Elektromobilität

Elektroboote: Wenn das alte Motorboot zum E-Flitzer wird

von
Sabrina Lieb

Wer den Kauf eines Elektrobootes noch scheut, kann sein vorhandenes Boot elektrisch nachrüsten lassen. aio hat sich hierzu Tipps von einer Fachfrau geholt.

Ein nachgerüstetes Elektroboot von Kleinboote.
Leise über den Wallersee schippern: Mit den Elektrobooten von Kleinboote ist das kein Problem. Foto: Kleinboote

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum Elektroboote – im Vergleich zu Booten mit Verbrennungsmotor – keiner zahlenmäßigen Beschränkung auf dem Wasser unterliegen
  • Weshalb beim Elektroboot vor allem das Gewicht der Akkus entscheidend ist
  • Welche Leistung ein Elektromotor für das E-Boot bringen muss
  • Was es kostet, das alte Boot mit einem Elektromotor nachrüsten zu lassen

Das Leben auf dem Wasser genießen, umweltfreundlich fahren, ohne jedoch auf Leistung oder Komfort zu verzichten – das lautlose und emissionsfreie Dahingleiten mit dem Elektroboot liegt im Trend. Nicht zuletzt, weil durch die neuen Elektromotoren und dank der verbesserten Batterietechnologien auch Elektroboote inzwischen hohe Geschwindigkeiten und gute Reichweiten erzielen.

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Auch die steigende Anzahl von Elektroautos auf den Straßen mag ihren Teil dazu beitragen, dass die Akzeptanz des elektrischen Antriebs auf dem Wasser steigt. Das leise Cruisen wird uns damit in Zukunft wohl auch auf dem See immer häufiger begegnen. Der wohl wichtigste Grund für die zunehmende Verbreitung von Elektrobooten mag die Tatsache sein, dass Boote mit Elektromotor keiner zahlenmäßigen Beschränkung unterliegen, wie das beispielsweise bei Booten mit Verbrennungsmotor der Fall ist.

So sind auf dem Starnberger See beispielsweise maximal 250 Motorboote erlaubt. Die Wartezeit für eine Lizenz beträgt bis zu zehn Jahren. Ein E-Boot-Interessent hingegen braucht weder Führerschein noch Zulassung und muss sich lediglich im Umweltreferat des Landratsamtes ein Kennzeichen zuteilen lassen – mit einer ähnlich niedrigen Schwelle für E-Autos lockt etwa China. Wer den Kauf eines Elektroboots noch scheut, hat allerdings auch die Möglichkeit, sein vorhandenes Boot neu zu motorisieren.

Beim Elektroboot wiegen die Akkus bis zu 300 kg

Ein herkömmliches Motorboot ist meist vom Rumpf und der Bauform her ein sogenannter Gleiter. Durch den starken Benzinmotor und die Rumpfform kommt es ab einer gewissen Geschwindigkeit mit der Spitze – dem sogenannten Bug – bis zur Mitte aus dem Wasser raus und gleitet so über die Wellen.

"Mit einem elektrischen Motor bei einem Preis von etwa 5000 Euro ist das schon mal gar nicht möglich. Die Motoren sind für den Antrieb schlicht noch zu schwach, während das Boot zu plump und zu schwer ist", meint Olga Just. Die 62-Jährige hat sich mit ihrem Team von Kleinboote auf den Umbau von Booten zu Elektrobooten spezialisiert. Grund für das hohe Gewicht seien nicht zuletzt die notwendigen Batterien für eine Leistung von 24 Volt, 48 Volt oder noch mehr sowie den entsprechende Amperestunden.

So eine 12 Volt Batterie mit 220 Amperestunden kommt da schon mal schnell auf gute 50 Kilogramm. Für 48 Volt und eine längere Reichweite braucht man da mindestens vier oder acht Stück davon.

Olga Just, Spezialistin für umgebaute E-Boote

Laut Just müssten Bootsfahrer, die auf einen Elektromotor umsteigen wollen, schon mal gute 200 bis 300 Kilogramm Gewicht für die Akkus einkalkulieren. Und die brauchen im Boot ja dann auch noch Platz.

Olga Just, Chefin von Kleinboote, auf einem ihrer nachgerüsteten Boote.
Olga Just, Chefin von Kleinboote, auf einem ihrer nachgerüsteten Boote. Foto: Kleinboote

Reicht für's gemütliche cruisen: Bootsmotor mit 2000 – 4000 Watt

In ihrer Werkstatt in Henndorf am Wallersee (Österreich) baut Olga Just zusammen mit ihrem Team fast jedes beliebige Boot zum Elektroboot um. Allerdings gäbe es auch hier Beschränkungen. So seien beispielsweise größere, schwerere Motorboote ab einer Länge von ca. fünf Metern und rund zwei Metern Breite zum Umbauen auf Elektroantrieb nicht so ideal. Grund hierfür ist das hohe Gewicht des Bootes selbst, des (Blei-)Akkus und des starken Motors, der für den Antrieb eines Bootes erforderlich ist.

Idealer für den Umbau zum Elektroboot seien hingegen schmalere und leichtere Motorboote bis ca. 500 kg Leergewicht in Verbindung mit modernen leichten Lithium Batterien und einem leichteren Elektro-Außenborder bis ca. 25 kg Gewicht.

"So eine moderne Lithium-Batterie mit 24 Volt hat rund 16 kg und ersetzt herkömmliche Bleibatterien mit einem Gewicht von ca. 120 kg. Das wirkt sich auf die Fahreigenschaften und die möglichen Geschwindigkeiten natürlich deutlich positiv aus", so Just. Sie ergänzt: "Fürs gemütliche cruisen auf dem See reicht allerdings schon ein Motor mit 2000 oder etwa 4000 Watt völlig aus." Generell könne man sagen, je leichter und schlanker das Boot ist, desto flotter kommt es auch mit einem schwächeren Elektromotor voran.

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Was kostet es, das alte Boot mit einem E-Motor nachrüsten zu lassen

Umweltfreundlich und flüsterleise fahren: Nach Just müsse grundsätzlich das gesamte System in Bezug auf Laufzeiten und Leistung stimmig sein. Wer sein Boots-Modell entsprechend nachrüsten möchte, sollte an Batterien und Motor daher lieber nicht selbst Hand anlegen sondern besser den Gang zum Fachhandel wählen, wo man auf den Bau und Umbau von Elektrobooten spezialisiert ist, rät die Expertin.

Aber was kostet so ein Umbau zum Elektroboot nun eigentlich? Hier spielen mehrere Aspekte mit ein, so Just. Für einen sehr guten 2 kW, 24V E-Motor und einen 24V Lithium Akku sowie das passende Lithium-Ladegerät müssen Interessenten rund 5700 EUR inkl. MwSt. zahlen. Hinzu kommt die Arbeitszeit für die Verkabelungen, die Installation vom Gashebel, der Instrumente usw. Hierfür werden, je nach Boot, zwischen 1000 und 1500 Euro inkl. MwSt. fällig. Inklusive Mehrwertsteuer liegt der Preis für einen solchen Umbau also zwischen 6700 und 7200 Euro.

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