebe umzustellen. Andere Verkehrsbetriebe sind ebenfalls interessiert an einem Umstieg.

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