Elektromobilität

Elektroauto-Eigenbau: Jana Höffner und ihr VW T3

von
Daniela Pemöller

Jana Höffner will nicht warten, bis ein E-Bulli auf den Markt kommt. Sie macht aus ihrem VW T3 selber ein Elektroauto – ein Projekt mit Höhen und Tiefen.

Ein weißer VW T3 wartet auf einem Anhänger auf seine Abholung.
Noch ganz der alte: Janas VW T3 vor der Elektro-Behandlung. Foto: Jana Höffner

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie Jana Höffner einen alten VW T3 umrüstet
  • Warum der Elektroauto-Umbau so kompliziert ist
  • Welcher Plan am Ende wirklich funktioniert hat

Die 39-jährige Jana Höffner ist Expertin für Elektromobilität. Nicht hauptberuflich. Da arbeitet die gelernte Radio- und Fernsehtechnikerin und studierte Publizistin in Stuttgart im Staatsministerium als Leiterin Referat "Online Kommunikation, Internet".

Der neue Audi e-tron

Jetzt Ihren elektrischen SUV zusammenstellen

Konfiguration starten

audi.de/DAT-Hinweis

Aber in ihrer Freizeit interessiert sich Jana für Elektromobilität. Seit 2012 schreibt sie über ihre Erfahrungen mit diversen Modellen in ihrem Blog ZoePionierin.de. Außerdem ist sie zweite Vorsitzende des Vereins "Electrify-BW".

2017 entscheidet sich Jana Höffner für etwas ganz Neues. Sie kauft sich einen Oldtimer, einen VW T3 von 1982. Nicht, weil sie den Glauben an die Elektromobilität verloren hat. Im Gegenteil: Verloren hat sie eher die Geduld mit den Wohnmobil-Herstellern.

Jana Höffner will nämlich gern campen. "Doch wer einmal elektrisch gefahren ist, der kann sich nicht einfach wieder in einen Verbrenner setzen. Das ist, als würde man auf einmal ins letzte Jahrhundert steigen", sagt sie.

Der alte T3 mit geöffneten Türen.
Alles muss raus: Für den Umbau hat Jana nahezu alle beweglichen Teile des T3 entfernt. Foto: Jana Höffner

Elektroauto-Eigenbau: Das sind die Vorgaben

Doch da es offenbar noch einige Jahre dauert, bis der erste E-Bulli auf den Straßen rollt, nimmt Jana Höffner das Projekt einfach selbst in die Hand. Mittels Crowdfunding will sie ihren neuen alten VW Bus in einen modernen E-Camper verwandeln. Dafür setzt sie klare Rahmenbedingungen:

  • der Bus soll eine Westfalia- oder vergleichbare Ausstattung haben. Also Bett, Schränke, Kühlschrank, Gasherd und Standheizung
  • das Cockpit soll ein bisschen Science-Fiction in die alte Mühle bringen.
  • Der Motor soll den Bus auf 120 Stundenkilometer beschleunigen und genug Kraft haben, um auch mal einen Anhänger zu ziehen.
  • Der Camper muss mindestens 200 Kilometer am Stück schaffen und sowohl mit 11 Kilowatt Wechselstrom als auch CCS (Combined Charging System) schnellladen können

Denn was bringt ihr ein Elektrocamper, bei dem nach 70 Kilometern die Batterien schlapp machen und es dann zehn Stunden dauert, sie wieder aufzuladen? Jana, die in Mainz aufgewachsen ist, sagt trocken: "Ich habe ja schließlich auch nur 30 Tage Jahresurlaub." Die Kosten für ihr Projekt schätzt sie auf 30.000 bis 40.000 Euro.

Das alles klingt, na sagen wir, ambitioniert. Schließlich hat bis dato noch kein großer Hersteller ein E-Wohnmobil mit diesen Rahmenbedingungen auf den Markt geworfen.

Doch Jana Höffner plante noch Größeres: "Ich möchte am Ende eine kostenlose Anleitung zum Umbau für jedermann ins Netz stellen. Um Nachahmer zu motivieren. Damit jeder Bürger sein Auto umbauen kann – mit Teilen, die es überall zu kaufen gibt."

Die Basis für den Umbau: Ein VW T3 für 4700 Euro

Es dauert nicht lange, bis Jana einen echten Schnapper ergattert: ihr VW T3 hatte einen Motorbrand und kostet daher nur 4700 Euro. Zunächst muss sie ihr gutes Stück restaurieren. "Mit einem Hammer sind wir um den Bus gelaufen und haben ein Loch nach dem anderen gehauen. Aber wenigstens der Rahmen war in Ordnung."

Monatelang schweißt sie zusammen mit Freunden an den Roststellen, entfernt den 50-PS-Benzinmotor und verpasst dem Bulli einen frischen Teint. Rund 10.000 Euro muss sie für die Restauration berappen. Das Crowdfunding läuft leider nicht so wie erhofft. Jana bekommt die angepeilten 40.000 Euro nicht zusammen und muss nun auf ihr Erspartes zurückgreifen.

Im August rollt ihr Bulli wie neu im rot-weißen Look aus der Schrauberhalle. Einen Namen hat sie für ihren Bus zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Doch das Nummernschild ist bereits reserviert: S-NC 1031 E. Eine Hommage an das Raumschiff "Discovery" der Sternenflotte aus der Serie Star Trek.

