Elektromobilität

Elektroauto oder Hybrid: Diese Fakten helfen bei der Entscheidung

von Stefan Adrian

Für viele Menschen stellt sich die Frage, ob sie sich einen Elektrowagen oder ein Auto mit einem Hybridantrieb kaufen sollen. Welches Modell ist eigentlich die bessere Variante?

Eine Autobahn von oben, in beiden Richtungen sind einige Autos unterwegs. Neben der Fahrbahn sind Bäume, Felder und einige Wohnhäuser.
Die meisten Autos auf den Straßen hierzulande sind noch immer Diesel oder Benziner. Die Zahl der Hybrid- und Elektroautos steigt aber seit einigen Jahren stetig. Foto: Shutterstock / GLF Media

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum besonders Hybride in Deutschland immer beliebter werden
  • Wo liegen eigentlich die Unterschiede zwischen Hybrid- und E-Autos?
  • Wie sieht ein Vergleich von Treibstoff- und Betriebskosten von Plug-In-Hybrid und Elektroauto aus?

Studie zeigt: Mehr Hybride, weniger E-Autos

In Rahmen seiner Studie Global Automotive Consumer Study 2018 hat das Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen Deloitte weltweit Konsumenten befragt, wie sie sich ihre persönliche Zukunft auf vier Rädern vorstellen.

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Das Ergebnis: 66 Prozent der befragten Deutschen erwarten, dass auch ihr nächster Wagen ein Benziner oder Diesel sein wird. Im Gegensatz zur gleichen Studie im Vorjahr sank der Vergleichswert um 6 Pro8zentpunkte (2017 waren es noch 72 Prozent).

Dem gegenüber ist der Wille der Befragten, auf einen Wagen mit Hybridantrieb umzusteigen, von 19 auf 23 Prozent gestiegen. Reine Elektroautos kommen auf sieben Prozent. Immerhin: Erstmals laufen sie in einer eigenen Kategorie – 2017 waren sie noch mit anderen alternativen Antriebsformen zusammen genannt.

Elektro oder Hybrid: Wo liegen die Unterschiede?

Elektromobilität führt also noch ein Schattendasein, holt aber weiterhin stetig auf. Vor allem die Vor- und Nachteile eines Elektroautos stehen hier im Vordergrund.

Wenig überraschend nannten die meisten Befragten dabei als Gründe, die gegen einen Umstieg auf einen Wagen mit Elektromotor sprechen, dessen mangelnde Reichweite (35 Prozent).

Im Umkehrschluss lässt sich so wohl auch der höhere Zuspruch für einen Hybriden gegenüber einem E-Auto erklären: Ein Hybrid verringert die immer weniger begründete, aber verständliche Angst der Fahrer, auf der Autobahn stehen zu bleiben.

Hybrid und Plug-In-Hybrid

Ein "normaler" Hybrid lässt sich nicht an einer externen Stromquelle aufladen, im Elektromodus schafft er nur kurze Stecken. Plug-in-Hybriden können an einer externen Quelle geladen werden und schaffen auf elektrischer Basis bis zu 50 Kilometer. In der Regel nutzen sie die Lithium-Ionen-Technik, was sie teurer macht als gewöhnliche Hybriden.

Warum überhaupt ein Auto mit Elektromotor?

Die Gründe, aus denen sich die Befragten einen Plug-In-Hybriden oder ein E-Fahrzeug kaufen wollen, variieren zwischen Umweltschutz und Kosten-Nutzen-Rechnung:

  • 27 Prozent sehen die Umweltverträglichkeit des emissionsfreien Fahrens als Kaufargument für ein E-Auto
  • Für 31 Prozent stehen Gründe der Wirtschaftlichkeit im Vordergrund – also geringere Betriebskosten für Treibstoff und Wartung
  • 22 Prozent, also jeder Fünfte, führt hingegen die hohen Anschaffungskosten an, die gegen einen Elektro- oder Hybridwagen sprechen

Nicht zuletzt wegen der hohen Anschaffungskosten hat der Staat eingegriffen:

  • Hierzulande fördert er den Kauf eines Elektroautos mit 4000, die Anschaffung eines Plug-In-Hybriden mit 3000 Euro
  • Steuervergünstigungen, Kaufprämien und evtl. Versicherung mit Öko-Bonus senken den Kaufpreis der beiden Fahrzeugtypen zusätzlich
Der Motor eines Elektroautos.
Bessere Umweltverträglichkeit und geringere Betriebskosten im Vergleich zum Verbrenner: Immer mehr Menschen greifen zum Auto mit Elektromotor. Foto: Shutterstock / Alison Hancock

Hybrid und E-Auto: Ein Vergleich in Zahlen

Jeder deutsche Autofahrer fährt durchschnittlich etwa 40 Kilometer pro Tag – in der Stadt weniger, auf dem Land mehr. 100 Kilometer in einem E-Auto kosten den Verbraucher heute im Schnitt etwa vier Euro, während immer bessere Batterien realistische Reichweiten von mehr als 300 Kilometer (in der Theorie wird gerne von 500 gesprochen) erlauben.

