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Elektromobilität

Elektro-Skateboard selber bauen: Infos, Anleitung und Rechtslage

von Rudolf Ruschel

Die Elektrifizierung der Mobilität macht auch vor Skateboards & Co. nicht halt. Gute E-Boards kosten 1000 Euro und mehr. Die Alternative: selber bauen.

Ein Mann auf einem Mellow Board.
Auf dem selber umgebauten Elektro-Skateboard unterwegs – aber bisher nur auf Privatgelände. Foto: Mellow Boards GmbH

Das erfahren Sie gleich:

  • Was ein elektrisches Skateboard von einem normalen unterscheidet
  • Was es braucht, um ein Elektro-Skateboard selber zu bauen
  • Warum Electric Skateboards im Gegensatz zu E-Bikes nicht zugelassen sind

Elektro-Skateboard, E-Board, oder Electric Skateboard – die Namen sind verschieden, meinen aber alle das gleiche: ein Skateboard mit elektrischem Antrieb. Statt wie üblich dem Fuß die Beschleunigung zu überlassen, treibt ein kleiner Elektromotor samt Lithium-Ionen-Akku unterhalb des Brettes die Rollen an.

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Er lässt sich entweder durch Gewichtsverlagerung oder via Fernbedienung bzw. Remote-App steuern. Bis zu 48 km/h schnell fahren einige dieser Elektro-Skateboards, sind darüber hinaus häufig spritzwassergeschützt und teilweise sogar geländetauglich.

Der Markt in diesem Bereich wächst stetig. Immer neue Marken und Hersteller wollen ihre elektrifizierten Skateboards, Longboards und Scooter unter die Füße bringen. Sogar auf Crowdfunding-Plattformen wie Kickstarter lassen sich manche Enthusiasten ihre Projektideen finanzieren. Es gibt einige Hersteller, die bereits fertige aber zumeist teure elektrische Boards im Angebot haben.

Alternativ bieten andere Unternehmen praktische Umbau-Kits an, die auf fast alle gängigen Boards passen, egal welche Größe. Der Vorteil dabei: Idealerweise besitzt man bereits ein passendes Skate- oder Longboard, das nur noch eine Nachrüstung per Elektromotor benötigt.

Mellow Drive: Bausatz made in Germany

Neben Anbietern aus Asien, wie zum Beispiel Landwheel oder Onan, hat sich vor allem das deutsche Start-up Mellow Boards mit seinem Bausatz einen Namen gemacht. Der Antrieb, der sogenannte Mellow Drive, verwandelt normale Skateboards und Longboards in die entsprechende Elektro-Variante. Wer damit ein Elektro-Skateboard selber bauen will, braucht keinerlei technisches Vorwissen – alle dafür notwendigen Komponenten sind im Bausatz enthalten.

Im Lieferumfang enthalten sind der Elektromotor, ein Akku, das Ladegerät, eine Fernbedienung und Räder. Das Set lässt sich unter jedes Skateboard montieren. Einfach die hintere Achse des normalen Boards abschrauben und durch Mellow Drive ersetzen. Je nach Variante des Mellow Drive erreicht ein Mellow Board eine Geschwindigkeit von bis zu 40 km/h und 15 km Reichweite. Der leistungsstarke Motor mit 99-Wh-Akku beschleunigt mit drei Newtonmeter Drehkraft und kämpft sich selbst Straßen mit 20 Prozent Steigung hoch.

Gesteuert wird via Remote-Controller, eine eigens entwickelte Fernbedienung mit Schieberegler zum Gasgeben und Bremsen und einer rauhen Gummibeschichtung für bessere Griffigkeit und Handschlaufe. Eine speziell entwickelte Smartphone-App gibt darüber hinaus Einblick in Daten wie Akku-Stand, Reichweite und gefahrene Kilometer.

Der Elektro-Skateboard-Bausatz von Mellow gilt in der Szene als eines der beliebtesten Kits, um das eigene Board elektrisch upzugraden – zählt mit 1300 Euro Mindestpreis aber auch zu den teureren DIY-Vertretern. Dafür wirbt das Nachrüst-Set mit verschiedenen Zertifizierungen, wie IP65 gegen Wasser und Staub, und der Erlaubnis, es in Flugzeuge mitzunehmen. Die Akkus bezieht Mellow Boards laut Homepage zudem vom gleichen Zulieferer wie Tesla für ihre Elektroautos.

Die wichtigste Funktion: die Bremse

Ein Aspekt, der den Preis bei Elektro-Skateboards und vergleichbaren Vehikeln in die Höhe treibt, ist die Sicherheit. Bei Geschwindigkeiten an die 50 Kilometer pro Stunde stehend auf einem Brett sind zuverlässige Bremsen essentiell. Die Bremsen bei Elektro-Skateboards funktionieren elektronisch und nicht mechanisch wie bei Fahrrädern. Das heißt, sie benötigen Strom, um zu arbeiten.

Regenerative Bremswirkung – die sogenannte Rekuperation –, wie man sie von Elektroautos her kennen könnte, sorgt dafür, dass das Board beim Bremsen Energie zurückgewinnt. Dadurch soll immer ausreichend Energie vorhanden sein, um die Fahrt jederzeit mit Hilfe der eingebauten Bremsen zu stoppen – und nicht ungebremst in ein Hindernis zu rauschen.

Bei zu günstigen Elektro-Skateboards oder Nachrüstkits fehlen derartige technische Feinheiten. Das senkt zwar den Preis, geht aber Kosten der Sicherheit. Denn im im schlimmsten Fall reagiert die Bremsen dann gar nicht mehr, weil der Akku erschöpft ist.

