Elektromobilität

Elektroautos: Zulassungszahlen in Deutschland und der Welt

von Peter Michaely

Der Markt für Elektroautos wächst. Für 2018 sind wieder neue Rekorde zu erwarten. Deutschland ist noch etwas langsam – ein anderes Land ist schlimmer.

Foto: picture alliance/Bodo Marks/dpa

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum Elektroautos bei den Neuzulassungen stark zulegen
  • Wie Dieselfahrverbote die Entwicklung beschleunigen
  • Welche Absatzzahlen Experten mittel- bis langfristig erwarten

Fahrzeuge mit Dieselmotor kommen nicht aus den Schlagzeilen. Das zeigt der kürzlich abgehaltene Gipfel der Regierung ebenso wie die Einführung von Durchfahrtsverboten für ältere Selbstzünder in Hamburg, Frankfurt und Stuttgart. Die Autoindustrie steckt dabei in einem Dilemma. Sie braucht moderne Diesel zum Beispiel im Bemühen um die Einhaltung von immer strengeren CO2-Grenzwerten.

Doch deutsche Neuwagenkäufer, die ein Auto mit Verbrennungsmotor suchen, entscheiden sich verstärkt für Benziner – und zunehmend auch für Elektromobilität.

Die Entwicklung der Diesel-Neuzulassungen

Hohe Schadstoffwerte, teilweise Fahrverbote und ein schlechtes Image schlagen sich negativ auf die Verkaufszahlen von Autos mit Dieselmotoren nieder. Das zeigen die vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) herausgegebenen Neuzulassungen.

Demnach sank der Anteil der Dieselfahrzeuge von 45,3 Prozent im August 2016 auf 32,6 Prozent im August 2018. Das macht einen Verlust von 12,7 Prozent in nur zwei Jahren aus. Aktuell pendeln sich die Diesel bei rund einem Drittel der Neuzulassungen ein. Im Vergleich zu den vergangenen Monaten ist der Marktanteil sogar etwas gestiegen.

Diese-Pkw verlieren in 2 Jahren 12,7 Prozent Anteil an den Neuzulassungen.
Der Anteil von Diesel-Fahrzeugen an den gesamten Pkw-Neuzulassungen ging in den vergangenen Jahren stark zurück. Aktuell stabilisiert sich der Wert bei rund 33 Prozent. Foto: Statista

Elektroautos sind weltweit im Aufwind

Die absoluten Zahlen für die Jahre zeigen ein ähnliches Bild. Einen beständigen Anstieg der Anteile verzeichnen die alternativen Antriebe:

  • 2015 betrug das Verhältnis zwischen benzin- und dieselbetriebenen Pkw in Deutschland 50,3 zu 48,0 Prozent; der Marktanteil alternativer Antriebe machte 1,7 Prozent aus
  • 2016 lagen die Anteile bei 52,1 zu 45,9 zu 2,0 Prozent
  • 2017 schließlich bei 57,7 zu 38,8 zu 3,5 Prozent
  • Im August 2018 schafften Benziner 62,1 Prozent, Diesel 32,6 Prozent und alternative Antriebe 5,3 Prozent

Große Nutznießer des Anstiegs sind offenbar Elektroautos. Das legt eine aktuelle Erhebung, die das Center of Automotive Management (CAM) durchführte. In einer Übersicht stellen die Analysten den Vergleich zwischen den Jahren 2017 und 2018 dar – wobei der Monat Dezember 2018 nur einer Schätzung entspricht.

An der Spitze der Verkäufe steht weiterhin China. In keinem anderen Land der Erde sind die Absatzzahlen so gigantisch. Noch 2017 rollten 777.000 E-Autos zu den Kunden. Im Jahr 2018 sollen es satte 1.275.000 sein – ein Plus von 64,1 Prozent. Von einer Million verkauften Elektroautos träumt Deutschland hingegen noch. Hierzulande verkauften die Händler 54.000 Modelle im vergangenen Jahr und 2018 voraussichtlich 68.000 (+25,9 Prozent).

Ein viel größerer Wachstumsmarkt ist die USA. Dort steigt die Zahl der verkauften Modelle wohl von 194.000 auf 356.000 (+83,5 Prozent). Auch in den Niederlanden zieht die Elektromobilität an. Gingen 2017 noch 9.000 Autos an die Kunden, sollen es 2018 bereits 24.000 sein (+66,7 Prozent). Kleinere Schritte machen Norwegen mit 62.000 zu 73.000 E-Autos (+17,7 Prozent), Großbritannien mit 49.000 zu 59.000 Autos (+20,4 Prozent) und Frankreich mit 37.000 zu 45.000 Elektroautos (+21,6 Prozent).

