Elektromobilität

Elektro-Lkw: Bosch plant Vermietung an Baumärkten

von Paul Bandelin

Speditionen entdecken die Vorteile der Elektromobilität für sich. Den Transport von Waren sollen bald Elektro-Lkw und E-Lastenräder vereinfachen.

Auf einer dreispurigen Straße fahren links ein Lkw und rechts ein Pkw.
Da ist noch eine Lücke in der Elektromobilität: Nach den Pkw erreicht die Elektrifizierung jetzt auch die Lkw. Foto: Pexels/ Mikes Photos

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie die Bundesregierung Elektro-Lkw fördern will
  • Welche Elektro-Lkw Tesla und Daimler planen
  • Wo sich Privatpersonen einen Elektro-Lkw leihen
  • Wann Elektro-Lastenfahrräder eine Alternative sein können

Umsteigen auf Elektromobilität – das betrifft nicht nur Privatleute. Auch Speditionen und Lieferdienste beschäftigen sich derzeit intensiv mit dem Thema. Und jetzt nehmen Elektro-Lkw zusätzlich Fahrt auf. Denn Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat angekündigt, elektrisch betriebene Lastkraftwagen von der Lkw-Maut auszunehmen.

Der neue Audi e-tron

Der erste rein elektrische SUV von Audi.

Zur Vorbestellung

"Elektro-Lkw werden ab dem 1. Januar 2019 von der Lkw-Maut befreit. Dies ist ein großer Anreiz für Transport-Unternehmen, auf umweltfreundliche Fahrzeuge umzusteigen", sagte Scheuer gegenüber der "Süddeutschen Zeitung". Die Speditionen könnte mit dem Umstieg auf Elektro-Lkw jährlich einige Tausend Euro sparen. Doch auch für Privatpersonen sind die strombetriebenen Laster interessant.

Post setzt auf hauseigene StreetScooter

In der Zwischenzeit hat die Post schon echte Praxiserfahrungen mit ihrem Elektro-Lkw gesammelt – dem von der RWTH Aachen entwickelten Streetscooter. 5000 dieser Fahrzeuge fahren bereits auf den deutschen Straßen und bringen Pakete und Briefe an den Mann.

Unser Ziel können wir nur mit Elektroautos erreichen, weil Dieselmotoren für ständiges Anfahren und Anhalten eher weniger geeignet sind.

Post-Sprecher Rainer Ernzer

Die Deutsche Post will damit erreichen, bis 2025 rund 70 Prozent weniger CO² auszustoßen als noch im Jahr 2007 – und das trotz steigender Auftragslage. „Dieses Ziel können wir nur mit Elektroautos erreichen, weil Dieselmotoren für ständiges Anfahren und Anhalten eher weniger geeignet sind", sagt Sprecher Rainer Ernzer dazu.

Allerdings scheint die Post nicht nur positive Erfahrungen gesammelt zu haben. Laut "Welt" häufen sich insbesondere im Winter die Probleme. Hauptkritikpunkte: Nur rund 70 statt der versprochenen 100 Kilometer Reichweite, technische Mängel der Heizung und Ausfälle auf offener Strecke.

Laut dem Bericht liegen die Ausfälle im zweistelligen Prozentbereich. Die Post widerspricht in der "Welt" dieser Darstellung allerdings. Es gebe überhaupt kein Winterproblem mit dem Streetscooter. In den kommenden Jahren soll die Flotte von 5000 auf bis zu 30.000 Fahrzeuge erweitert werden. Darunter auch der neue StreetScooter Work XL

Ein Streetscooter der Deutschen Post fährt auf einer mehrspurigen Straße
Ab geht die Post! Die Deutsche Post treibt den Ausbau ihrer Flotte von Elektro-Lkw massiv voran. Allerdings scheint es auch Probleme mit dem Streetscooter zu geben. Foto: Streetscooter/ Andreas Kuehlken

Bosch startet Streetscooter-Vermietung an Baumärkten

Künftig sollen auch Privatpersonen von den elektrischen Lkw profitieren. Durch ihre Größe und den Aufbau eignen sie sich etwa für den Transport von sperrigen Waren aus Möbelhäusern oder Baumärkten. An letzteren sollen ab Dezember erste Streetscooter zum Einsatz kommen.

Bosch plant an fünf Toom-Baumärkte der Standorte Berlin, Frankfurt, Leipzig, Troisdorf und Freiburg Fahrzeuge anzubieten. Kunden sollen entweder bereits im Vorfeld eine Reservierung aufgeben oder einen der E-Lkw kurzfristig leihen können – immer per App. Die Rückgabe muss am jeweiligen Baumarkt erfolgen, die Berechnung erfolgt pro Stunde.

Die Standorte sind nicht zufällig gewählt, denn hier existiert bereits die passende Infrastruktur in Form von Ladesäulen. Sollte der Service des Antriebs-Zulieferers Bosch gut ankommen, könnten in Zukunft viele weitere Baumärkte und Geschäfte aus anderen Bereichen folgen.

