Elektromobilität

Elektroautos hatte die Berliner Feuerwehr schon 1908

von Peter Michaely

Bereits 1908 rückte die Berliner Feuerwehr mit elektrisch angetriebenen Löschfahrzeugen aus. Es hätte nicht viel gefehlt, und Elektroautos hätten sich schon damals durchgesetzt.

Historisches Elektroauto
Als die Autos laufen lernten: Um 1900 herum hätten Elektroautos fast die Verbrenner verdrängt. Foto: aio

Das erfahren Sie gleich:

  • Schon vor mehr als 100 Jahren gab es Elektroautos
  • Als Keimzelle gilt das Trouvé Tricycle von 1881
  • 38 Prozent der Autos in den USA fuhren zu Beginn des 20. Jahrhunderts elektrisch

Mit Faraday fing alles an

Die Geschichte um die Anfänge des Elektroautos liest sich wie ein Krimi. Dieser Krimi spielt in England, in Kroaten, in Frankreich und den USA. Und er hätte ein ganz anderes Ende nehmen können. Aber lesen Sie selbst...

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Zur Reservierung

Im ausgehenden 18. und frühen 19. Jahrhundert ist der Wettstreit um den besten Antrieb im vollen Gange. Und das Auto mit Verbrennungsmotor, wie wir es heute kennen, hat zunächst schlechte Chancen. Grundlegend für die E-Mobilität ist die Entdeckung der elektromagnetischen Rotation durch den englischen Physiker Michael Faraday (1791 bis 1867). In Lokomotiven und auch Schiffen wird die neue Technologie in Elektromotoren getestet. Erfinder in Schottland und Russland treiben seit den 1830er-Jahren die Forschungen voran. Etwa zur gleichen Zeit werden auch entscheidende Fortschritte in der Batterieentwicklung gemacht. Ab 1878 beschäftigt sich der im heutigen Kroatien geborene Nikola Tesla mit der elektrischen Energieübertragung durch Zweiphasenwechselstrom, verbunden mit der Konstruktion von Elektromotoren. Als Urvater der heutigen Elektroautos gilt das 1881 vom Franzosen Gustave Trouvé gebaute Trouvé Tricycle mit modifiziertem Siemens-Motor. Diese Fahrzeug besaß die erste wiederaufladbare Batterie.

Trouvé Tricycle von 1881
Hiermit fing alles an: Das Trouvé Tricycle von 1881 gilt als erstes Elektroauto. Foto: Wikimedia Commons/Kevin Desmond

Siemens war schon in den frühen Jahren dabei

Zahlreiche weitere Versuche, den Elektroantrieb für Straßenfahrzeuge nutzbar zu machen, folgen. Hinter den einzelnen Erfindungen verbergen sich klangvolle Namen wie Siemens, aber auch heute nahezu unbekannte wie Ayrton & Perry, Jeantaud, Volk oder Riker. Das erste deutsche und zugleich vierrädrige Elektroauto, der von Andreas Flocken (1845 bis 1913) entwickelte Flocken Elektrowagen, wird 1888 vorgestellt.

Porsche entwickelt ebenfalls ein Elektroauto

Auch Ferdinand Porsche (1875 bis 1951) widmet sich zu Beginn seiner Karriere dem Elektroantrieb. Auf der Weltausstellung 1900 wird das Lohner-Porsche Elektromobilder österreichischen Lohner-Werke präsentiert, in dessen vorderen Radnaben zwei Elektromotoren sitzen. Auf diese Weise spart sich Porsche den Antriebsstrang. Daraus entwickelt er den sogenannten Mixte-Antrieb, bei dem ein Verbrennungsmotor Strom für die Batterie der Elektromotoren erzeugt – der Hybridantrieb ist geboren. Die Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) in Stuttgart springt auf den Zug auf: 1906 wird in Paris die Société Mercédès Électrique, an der die DMG einen 8,5-prozentigen Anteil hält, gegründet. Ziel ist die Produktion elektrisch betriebener Fahrzeuge nach dem „System Lohner-Porsche“ sowie von Mercédès Mixte-Modellen. 1908 wird die Gesellschaft mit dem österreichischen Ableger der DMG verschmolzen. Im selben Jahr stellt die Berliner Feuerwehr den ersten elektrisch betriebenen Automobil-Feuerlöschzug in Dienst.

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Lohner-Porsche Elektromobil von 1900
Der erste Hybrid: Das Lohner-Porsche Elektromobil von 1900. Foto: Wikimedia Commons/Public Domain

Welche Antriebsart wird sich durchsetzen?

Zunächst sieht es so aus, dass Automobile mit Elektroantrieb eine Chance haben, sich durchzusetzen. So sind zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den USA 40 Prozent der Autos mit dem ebenso leistungsfähigen wie wirtschaftlichen Dampfantrieb ausgerüstet, 38 Prozent fahren elektrisch, aber nur 22 Prozent mit Verbrennungsmotor. 1912 produzieren in den USA 20 Hersteller rund 34.000 Elektroautos, zu den bekanntesten zählt die Detroit Electric Car Company.

Der Wendepunkt: die Erdölförderung

Die ab dem Ende des 19. Jahrhunderts im industriellen Maßstab einsetzende Erdölförderung leitet jedoch bald den Niedergang der Elektroauto-Industrie ein. Aufgrund der höheren Energiedichte werden Kraftstoffe auf Rohölbasis zur bevorzugten Energiequelle, der Siegeszug des Verbrennungsmotors ist nicht mehr aufzuhalten. Außerdem entstehen flächendeckende Tankstellennetze. Die vergleichsweise teuren Elektroautos, deren Batterien mühsam aufgeladen werden müssen, haben das Nachsehen – zumal, nachdem Henry Ford (1863 bis 1947) 1913 die Fließbandproduktion einführt und damit die Herstellungskosten seiner legendären Tin Lizzy drastisch senken kann. Andere Hersteller ziehen nach. In der Folgezeit bleibt dem Elektroauto lediglich die Rolle als Nischenprodukt, zum Beispiel als Lieferfahrzeug im Stadtverkehr. Bis zu ersten ernsthaften Versuchen, wieder Elektrofahrzeuge in nennenswerten Stückzahlen herzustellen, vergehen beinahe 100 Jahre.

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