Elektromobilität

Elektroauto laden: Zurechtfinden im hiesigen Ladetarif-Dschungel

von Sabrina Lieb

Ein Typ-2-Stecker mit 20 A, 250 V.
Stecker einstöpseln und laden? So einfach ist das unterwegs nicht. Denn unterschiedlichste Abrechnungs- und Bezahl-Methoden lassen viele Nutzer ratlos zurück. Foto: Shutterstock/DavidSch

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum beim Laden unterwegs besonders die Uneinheitlichkeit Probleme macht
  • E-Tarife unterwegs: Wo der Strom am günstigsten ist
  • Wie Roaming-Lösungen das Lade-Chaos beseitigen könnten
  • Warum eine Lade-Flatrate ebenfalls eine Lösung wäre
  • Weshalb ein einheitliches Netz eine entscheidende Rolle spielt

Ladetarife für Elektroautos: Wir geben einen Überblick über die wichtigsten Anbieter und E-Tarife – und einen Einblick in Lösungsansätze gegen das Ladechaos.

Elektroauto unterwegs laden: Das Problem mit der Einheitlichkeit

Wer mit seinem Elektroauto verreisen oder längere Strecken zurücklegen möchte, steht immer wieder vor der gleichen Herausforderung: Im Gegensatz zum gewöhnlichen Tankstopp an der Benzin-Säule bleibt E-Auto-Fahrern meist nichts anderes übrig, als ihre Routen genaue zu planen.

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Das Netz an Ladestationen wird immer dichter – laut dem Bundesverband für Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zählt Deutschland fast 11.000 zugängliche Ladepunkte.

  • Spitzenreiter ist Hamburg mit 774 Ladepunkten
  • Platz zwei belegt Berlin mit 628 Ladepunkten
  • Auf dem dritten Platz liegt Stuttgart mit 402 Ladepunkten

Unklarheiten herrschen hingegen noch immer bei den Fragen, zu welchen Konditionen und womit sich Elektroautos unterwegs am besten aufladen lassen. Denn wessen Elektroauto unterwegs der Saft ausgeht, verliert im Dschungel verschiedener Abrechnungssysteme, Stromtarife und Zugangssystemen schnell den Überblick:

  • Rechnet die Station nach Kilowattstunden, Minuten oder mit zusätzlicher Grundgebühr ab?
  • Läuft die Bezahlung per App, Kreditkarte oder eine der unzähligen unterschiedlichen Ladekarten?

Die Kosten für die Abrechnung nach Kilowattstunden beziehen sich dabei auf die abgerufenen Energiemenge. Die Dauer des Ladevorgangs wird dabei nicht berücksichtigt.

Eine Abrechnung nach Minuten hingegen richtet sich ausschließlich nach der Ladezeit, selbst dann, wenn die Kapazität des Ladepunktes nicht voll genutzt wird. Diese Art der Abrechnung kommt häufig an stark frequentierten Ladestationen vor.

Der Anbieter will schließlich so viel Strom pro Stunde wie möglich verkaufen, damit sich auf diese Weise die Kosten für die teuer eingerichtete Ladekapazität schnell amortisiert.

Viele Anbieter berechnen einen Basispreis, selbst dann, wenn Sie den Ladevorgang nach einigen Minuten beenden – so stellt er sicher, dass anfallende Verwaltungsgebühren beglichen werden. Wie hoch der Preis ist, ist von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich

Das Laden unterwegs ist derzeit von einheitlichen Tarifen und übersichtlichen Lademöglichkeiten noch weit entfernt. Einige Anbieter wollen die Elektromobilität deshalb jetzt übersichtlicher gestalten.

Ein Elektroauto, das an einer öffentlichen Ladestation geladen wird.
Abrechnung nach Kilowattstunden oder Minuten, bezahlen mit einer App oder einer speziellen Ladekarte? E-Tarife an öffentlichen Ladestationen sind noch immer sehr uneinheitlich. Foto: Shutterstock/Matej Kastelic

E-Tarife im Vergleich: Unterwegs ist Strom teurer als zuhause

Ein ernüchterndes Ergebnis zur fehlenden Praktikabilität von Ladeabrechnungen lieferte vergangenes Jahr eine Marktforschung aus dem Hause Statista, die im Auftrag des Ökostromanbieters LichtBlick durchgeführt wurde.