Wer also mit dem Gedanken spielt, auf Elektroauto oder Hybridfahrzeug umzusteigen, sollte sich fragen, wofür er seinen Wagen braucht:

  • Holen Sie zweimal pro Tag die Kinder aus dem Kindergarten? Dann ist die Reichweite kein Problem – ein E-Auto ist ideal
  • Oder sind Sie als Vertreter beruflich 10.000 Kilometer im Monat auf der Autobahn unterwegs? Dann ist Reichweite einer der wichtigsten Faktoren – und der Plug-In-Hybrid ist die bessere Wahl

Unerlässlich ist dabei, Vergleichslisten zu studieren, wie sie etwa der ADAC herausbringt. Mit ihr lässt sich herausfinden, wie teuer ein E-Auto oder ein Plug-In-Hybrid durchschnittlich pro Kilometer ist:

  • Der günstigste Tesla, das Model S 75D, ist ab etwas mehr als 70.000 Euro zu haben. Bei einer Leistung von 30.000 Kilometer pro Jahr ergeben sich Kosten von ca. 63,3 Cent/Kilometer
  • Der smart fortwo coupé electric drive wiederum kommt bei einem Anschaffungswert von ca. 22.000 Euro bei 30.000 Kilometern Jahresvolumen auf knapp 22 Cent/Kilometer, während er bei 10.000 Kilometern bei knapp 45 Cent/Kilometer anschlägt
  • Ein Opel Ampera-E kommt auf einen Anschaffungswert von ca. 40.000 Euro, bei 10.000 gefahrenen Kilometern im Jahr belaufen sich die Kosten auf ca. 72 Cent/Kilometer, bei 30.000 Kilometern auf 36 Cent/Kilometer

Plug-In-Hybrid: Vorsicht vor geschönten Herstellerangaben

Um hier gut vergleichen zu können, sollte man natürlich Leistung, Platz und Größe der Wagen vergleichen. Vor allem beim Plug-In-Hybriden sollte man zusätzlich berücksichtigen, dass sich viele Angaben auf die NEFZ-Angaben (Neuer Europäischer Fahrzyklus) der Hersteller beziehen.

Diese würden, wie der ADAC in einem Test Anfang 2018 schreibt, "aufgrund des Messverfahrens zu extrem niedrigen, in der Praxis üblicherweise nicht zu erreichenden Angaben für Kraftstoff- bzw. Stromverbrauch führen", was wenig Aufschluss über den alltäglichen Kraftstoff- und Stromverbrauch geben würde.

"Ob ein Plug-In-Hybrid wirklich von Vorteil ist und welche Verbräuche sich in der Praxis ergeben, hängt stark vom Nutzungsprofil ab, weit mehr als bei den klassischen Antriebskonzepten", so der Autoclub weiter. "In der Praxis können somit die Kosten vor allem bei Plug-In-Hybriden deutlich höher ausfallen."

Aus diesem Grund wird der NEFZ von dem neuen, realistischeren Prüfzyklus WLTP (Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure) abgelöst.

Fazit: Wer soll es nun sein – Hybrid oder E-Auto?

Das hängt vom eigenen Fahrverhalten ab:

Wer viel Reichweite benötigt – und gerne einen Verbrennungsmotor als Reserve an Bord hat, der setzt auf einen Plug-In-Hybriden. Er vereint viele Vorteile des E-Autos mit einer gewissen Ersatz-Reichweite.

Wer hingegen nur in der Stadt – und auf kurzen Strecken – unterwegs ist, für den ist ein Elektroauto die ideale Wahl. Die Umweltprämie ist hier höher und die Betriebskosten sinken noch weiter als beim Hybrid – denn das Elektroauto verzichtet komplett auf den Verbrennungsmotor.

Was die Verkaufszahlen angeht, hat momentan das Elektroauto die Nase vorn:

Updates

Bleiben Sie zum Thema Elektromobilität immer informiert.

Noch im Januar 2018 kam die Summe der Neuzulassungen von Plug-In-Hybriden in Deutschland auf 2847 Stück (Marktanteil 1,07%), während die der Elektroautos nur 2731 Stück (Marktanteil 1,03%) betrug.

Seit März 2018 aber ist das reine Elektroauto mit einer Anzahl von 3792 Neuzulassungen (Marktanteil 1,09%) rasant an den Plug-in-Hybriden (1727 Stück oder Marktanteil von 0,87%) vorbei gezogen.

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