Leben

Elektroauto gegen Parkbank – wem gehört der Raum?

von Jens Lehmann

Die Fahrer von Elektroautos klagen häufig über zugeparkte Ladestationen. Doch wer entscheidet eigentlich darüber, wie der öffentliche Raum genutzt wird? Und was können E-Auto-Fahrer konkret tun, wenn sie am Laden gehindert werden?

Elektroauto gegen Parkbank – wem gehört der Raum?
Schön, aber selten: So viele freie Plätze an den Ladestationen haben Besitzer von Elektroautos normalerweise nicht so oft. Foto: Shutterstock/Scharfsinn

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum die Förderung von Elektromobilität Vorrang hat
  • Jede Ladestation muss als Sondernutzung genehmigt werden
  • Die meisten Städte schleppen Falschparker konsequent ab

Viele Autofahrer ignorieren das Parkverbot

Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit dem Auto an die Tankstelle, doch alle Zapfsäulen sind von abgestellten Autos blockiert. Einfach zugeparkt, Tanken ausgeschlossen! Was unmöglich klingt, erleben Fahrer von Elektroautos sehr häufig: Die Ladesäulen werden von Autos mit Verbrennungsmotor blockiert, die das Parkverbot ignorieren.

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Daraus ergeben sich zwei Fragen. Erstens die praktische: Was tun, wenn der Akku fast leer, aber die Ladesäule belegt ist? Und zweitens die gesellschaftliche: Wer entscheidet eigentlich darüber, wem der öffentliche Raum gehört? Und wer darüber, ob an dieser Stelle eine Ladestation für das Elektroauto hinkommen soll oder lieber eine Parkbank?

Wenn es nach der Bundesregierung geht, sind Ladestationen wichtiger als Parkbänke.

Fangen wir mit der gesellschaftlichen Frage an. Mit dem Ziel, die Treibhausgase bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren, hat die Bundesregierung der Energiewende hohe Priorität eingeräumt – und darunter fällt auch die Förderung der Elektromobilität. Deshalb fördert das Bundesverkehrsministerium bereits seit 2009 den Aufbau von Elektromobilität in Modellregionen. Kurzum: Wenn es nach der Bundesregierung geht, sind Ladestationen wichtiger als Parkbänke.

Der Weg für Stromanbieter ist lang

Was die einzelnen Kommunen daraus machen, ist ein ziemlich komplizierter Verwaltungsakt. Wer als Stromanbieter eine Ladesäule aufstellen will, muss einen Antrag auf straßenrechtliche Sondernutzung stellen. Die Kommune entscheidet dann anhand eines dicken Katalogs an zu berücksichtigen Kriterien, zum Beispiel die Integration ins Stadtbild. Der ganze Prozess ist sehr lang: Das "Starterset Elektromobilität", das Kommunen beim Aufbau der Infrastruktur für Elektromobilität unterstützen soll, listet acht Schritte für den Genehmigungsprozess auf - von der (optionalen) Bürgerbeteiligung bis zum Start des Regelbetriebs. Bis also wirklich irgendwo eine Ladestation steht, haben sich sehr viele Menschen damit beschäftigt.

Hier wird abgeschleppt!

Und jetzt zur praktischen Frage: Was mache ich als Besitzer eines Elektroautos, wenn die Ladestation von einem Verbrenner blockiert ist? Ganz einfach: Polizei rufen und den Falschparker abschleppen lassen. Nachdem Blockierer von Ladesäulen anfangs noch gnädig behandelt wurden und nur mit einem einfachen Ticket über zehn Euro rechnen mussten, greifen die meisten Städte und Gemeinden inzwischen durch. Sie schleppen Falschparker ganz einfach ab.

Das gilt übrigens auch für Elektroautos, die an der Ladestation parken, aber keinen Strom tanken. Auch für sie gilt absolutes Parkverbot an den Stromsäulen. Denn die Stromtankstellen sind ausschließlich für Elektroautos reserviert, die gerade tanken. Wenn der Akku geladen ist, müssen auch Stromer-Fahrer den Platz für das nächste E-Fahrzeug frei machen.

Kostenloser Strom am Flughafen Frankfurt

Das Urteil und das zunehmend rigorose Vorgehen der Kommunen gehen Ladesäulen-Zuparker ist eine echte Verbesserung für alle, die mit einem Elektroauto unterwegs sind. Hinzu kommt, dass Städte und Gemeinden stetig aufrüsten und immer mehr Ladesäulen einrichten. Mittlerweile gibt es bundesweit mehr als 50.000 Ladestationen mit gut 150.000 Stromanschlüssen.

Weiterer Vorteil für Elektroautos: Wer einen Stromer mit dem neuen E-Kennzeichen fährt, genießt speziell in Großstädten eine ganze Reihe von Vorteilen:

  • In Hamburg stehen Elektroautos an allen Parkscheinautomaten bis zur jeweiligen maximalen Parkdauer kostenlos
  • Fahrer von Autos mit E-Kennzeichen zahlen in Stuttgart auf gebührenpflichtigen Parkplätzen der Stadt keinen Cent Parkgebühr
  • Dortmund hat die Busspuren in der Stadt für Elektroautos freigegeben. So rollen Stromer locker am Feierabend-Stau vorbei
  • Am Flughafen Frankfurt können Fahrer von Elektroautos kostenlos Strom zapfen und parken, falls sie eine Flugreise gebucht haben

Keine einheitlichen Vorteile fürs Elektroauto

Die Vorteile für Elektroautos sind möglich, weil das Elektromobilitätsgesetz von 2015 (EmoG) den Städten weitgehend freie Hand lässt, ob und wie sie Elektroautos fördern und welche Privilegien sie Stromern einräumen. Problem dabei: Es gibt keine einheitliche Regelung für jedes Bundesland oder gar für ganz Deutschland. Darum der dringende Rat für alle Stromer-Fahrer: Bei Fahrten in andere Städte immer vorab über die jeweiligen Vorteile für Elektroautos informieren. Was in München erlaubt ist, kann in anderen Städten zu einem Bußgeld führen, weil das E-Auto womöglich im Parkverbot stand, das auch für Stromer gilt.

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