Beim ersten großen Ladesäulen-Check Deutschlands wurden vier Fünftel aller öffentlichen Ladesäulen begutachtet. Selbst die Experten brauchten mehrere Tage Zeit, um die Ladetarife und Preise der Betreiber zu vergleichen. Berechnungsgrundlage waren dabei die Kosten pro Kilowattstunde, bei der ausschließlich Tarife ohne vertragliche Bindung berücksichtigt wurden.

Das Fazit der Untersuchung: Für Elektroautofahrer ist das Stromtanken an öffentlichen Ladesäulen kompliziert und häufig noch zu teuer. Zu Spitzenzeiten zahlen sie für eine Reichweite von hundert Kilometern inklusive einmaliger Gebühr bis zu 25 Euro.

Bei acht der elf untersuchten Ladesäulen-Betreiber ist zudem kein spontanes Laden ohne vorherige Anmeldung möglich. Die meisten Betreiber von Ladesäulen rechnen dabei nicht nach Verbrauch sondern nach Ladezeit ab.

Dabei ergeben sich pro Kilowattstunde deutlich höhere Preise als für Haushaltsstrom:

  • Beim größten deutschen Ladesäulenbetreiber Innogy, der Stromtankstellen vor allem im Rhein-Ruhr-Gebiet betreibt, kostet die Kilowattstunde rund 67 Cent
  • Der Stromversorger EWE nimmt für die Kilowattstunde 53 Cent
  • Die Stadtwerke München berechnen 47 Cent pro kWh
  • Ladestrom bei Allego/The New Motion in Berlin kostet 32 Cent pro kWh
  • Beim Laden an Säulen von EnBW im Raum Stuttgart kommt die Kilowattstunde auf rund 32 Cent. Zudem fällt hier eine einmalige Registrierungsgebühr von 20 Euro an

Zum Vergleich: Haushaltsstrom liegt durchschnittlich bei 29 Cent je Kilowattstunde.

Bei den Stadtwerken Leipzig, den Stadtwerken Düsseldorf sowie der RheinEnergie können Elektroautofahrer hingegen kostenlos Strom tanken. Vermutlich, weil sich für diese Betreiber eine Abrechnung aufgrund der wenigen Tankvorgänge noch nicht lohnt.

Fazit zu E-Tarifen: Wer mit dem E-Auto Kosten sparen will, der lädt idealerweise zuhause – und vermeidet das Laden an öffentlichen Ladestationen. Ausnahmen bilden derzeit noch einige Stadtwerke.

Eine Frauenhand steckt einen Stecker einer Ladestation in den Anschluss am Elektroauto.
Wie teuer ist eigentlich das Vollladen an der Ladestation? Die unterschiedlichen Anbieter haben verschiedenste Preise – die teilweise sehr stark variieren. Foto: Shutterstock/Dmytro Zinkevych

Roaming-Lösungen für Elektroautos könnten eine Lösung sein

Wer sein Elektroauto unterwegs auftanken will, findet viele Insellösungen. Allerdings gibt es allmählich einen Lichtblick im Dschungel der Ladetarife. Denn hier wandert der Trend zunehmend in eine Richtung, die sich bereits vor Jahrzehnten am Mobilfunkmarkt abgezeichnet hat.

Bei den Roaming-Lösungen sorgen Vertragspartner dafür, dass die Verbraucher an möglichst vielen Ladepunkten zu einheitlichen Zugangsvoraussetzungen Strom tanken und Strompreise vergleichen können. So können Fahrer von Elektroautos nicht nur die Ladeinfrastruktur des eigenen Netzwerks nutzen, sondern erhalten auch Zugang zu den Ladesäulen der Roaming-Partner.

Bei welcher Ladestation man am Ende tatsächlich laden kann, hängt immer vom jeweiligen Anbieter und Tarif ab. Die Netzwerke umfassen mittlerweile mehr als einige Zehntausend Ladepunkte europaweit. Dabei erscheint die E-Roaming-Möglichkeit derzeit die praktikabelste aller Lademöglichkeiten für Elektroautos zu sein.

