Elektromobilität

Elektroautos: Starker Anstieg der Zulassungszahlen erwartet

von Peter Michaely

Bis 2030 könnten weltweit 40 Prozent aller neuen Pkw mit Strom angetrieben werden, prognostiziert das renommierte Center of Automotive Management.

Ein Monteur befestigt ein Diesel-Fahrverbot-Schild in Hamburg.
Mit mehr Restriktionen für Verbrenner – wie hier dem Fahrverbot für Diesel in Hamburg – erleben Elektroautos einen Aufschwung. Foto: dpa

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum Elektroautos bei den Neuzulassungen stark zulegen
  • Wie Dieselfahrverbote die Entwicklung beschleunigen
  • Welche Absatzzahlen Experten mittel- bis langfristig erwarten

Fahrzeuge mit Dieselmotor kommen nicht aus den Schlagzeilen. Das zeigt der kürzlich abgehaltene Gipfel der Regierung ebenso wie die Einführung von Durchfahrtsverboten für ältere Selbstzünder in Hamburg, Frankfurt und Stuttgart. Die Autoindustrie steckt dabei in einem Dilemma. Sie braucht moderne Diesel zum Beispiel im Bemühen um die Einhaltung von immer strengeren CO2-Grenzwerten.

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Doch deutsche Neuwagenkäufer, die ein Auto mit Verbrennungsmotor suchen, entscheiden sich verstärkt für Benziner – und zunehmend auch für Elektromobilität.

Die Entwicklung der Diesel-Neuzulassungen

Hohe Schadstoffwerte, teilweise Fahrverbote und ein schlechtes Image schlagen sich negativ auf die Verkaufszahlen von Autos mit Dieselmotoren nieder. Das zeigen die vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) herausgegebenen Neuzulassungen.

Demnach sank der Anteil der Dieselfahrzeuge von 45,3 Prozent im August 2016 auf 32,6 Prozent im August 2018. Das macht einen Verlust von 12,7 Prozent in nur zwei Jahren aus. Aktuell pendeln sich die Diesel bei rund einem Drittel der Neuzulassungen ein. Im Vergleich zu den vergangenen Monaten ist der Marktanteil sogar etwas gestiegen.

Diese-Pkw verlieren in 2 Jahren 12,7 Prozent Anteil an den Neuzulassungen.
Der Anteil von Diesel-Fahrzeugen an den gesamten Pkw-Neuzulassungen ging in den vergangenen Jahren stark zurück. Aktuell stabilisiert sich der Wert bei rund 33 Prozent. Foto: Statista

Elektroautos sind weltweit im Aufwind

Die absoluten Zahlen für die Jahre zeigen ein ähnliches Bild. Einen beständigen Anstieg der Anteile verzeichnen die alternativen Antriebe:

  • 2015 betrug das Verhältnis zwischen benzin- und dieselbetriebenen Pkw in Deutschland 50,3 zu 48,0 Prozent; der Marktanteil alternativer Antriebe machte 1,7 Prozent aus
  • 2016 lagen die Anteile bei 52,1 zu 45,9 zu 2,0 Prozent
  • 2017 schließlich bei 57,7 zu 38,8 zu 3,5 Prozent
  • Im August 2018 schafften Benziner 62,1 Prozent, Diesel 32,6 Prozent und alternative Antriebe 5,3 Prozent

Aktuell sind die Diesel-Neuzulassungen laut einer Studie des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach weiter im freien Fall. Nutznießer sind neben Benzinern auch Elektrofahrzeuge. Im ersten Quartal 2018 verbuchten sie in Deutschland einen Zuwachs von 70 Prozent auf 17.549 Neuzulassungen.

Im globalen Vergleich, so die CAM-Experten um Studienleiter Professor Dr. Stefan Bratzel, stieg damit ihr Marktanteil auf überdurchschnittliche 2,0 Prozent. Reine Elektrofahrzeuge legten dabei mit einem Plus von 80 Prozent stärker zu als Plug-in-Hybride mit 60 Prozent.

In Märkten wie China oder Norwegen entwickelt sich die Elektromobilität noch deutlich dynamischer – nicht zuletzt aufgrund rigider staatlicher Kontrolle wie in China und massiver Förderung wie in Norwegen. Rechnet man Fahrzeuge mit Brennstoffzelle sowie gewerbliche Kfz und Busse hinzu, wurden in China im ersten Quartal 2018 142.445 E-Autos abgesetzt. Das ist ein Plus von 154 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum (Marktanteil: 2,0 Prozent).

In Norwegen lag der Marktanteil im ersten Quartal sogar bei extrem hohen 47,9 Prozent. Die 16.180 dort neu zugelassenen Elektroautos bedeuten einen Zuwachs um 20 Prozent. In absoluten Zahlen zweitgrößter E-Fahrzeugmarkt sind laut CAR-Studie weiterhin die USA mit fast 54.000 Neuzulassungen im ersten Quartal 2018. Das entspricht einem Plus von 32 Prozent (Marktanteil: 1,3 Prozent).

EU-Klimaziele als Wachstumsmotor

Das Center of Automotive Management geht davon aus, dass in den nächsten zehn bis 15 Jahren weltweit mit einem starken Wachstum des Elektroauto-Absatzes zu rechnen ist. „Für Deutschland und die EU ist beispielsweise ab 2020 von einem exponentiellen Anstieg auszugehen, da die Hersteller die CO2-Ziele erreichen müssen und Strafzahlungen zu vermeiden suchen“, resümieren die Analysten.

Der globale Wettlauf um die Entwicklung sauberer Autos ist eröffnet. Es gibt keinen Weg zurück.

Miguel Arias Cañete, EU-Kommissar für Klimapolitik und Energie

Die EU schreibt nämlich im Jahr 2020/21 Pkw-Flottengrenzwerte von 95 Gramm CO2/km vor. 2017 lag der entsprechende Durchschnittswert in Deutschland im Pkw-Bereich noch bei 127,9 g/km, was sogar einer leichten Steigerung gegenüber 2016 entspricht (127,4 g/km).

Updates

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Rapide steigende Marktanteile für E-Autos erwartet

Nach Ansicht der CAM-Experten werden sich die Herstellungskosten für Benziner und Diesel massiv verteuern, wenn sie die zunehmend verschärften Umweltgesetze einhalten sollen. Im Gegenzug wird durch Fortschritte bei der Ladeinfrastruktur, durch Reichweitensteigerung und sinkende Preise für Batteriezellen ein Boom der Elektroautos in den Kernmärkten China, USA und Europa erwartet.

In nackten Zahlen ausgedrückt: Bei idealen Rahmenbedingungen könnten bis 2025 rund 25 Prozent oder 25 Millionen aller weltweit zugelassenen Pkw mit einem Elektromotor ausgestattet sein, bis 2030 sogar 40 Prozent oder 40 Millionen. Das ambitionierte Ziel von einer Million E-Autos bis 2020 in Deutschland ist hingegen wohl kaum zu schaffen noch schaffen.

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