Mit Anleitung zum Elektro-Skateboard

Wem das Anschrauben eines Fertig-Kits zu einfach ist, der kann nach dem “Do it yourself”-Prinzip auch komplett eigenständig ein Elektro-Skateboard selber bauen.

Der Youtuber Joel's Planet zum Beispiel hat sein E-Board selbst zusammengeschraubt. In seinen Tutorial-Videos erklärt er, wie aus dem normalen Longboard ein E-Longboard wird und geht dabei genau auf Details wie Motor, Antrieb oder Kosten ein.

Neben handwerklichem Geschick und geeignetem Werkzeug benötigt Joel für das Projekt vor allem folgende Bauteile:

  • Das passende Longboard
  • Lötkolben-Set
  • E-Skateboard Befestigung
  • Elektro-Motor mit ausreichend Watt-Power
  • ESC (Electric Speed Controller bzw. elektronischer Drehzahlregler)
  • Akku mit genügend Leistung für mehr Reichweite
    Ladestation
  • Fernsteuerung (am besten passend zur Größe der eigenen Hand)

Mit etwas weniger Elektro-Power, dafür aber noch günstiger hat sich Tim Maier seinen Traum vom E-Skateboard erfüllt. Der Informatikstudent hat sein elektrisches Longboard mit Hilfe des Mini-Computers Raspberry Pi, einem alten Nintendo Wii Controller und ein paar Einzelteilen aus dem Internet selber gebaut und sowohl Bauanleitung als auch Quellcode seines Projekts für Nachbastler ins Netz gestellt. Noch günstiger sind elektrische Longboards kaum zu haben – aber Kreativität und Einfallsreichtum kennen keine Grenzen.

Der Motor macht den Unterschied

Bevor man sich generell an das Projekt “Elektro-Skateboard selber bauen” wagt, sollte man sich vorab überlegen, welcher Antrieb den eigenen Anforderungen am ehesten entspricht. Grundsätzlich unterscheidet sich die Motorisierung in einem sogenannten Hub-Motor vom Riemen-Motor (englisch “Belt”).

  • Hub-Motoren treiben zum Beispiel die Mellow Boards an und werden direkt in den Rollen verbaut. Dadurch sind sie leiser, verschleißen langsamer und erlauben auch ein normales Fahren des Boards mit dem Fuß, wenn der Akku leer ist
  • Riemen-Motoren sind die ältere Variante und vor allem im Gelände die erste Wahl. Sie treiben das Electric Skateboard über einen Riemen an, wie man es von Verbrennermotoren kennt. Da der Riemen unterhalb des Boards verläuft, ist er anfällig für Schäden und natürlich ein Verschleißteil. Zudem ist ein Riemen-Motor lauter im Betrieb, hat dafür aber eine höhere Beschleunigung und bewältigt auch größere Steigungen

Beide Varianten finden in der Szene Fürsprecher und Kritiker. Idealerweise ist vorher klar, in welchem Umfeld das Elektro-Skateboard gefahren werden soll. Und: Probefahren erleichtert die Entscheidung.

Elektro-Skateboards sind nichts für die Straße

Mit einer Geschwindigkeit von mehr als 40 km/h spielt das Thema Sicherheit bei Electric-Skateboards eine wichtige Rolle – nicht nur für den Fahrer, sondern auch für andere Verkehrsteilnehmer. Helm, Handgelenk-, Knie- und Ellenbogenschoner sollten beim Fahren immer getragen werden und schützen bei Unfällen.

Bei etwaigen Sach- oder Personenschäden hilft das allerdings wenig, denn egal ob Elektro-Skateboard oder andere Boards mit Elektromotor: Der deutsche Gesetzgeber und Versicherungen können mit diesen Gefährten bislang noch wenig anfangen. Im Gegensatz zu E-Bikes, Pedelecs oder Segways dürfen Boards mit Elektroantrieb nämlich nicht am öffentlichen Verkehr teilnehmen, sondern ausschließlich auf Privatgelände gefahren werden, da sie keine Zulassung haben.

Wer ohne Zulassung auf einem Elektro-Longboard oder auf einem ähnlichen Elektro Gefährt erwischt wird, der muss mit einer Geldbuße, einem Punkt in Flensburg und einem Strafverfahren rechnen. Kommt es zu einem Unfall, haftet ausschließlich der Fahrer für Sach und Personenschäden.

Doch vor allem im Kontext der Elektromobilität finden Elektro-Skateboards immer mehr Gehör und Befürworter. Die sogenannte letzte Meile, also der Weg zwischen Haltestelle und Arbeitsstelle oder bis vor die Haustür lässt sich mit diesen im gesetzlichen Sprech "Elektrokleinstfahrzeugen" ideal bewältigen. Sie sind klein, handlich und lassen sich leichter als Fahrräder transportieren – wenngleich der E-Motor samt Akku natürlich auch ein paar Kilo mehr bedeuten.

Aktuell erarbeitet die Gesetzgebung deshalb entsprechende Richtlinien, um die Elektrokleinstfahrzeuge doch noch für den Straßenverkehr zulassen zu können. Eine Entscheidung darüber soll voraussichtlich noch 2018 fallen. Und Zeit wird’s: In anderen Ländern sind Elektro-Skateboards längst fester Bestandteil des Mobilitätswandels, der vor allem den ÖPNV entlasten könnte.

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