Hubject: Eine App bündelt Ladestationen unterschiedlichster Anbieter

Eine der bekanntesten Plattformen ist dabei Hubject mit der Marke Intercharge. Die App (iOS oder Android) verbindet mehrere Anbieter von Ladestationen – und vereinfacht so den Zugang landesweit.

Außerdem verspricht die Plattform Preistransparenz. Hierfür listen die jeweiligen Partner ihre Strompreise an den jeweiligen Stationen online auf – und geben einen erwarteten Preis für die persönliche Ladung an.

Zusätzlich lassen sich Informationen zur Adresse, den verfügbaren Steckertypen, der akzeptierten Freischaltmethode sowie dem Status der Ladestation in Echtzeit online abrufen – also frei, belegt oder defekt.

Carsharing-Flottenbetreiber hingegen können darüber hinaus jederzeit einsehen, welches ihrer Autos an welcher Station und zu welchem Preis geladen wurde.

Fazit zu Roaming-Lösungen: Unterschiedliche Betreiber auf einer Plattform zu bündeln scheint eine einfache Lösung zu sein, um das Lade-Chaos zügig in den Griff zu bekommen. Und mit dem Smartphone als Schaltzentrale ist die Methode besonders für die jüngeren Generationen spannend.

Eine andere Lösung könnte die Lade-Flatrate bieten

Ein neuer Ladetarif kommt jüngst aus dem Hause E.ON. Der Energieversorger rechnet die Nutzung seines Elektroauto-Ladenetzes künftig über ein Festpreismodell – eine Art Ladeflatrate – ab.

Elektroauto-Fahrer, die sich für das Angebot E.ON Drive Easy entscheiden, zahlen mit der hauseigenen Ladekarte oder -App an angeschlossenen Normalladepunkten und Schnellladesäulen immer einen Pauschalpreis je Ladevorgang – ganz unabhängig davon, wie lange sie laden oder wie viel Energiemenge sie beziehen:

  • Kosten für Ladekarte bzw. Lade-App: 4,95 Euro im Monat
  • Kosten für Normalladung (AC): 5,95 Euro
  • Koten für Schnellladevorgänge (DC): 8,95 Euro

Wer bereits Bestandskunde bei E.ON ist, kann auf das neue Abrechnungsmodell wechseln. Damit Ladepunkte nicht dauerbelegt werden, setzt E.ON Drive auf eine angemessene Nutzung der Ladeinfrastruktur.

Die sogenannte „Fair Use Policy“ beschränkt die Parkdauer an den Normalladepunkten. Nachts wird die Begrenzung ausgesetzt. Bei den DC-Ladepunkten hingegen gilt ganztägig eine Maximalparkdauer von einer Stunde.

Mit seinem neuen Abrechnungsmodell nach Ladepauschalen reagiert der Strom- und Gasanbieter auf die gesetzlichen Anforderungen in Deutschland, die eine Eichung aller gewerblich genutzten Messeinrichtungen, darunter auch dem öffentlichen Elektroauto-Ladenetz, fordert.

„Derzeit gibt es auf dem Markt keine Lösung, die eine komplett geeichte Abrechnung nach Kilowattstunden und Ladezeit auch im Roaming erlaubt. Mit dem Festpreismodell können wir vor allem unseren kommunalen und Geschäftskunden bereits heute eine kundenfreundliche und zu 100 Prozent eichrechtskonforme Lösung anbieten“, so Andreas Pfeiffer, der für das E-Mobilitäts-Geschäft von E.ON verantwortlich ist.

Fazit zur Lade-Flatrate: In Zeiten, in denen wir Musik, Serie und Filme größtenteils via Stream als Flatrate konsumieren, scheint die Lösung von E.ON ideal. Bevor Sie sich aber für ein solches Festpreismodell entscheiden, sollten Sie überprüfen, wie oft Sie überhaupt an öffentlichen Ladestationen laden.

Wie oft laden Sie Ihr E-Auto eigentlich unterwegs?

Bei der Auswahl des richtigen Ladesäulen-Anbieters spielt das eigene Ladeverhalten eine ausschlaggebende Rolle. Die Zahlen der verschiedenen Ladetypen sind statistische Durchschnittswerte.