Ein ähnliches System erproben bereits Fahrzeugvermieter Hertz und das Möbelhaus Ikea an drei Standorten. In Frankfurt, Kamen und Wallau gibt es elektrische Transporter der Firma SAIC Motors zum Verleih.

Diese Lkw fahren rein elektrisch

Die Hersteller der elektrischen Lkw liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Vorherrschaft auf den Straßen der Zukunft. Die IAA Nutzfahrzeuge 2018 in Hannover machte das erneut deutlich. Zahlreiche neue Modelle waren auf der Messe zu sehen, die sich zu den bisher angekündigten Lastkraftwagen gesellen.

MAN CitE & eTGM

Nutzfahrzeughersteller MAN plant elektrische Lkw für jedes Logistik-Segment. Der kompakte CitE ist ein 15-Tonner für die Stadt, etwa für den Verteilerverkehr. Die Münchner rechnen mit einer Reichweite von rund 100 Kilometer pro Aufladung.

Um den Fahrern einen möglichst komfortablen Einstieg zu ermöglichen, ist die Einstiegshöhe niedrig gehalten. Auch breite Türen sollen das häufige Ein- und Aussteigen erleichtern. Zum Rangieren in engen Straßen ist eine 360-Grad-Kamera an Bord. Noch ist der CitE ein Prototyp, doch schon ab 2020 soll eine Demonstrationsflotte durch deutsche Großstädte rollen.

Der eTGM ist die elektrifizierte Version des beliebten mittelschweren Lkw aus dem Angebot des Herstellers. Er kommt mit drei Achsen und ist auf ein Gesamtgewicht von 26 Tonnen ausgelegt. Der Elektromotor kommt auf 264 kW und 3100 Nm Drehmoment. Erste Probefahrten tritt der eTGM noch im Herbst 2018 an.

VW e-Delivery

Einen elektrischen Verteiler-Lkw gibt es bald auch bei VW. Der hört auf den Namen e-Delivery und entsteht in Brasilien. Die Entwicklung übernahmen jedoch die Nutzfahrzeug-Experten in Hannover.

Geplant ist der e-Delivery in Gewichtsklassen von 3,5 bis 13,5 Tonnen. Die Reichweite soll maximal 200 Kilometer betragen. 30 Länder plant VW mit dem Elektro-Lkw zu beliefern – darunter wohl auch Deutschland.

DAF CF & LF Electric

Aus den Niederlanden kommen die E-Laster CF Electric und LF Electric von DAF. Sie sollen den mittelschweren und schweren Verteilerverkehr in Städten übernehmen. Der CF Electric ist mit einem Gesamtgewicht von 37 Tonnen sogar für zweiachsige Auflieger zu haben. 240 kW leistet der Elektromotor. Die Reichweite beträgt laut DAF rund 100 Kilometer.

Der kleinere LF Electric schafft insgesamt 19 Tonnen. Die Leistung beträgt hier sogar 250 kW, der Akku soll für satte 220 Kilometer reichen – bei voller Ausladung. Erste Tests des großen Trucks CF Electric soll es noch 2018 geben, eine Probephase für den LF Electric ist für 2019 geplant.

E-Fuso Vision One

Die Daimler-Tochter Mitsubishi Fuso Truck and Bus Corporation (MFTBC) stellte bereits Ende 2017 den E-Fuso Vision One vor. Er kommt auf ein zulässiges Gesamtgewicht von 23 Tonnen, bei 11 Tonnen Zuladung.

Der Akku kommt auf 300 kWh und soll für 350 Kilometer reichen. Die Produktion soll in Japan, Europa und den USA erfolgen. Vor 2021 dürfte der elektrische Lkw jedoch nicht über die Straßen rollen.

Scania O-Lkw

In Schweden, Deutschland und Italien laufen bereits erste Tests mit Oberleitungen auf Autobahnen. Sie sollen elektrische Lkw während der Fahrt mit Strom versorgen. Natürlich braucht es dafür eine entsprechende Ausstattung der Fahrzeuge.

In Zusammenarbeit mit Siemens hat Scania einen G 360 zum Elektro-Truck umgerüstet. Bei einer Fahrt über eine Strecke mit Oberleitungen fährt der Stromabnehmer aus und holt sich frischen Saft. Ob das Konzept und damit auch der O-Lkw von Scania eine Zukunft hat, muss sich erst noch zeigen.

Mercedes-Benz e-Actros

Der „e-Actros“ von Daimler fährt gleich in zwei Gewichtsklassen – einmal 18 und einmal 25 Tonnen. Testkunden bekamen die ersten zehn Exemplare bereits im Februar geliefert und nutzen sie seitdem als Ergänzung zu ihrem Fuhrpark.

Die ausschließlich durch Strom angetriebenen Lastwagen sind für den schweren Verteilerverkehr in den Städten konzipiert und kommen auf eine Reichweite von 200 Kilometern. Zwei Jahre lang will Daimler Erfahrungen sammeln und den Lkw dann voraussichtlich ab 2021 in Serie bringen.