Nun geht die Arbeit erst richtig los. Jana recherchiert, wer schon mal einen VW T3 umgerüstet hat. Und siehe da, sie ist nicht die erste auf diesem Gebiet. "In der Schweiz gibt es Firmen wie Designwerk und Brusa, die funktionsfähige Komponenten anbieten. Da kostet das Umrüsten dann aber 100.000 Euro."

Jana Höffner überlegt: Was passiert mit dem Getriebe?

Jana Höffner muss einen richtigen, aber auch bezahlbaren Antrieb finden. Doch welches der folgenden beiden Konzept ist das passende?

  • "Zuerst haben wir überlegt, das Getriebe drin zu lassen und den Elektromotor auf das Getriebe zu packen. Aber dann muss man mit dem Drehmoment aufpassen, dass es einem nicht das Getriebe zerlegt."
  • "Oder wir nehmen das Getriebe raus und setzen den Antriebsstrang auf die Antriebswelle wie bei den herkömmlichen Elektroautos. Das spart Gewicht, und ich bekomme Platz für Batterien. Außerdem ist mein Auto weniger reparaturanfällig."

Jana entscheidet sich für die zweite Lösung. Den Kühler lässt sie aber sicherheitshalber noch mal drin. Sie macht sich auf die Suche nach Kooperationen mit Zulieferern. Continental oder Bosch haben zum Beispiel solche E-Achsen in ihrem Sortiment. Es folgt ein reger Austausch an Mails und Telefonaten mit diversen Firmen.

Erster Ansprechpartner ist Bosch. Schließlich verfügen die über alle nötigen Komponente. Doch nach einem halben Jahr kommt die finale Absage. Jana: "Bosch lehnt eine Zusammenarbeit aus Haftungsgründen ab. Sie wollen ihr Sortiment nicht Privatpersonen zugänglich machen. Sie liefern ausschließlich an große Hersteller."

Trotz der Hindernisse und dem ganzen Geld, das mittlerweile in dem Projekt steckt, will die Stuttgarterin nicht aufgeben: "Es gibt kein Zurück mehr. Schließlich haben wir den Tankdeckel zugeschweißt."

Sie recherchiert auch auf dem chinesischen Markt. Besonders bezüglich der Batterien. 500 Euro kostet die Kilowattstunde im Internet. 50kW h braucht sie, wenn sie mit ihrem Bus 200 Kilometer Reichweite haben will. "Das wären 25.000 Euro nur für die Batterie", sagt Jana. Sie spekuliert auf stark fallende Preise in diesem Segment: "Fünf Prozent gehen da in einem halben Jahr noch runter."

Plan B des Elektroauto-Umbaus

Um voran zu kommen, startet Jana Höffner Plan B und kauft im Sommer 2018 den Motor eines verunfallten Tesla Model S P90D (Baujahr 2017) für günstige 2700 Euro in Litauen. Im August beauftragt sie einen Schlosser, die Aufhängung für den Motor zu bauen: "Das ist nicht ganz einfach, denn so etwas wurde ja noch nie gemacht."

Spätestens im Januar 2019, zwei Jahre nach Projektbeginn, will Jana den Bulli per Hänger nach Bristol in Großbritannien bringen. Dort sitzt die Firma "Zero EV", ein Spezialist für den Umbau von Tesla-Komponenten in Elektroumbauten. "Die Engländer sollen dem VW T3 die Batterien und die richtige Verkabelung verpassen." Beides stammt natürlich aus einem Tesla.

"Das ist praktisch, denn so handelt es sich um Serienteile, die bereits EMV geprüft sind und somit eine Straßenzulassung haben", erklärt Jana. "Die Batterie-Module des Teslas sind sehr flexibel, können also individuell arrangiert werden und bieten so die gewünschte Kapazität." Auf 30.000 Pfund (33.600 Euro) schätzt sie den Umbau. Bevor Großbritannien im März 2019 aus der EU austritt, soll der Bulli wieder in Deutschland sein.

Und warum Großbritannien und nicht Deutschland? Jana erklärt: "Bei uns gibt es keinen Umrüster, der sich so gut mit Tesla-Komponenten auskennt und auf 400-Volt-Basis arbeitet. Ich wollte ja aber einen E-Camper mit Schnelladefunktion haben."

Elektromobilität

Updates abonnieren und Dossier "E-Mobility" gratis erhalten.

Auch wenn es mit dem einfachen Umbau für Jedermann nicht geklappt hat: Zumindest die berechneten Maße für die Motorhalterung in ihrem T3 will Jana Höffner nun kostenlos ins Netz stellen. Für alle, die ihren VW T3 in Zukunft auch elektrisch nutzen wollen.

Und für all die verbastelten T3, die kein H-Kennzeichen bekämen, aber trotzdem noch in den Innenstädten von Stuttgart, Nürnberg, Frankfurt oder Hamburg (und wo sonst noch alles Fahrverbote drohen) unterwegs sein wollen. Vorausgesetzt, sie haben etwa 40.000 Euro übrig.

aio PLUS — diese Auszeichnung tragen nur unsere Premium-Artikel. Ausgewählt von der Redaktion. Und kostenlos für Sie.

Auch interessant

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.

Schließen