Der Notfalllader

Sofern Sie Ihr Elektroauto meistens an der heimischen Ladestation aufladen und unterwegs allenfalls im Notfall laden, beträgt ihre Durchschnittsmenge an einer öffentlichen Ladestation ca. 20kWh pro Monat. Das entspricht etwa einer Vollladung.

Der Gelegenheitslader

Wenn Sie mit dem Elektroauto viel unterwegs sind und Ihr Auto regelmäßig öffentlich aufladen, beträgt Ihre Durchschnittsmenge an einer öffentlichen Ladestation ca. 50 kWh pro Monat. Das entspricht etwa 2,5 Vollladungen im Monat.

Der Viellader

Sie sind beruflich mit ihrem Elektroauto regelmäßig auf Dienstreise und sind auf das Laden an öffentlichen Ladesäulen angewiesen. Sie laden Ihr Elektroauto im Durchschnitt fünf Mal im Monat öffentlich auf und beziehen monatlich rund 100 kWh an öffentlichen Stromtankstellen.

Ein einheitliches Netz an Schnellladesäulen – in Zusammenarbeit mit Autobauern

Den aktuellsten Startschuss auf dem Weg zu einer vereinheitlichten Ladeinfrastruktur kommt jüngst aus dem Hause Ionity. Das im vergangenen Jahr gegründete Joint Venture der deutschen Automobilindustrie hat den Aufbau eines europaweiten Schnellladenetzes für Elektroautos zum Ziel und erst vor wenigen Tagen seine erste Schnellladesäule errichtet.

In Rheinland-Pfalz an der A61 an der Raststätte Brohltal-Ost können Elektroautofahrer nun einen Monat lang kostenfrei Strom tanken. Bis 2020 will Ionity rund 400 sogenannte High Power Charging (HPC) Schnelllader entlang der europäischen Hauptverkehrsachsen errichten.

Mit einer Leistung von bis zu 350 kWh liefern diese Stromtankstellen die bislang kürzeste Ladezeit und ermöglichen Elektroautofahrern komfortables Reisen auf Langstrecken.

Übrigens: Wie schnell ein Elektroauto lädt, das hängt von mehreren Faktoren ab. Die Ladezeit lässt sich bis zu 80 Prozent ganz simpel berechnen.

Neue öffentliche Ladesäulen müssen allgemein zugänglich sein

Spätestens seit der EU-Richtlinie 2014/94/EU zum Aufbau einer Infrastruktur für alternative Kraftstoffe, wurde die Authentifizierung und Bezahlung von Ladevorgängen für Elektroautos nutzerfreundlicher gemacht.

Die landesweiten Bestrebungen, E-Mobilität in Deutschland zu fördern, schlagen sich dabei in der Ladesäulenverordnung II nieder. Damit wird es für die Fahrer von Elektroautos immer sekundärer, ob und mit welchem Mobilitätsanbieter sie einen Vertrag eingehen.

Spontanes Nachladen an jeder Ladetankstelle im öffentlichen Raum wird in Zukunft problemlos möglich. Denn: Mit der Verordnung hat jeder Betreiber einer neuinstallierten und öffentlich nutzbaren Ladesäule die Pflicht, das zeitweise Aufladen zu ermöglichen, ohne dass der Fahrer einen langfristigen Ladevertrag abschließen muss.

Diese neue Regelung gilt für Ladesäulen, die ab dem 14. Dezember 2017 errichtet werden. Für Ladesäulen, die vor diesem Stichtag errichtet wurden und die nicht von heute auf morgen umgerüstet werden können, gilt ein entsprechender Bestandsschutz.

Mittlerweile gibt es 64.000 öffentlichen Ladestationen in ganz Europa. Eine gute Übersicht hierzu gibt es beispielsweise via my.newmotion.com. Das größte Ladenetz in Europa stellt Kunden eine Ladekarte und App bereit.

Damit lässt sich das Elektroauto in Deutschland, Belgien, Großbritannien, Frankreich oder auch den Niederlanden laden. Sowohl via App als auch auf der Webseite des Unternehmens können Fahrer von Elektroautos die aktuellen Ladekosten einsehen.

Wie sich Elektroautos von Ladestationen unabhängig machen können, das zeigen derzeit Projekte in China und einigen europäischen Ländern.

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