Volvo FL & FE Electric

Volvo hat einen vollelektrischen Lkw für den städtischen Lieferverkehr angekündigt. Der 16-Tonner heißt FL Electric, wird eine Reichweite von bis zu 300 Kilometern haben und soll an Schnellladestationen in ein bis zwei Stunden aufgeladen werden können. Der Volvo FL Electric soll 2019 zu den ersten Kunden rollen.

Für schwere Verteileraufgaben und die Abfallentsorgung ist der FE Electric gedacht. Er schafft bis zu 27 Tonnen, bei einer Maximalleistung von 370 kW. Die Batteriegröße passt Volvo an das Einsatzgebiet an. Möglich sind 200 bis 300 kWh, bei einer maximalen Reichweite von 200 Kilometer. Der Verkaufsstart ist ebenfalls für 2019 geplant.

Auch autonomes Fahren ist ein Thema

Die reine Elektrifizierung der Lkw scheint manchen Herstellern nicht zu reichen. Langfristig soll auch im Transportwesen autonomes Fahren ein Thema sein. Aus Sicht der Speditionen ist das natürlich eine positive Entwicklung, denn sie sparen an Löhnen und sind nicht mehr an Ruhezeiten gebunden. Auf der Strecke bleiben dabei natürlich die Arbeitnehmer.

Tesla Semi

Es begann mit Teslas Elektro-Lkw „Semi“: Laut CEO Elon Musk kann er pannenfrei eine Million Meilen (rund 1,6 Millionen Kilometer) zurücklegen. Die Ladezeit des Vehikels beträgt lediglich eine halbe Stunde, und der Frachtpreis ist rund ein Drittel günstiger als bei Dieselmotoren. Bei einer maximalen Ladung von 40 Tonnen beträgt die Reichweite 800 Kilometer.

Besonders die Konvoifunktion klingt für Speditionen spannend: Ein einzelner Fahrer – der lediglich eine Kontrollfunktion einnimmt – soll in der Lage sein, drei der Lkw sicher über die Straßen zu lenken.

Für Tesla ist der Semi bereits zwischen der Gigafactory in Nevada und dem Autowerk in Kalifornien im Einsatz. Die Serienproduktion soll 2019 beginnen.

Ford F-Vision

In direkte Konkurrenz zu Tesla tritt Ford mit dem F-Vision. Die Studie sieht nicht nur futuristisch aus, sondern soll auch Innovationen im Lkw-Segment zeigen. Für eine möglichst hohe Reichweite des Elektroantriebs setzt Ford auf ein schnittiges Design mit wenig Angriffsfläche für Fahrtwind.

Der Hersteller plant im F-Vision autonomes Fahren der Stufe 4. Damit ist der Laster auch auf längeren Strecken in der Lage, ganz ohne menschliche Steuerung zu fahren. Der Fahrer soll sich in der Zeit etwa ausruhen oder andere Aufgaben erledigen. Sogar ein Verdunkeln der Scheibe ist möglich. Weil es sich um ein Konzept handelt, ist eine Serienfertigung in dieser Form jedoch unwahrscheinlich.

Volvo Vera

Völlig ohne Fahrer und sogar Cockpit kommt die Studie Vera von Volvo aus. Dabei handelt es sich um eine Zugmaschine, die nur aus der zum Fahren notwendigen Technik besteht. Das Resultat ist eine besonders flache Bauweise.

Für den Einsatz auf öffentlichen Straßen ist Vera allerdings vorerst nicht gedacht. Vielmehr soll sie in Hafengebieten, Logistikzentren und an Güterbahnhöfen für Ordnung sorgen. Auflieger können so vollautomatisch auf den Geländen von A nach B rollen, was Zeit und Arbeitskraft spart.

Zunächst plant Volvo Tests über kurze Distanzen, auf denen Vera die immer gleichen Routen abfahren soll. Auf Basis der Erkenntnisse soll sich das System weiterentwickeln und später auch schwerer Aufgaben erledigen können.

Elektro-Lastenfahrräder als Alternative

In den Städten bietet sich noch eine andere Lösung für die Warenzustellung an, in zugegebenermaßen kleinerem Maßstab: das elektrische Lastenrad. Je nach Modell variieren die Ladefläche und die maximale Nutzlast – bis zu 300 Kilo sind aber keine Seltenheit.

Updates

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Durch die Unterstützung des Elektromotors ist eine Reichweite von bis zu 100 Kilometern möglich. Waren Lastenräder früher vornehmlich Tüftlern und Spezialisten vorbehalten, sind sie besonders in Zeiten der kommenden Dieselfahrverbote in Deutschland eine interessante Option für die Innenstädte.

Auch im Zuge der zunehmenden Elektrifizierung und der damit verbundenen größeren Popularität des Fahrrads gewinnen sie mehr und mehr an Bedeutung. Die Vorteile liegen auf der Hand: Mit einem Preis ab 2000 Euro sind elektrische Lastenfahrräder zwar teurer als normale Cargobikes, aber immer noch eine der günstigsten Formen der Elektromobilität.
Zudem eröffnet der zumeist modulare Aufbau der Ladefläche unterschiedliche Anwendungen.

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