Ein Land fällt jedoch negativ aus: Japan. Dort soll die Zahl der verkauften reinen Stromer (BEV) und Plug-in-Hybriden (PHEV) sogar sinken. Im Jahr 2017 lag sie noch bei 56.000 Fahrzeugen, 2018 sind es wohl nur 50.000 E-Autos (-10,7 Prozent).

Beeindruckend sind auch die Marktanteile der Stromer. In Norwegen machen Elektroautos im Jahr 2018 offenbar satte 47,9 Prozent der Neuwagenverkäufe aus. In den Niederlanden sind es 5,2 Prozent. Beim Blick auf die Gesamtzahlen wirkt der Wert in China mit 4,6 Prozent klein – doch im Land leben rund 1.39 Milliarden Menschen. Großbritannien (2,5 Prozent), die USA, Frankreich (beide 2,1 Prozent) und Deutschland (2 Prozent) können da dennoch nicht mithalten. In Japan kommen Elektroautos wohl auf einen traurigen Marktanteil von 1,1 Prozent.

EU-Klimaziele als Wachstumsmotor

Das Center of Automotive Management geht davon aus, dass in den nächsten zehn bis 15 Jahren weltweit mit einem starken Wachstum des Elektroauto-Absatzes zu rechnen ist. „Für Deutschland und die EU ist beispielsweise ab 2020 von einem exponentiellen Anstieg auszugehen, da die Hersteller die CO2-Ziele erreichen müssen und Strafzahlungen zu vermeiden suchen“, resümieren die Analysten.

Der globale Wettlauf um die Entwicklung sauberer Autos ist eröffnet. Es gibt keinen Weg zurück.

Miguel Arias Cañete, EU-Kommissar für Klimapolitik und Energie

Die EU schreibt nämlich im Jahr 2020/21 Pkw-Flottengrenzwerte von 95 Gramm CO2/km vor. 2017 lag der entsprechende Durchschnittswert in Deutschland im Pkw-Bereich noch bei 127,9 g/km, was sogar einer leichten Steigerung gegenüber 2016 entspricht (127,4 g/km).

Rapide steigende Marktanteile für E-Autos erwartet

Nach Ansicht der CAM-Experten werden sich die Herstellungskosten für Benziner und Diesel massiv verteuern, wenn sie die zunehmend verschärften Umweltgesetze einhalten sollen. Im Gegenzug wird durch Fortschritte bei der Ladeinfrastruktur, durch Reichweitensteigerung und sinkende Preise für Batteriezellen ein Boom der Elektroautos in den Kernmärkten China, USA und Europa erwartet.

In nackten Zahlen ausgedrückt: Bei idealen Rahmenbedingungen könnten bis 2025 rund 25 Prozent oder 25 Millionen aller weltweit zugelassenen Pkw mit einem Elektromotor ausgestattet sein, bis 2030 sogar 40 Prozent oder 40 Millionen. Das ambitionierte Ziel von einer Million E-Autos bis 2020 in Deutschland ist hingegen wohl kaum zu schaffen noch schaffen.

Elektroautos: BlackRock-Manager sagt Boom voraus

Auch der BlackRock-Fondsmanager Evy Hambrosieht Elektroautos positiv. Im Interview mit dem Fernsehsender CNBC sprach er über Elektromobilität aus Sicht der globalen Finanzmärkte. Demnach könnte es bereits in absehbarer Zeit einen Boom geben.

“Wir befinden uns gerade an einem Wendepunkt. Über die kommenden zwei Jahre erleben wir einen massiven Ausbau der Produktpalette in die Breite. Außerdem werden wir einen sinkenden Einstiegspreis sehen. Wir erwarten deshalb eine große Steigerung der Verkäufe von Elektrofahrzeugen in den kommenden zwei bis drei Jahren.”, so Hambro in der TV-Sendung “Squawk Box”.

Dazu passt eine aktuelle Meldung des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Dessen Präsident Bernhard Mattes sagte bei der Eröffnung des VDA-QMC-Qualitäts-Gipfeltreffens in Berlin: “Allein in die Elektromobilität werden unsere Unternehmen bis zum Jahr 2020 insgesamt 40 Milliarden Euro investieren.” Das Modellangebot soll sich von aktuell 30 Modellen auf rund 100 Fahrzeuge erhöhen.

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