Elektromobilität

Elektro-Lastenfahrrad im Sharing: Anbieter, Preise, Bedingungen

von
Daniela Pemöller

Wer ein E-Lastenrad nur gelegentlich braucht, kann auf immer mehr Verleihangebote und Sharing-Systeme zurückgreifen. Einige sind sogar kostenlos.

Die Räder von vier Fahrrädern im Anschnitt auf einem roten Straßenpflaster.
Die meisten Einkaufsfahrten sind weniger als drei Kilometer weit – und könnten auch mit dem Lastenrad erledigt werden. Foto: Shutterstock / Vera Larina

Das erfahren Sie gleich:

  • Welche Anbieter es für Lastenrad-Sharing gibt
  • Wie die Konditionen bei den verschiedenen Anbietern lauten
  • Welchen Beitrag Elektro-Lastenfahrräder für die Mobilitätswende leisten

Wer sich ein Elektro-Lastenrad kaufen möchte, muss ziemlich tief in die Tasche greifen. Auch wenn es immer mehr öffentliche Fördergelder für Lastenräder gibt, sind diese doch schnell vergriffen oder nicht für Privatpersonen geeignet. Dabei sind E-Lastenräder stark im Kommen. Immer mehr Unternehmen liefern mit E-Lastenrädern die Ware an ihre Kunden – und bringen so nebenbei die Elektromobilität voran.

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Hannes Neupert von extraenergy.org, der 2016 einen umfangreichen Lastenfahrrad-Test durchführte, sieht die Branche allerdings noch am Anfang eines rasanten Wachstums. Neupert: „Vor zwei Jahren gab es gerade einmal 20 Cargobike-Modelle. Heute sind es locker sieben Mal so viele. Bei den elektrischen Lastenrädern werden immer hochwertigere, technische Teile wie ABS verbaut. Da passiert gerade sehr viel.“

In vielen Städten gibt es Lastenräder kostenlos

Diese Erfahrung teilt auch Florian Egermann vom Verein „wielebenwir e.V.“ . Der Verein betreibt die Internetseite dein-lastenrad.de, die Infos zu kostenfreien Lastenrädern zur Verfügung stellt.

Auf dem Digitalkongress re:publica in Berlin hat Egermann die Erfahrungen seines Vereins mit Lastenrädern vorgestellt: „2013 haben wir uns mit dem Thema auseinander gesetzt. Wir wollten Lastenräder in die Städte bringen. Damals hätten wir kein Lastenrad beim Händler Probe fahren können. Darum haben wir Kasimir in Köln gegründet, Deutschlands erstes freies Lastenrad. “

Zahlreiche Städte folgten. Mittlerweile gibt es 86 Initiativen, gut 190 Freie Lastenräder in über 70 Städten in Deutschland, Österreich und Ungarn. Die lokalen Initiativen bieten ihre Bikes meist für ein bis drei Tage am Stück kostenlos zum Verleih. Um eine Spende wird gebeten. Meist erleichtert ein Online-Buchungskalender auf Basis der eigens entwickelten Open-Source-Software Commons Booking den Leihprozess.

Doch die meisten dieser kostenlosen Leihlastenräder sind nicht elektrisch angetrieben. Das liegt an den hohen Kosten. Experten gehen von den zweieinhalb- bis dreifachen Kosten gegenüber herkömmlichen Lastenrädern aus.

Ein Lastenrad von Kasimir steht in einem Innenhof.
Kostenlos: Kasimir gilt als das erste freie Lastenrad in Deutschland. Foto: Anna Goldt

„Transport-Pedelecs sind nicht nur in der Anschaffung deutlich teurer; die Stationen müssen auch mit Ladeinfrastruktur versehen werden, was allein durch die notwendigen Stromanschlüsse eine große Preissteigerung mit sich bringen kann“, heißt es in einem Ratgeber zu Transportrad-Mietsystem für Kommunen.

Der Ratgeber führt aus: „Selbst, wenn auf Ladestationen verzichtet wird und leere Akkus wie in einigen Pedelec-Systemen (z.B. Limebike) durch Servicemitarbeiter gegen volle Akkus ausgetauscht werden, fallen wegen dieses Mehraufwands höhere Wartungs- und Verkehrskosten an.“

E-Lastenrad im Sharing: Vorbild Donk-EE in Köln

Trotzdem haben sich die Gründer von Donk-EE in Köln getraut, ein solches System auf die Beine zu stellen. Wenn auch nicht kostenlos. Ihre Mission: Sie wollen Europas größter Verleih für E-Lastenräder werden. Gestartet ist das Projekt der Green Moves Rheinland GmbH & Co KG, einer 100-prozentigen Tochter des Ökostromanbieters Naturstrom AG, Anfang 2017.

Mittlerweile können die Nutzer rund um die Uhr 60 Cargo-E-Bikes an 52 Stationen in Köln ausleihen. Anders als beim Carsharing müssen die Lastenräder allerdings in die Nähe oder an ihre Stationen zurückgebracht werden, damit sie dort wieder aufgeladen werden können.

Nach einer Anmeldepauschale von 20 Euro zahlen Mitglieder 3,50 Euro für die erste angefangene Stunde, für die zweite bis fünfte Stunde sind es je 2,50 Euro. Jede weitere Stunde danach kostet dann nur noch 1,50 Euro.

Mittlerweile haben sich rund 2000 Nutzer angemeldet. Der Firmenname Donk-EE setzt sich aus dem englischen Wort "Donkey" für Esel und der Abkürzung "EE" für "Erneuerbare Energien" zusammen. Freigeschaltet werden die E-Bikes über eine App. Abgerechnet wird monatlich.

Stationen sind nicht nur Fahrradgeschäfte, sondern auch Cafés oder diverse Lebensmittelgeschäfte. Die Reichweite eines jeden Lastenrads beträgt 75 Kilometer, das Ladegewicht etwa 100 Kilo. Die Räder verfügen über Kindersitze und Regenschutz.

Elektrisches Lastenrad: Sharing-Anbieter in Deutschland

Das Kölner Modell ist nicht das einzige Projekt dieser Art. 2019 will auch das StadtRad in Hamburg (verwaltet durch die Deutsche Bahn Connect, einer Tochterfirma der Deutschen Bahn) E-Lastenräder anbieten.

Innerhalb der kommenden fünf Jahre sollen 70 elektrisch unterstützte Lastenfahrräder in das Leihsystem integriert werden. Ab Frühjahr 2019 geht es zunächst mit 20 Rädern los. Die Konditionen:

  • Entnahme und Rückgabe an derselben Station
  • Kunden zahlen fünf Euro Grundpreis jährlich
  • Die ersten 30 Minuten sind kostenlos, ab der 31. Minute kostet die Fahrt acht Cent pro Minute im Tarif des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV) und zehn Cent pro Minute im Normaltarif.
  • Der Tagespreis für die E-Lastenräder beträgt 24 Euro.
  • Außerdem wird eine Reservierungsgebühr von drei Euro fällig, die StadtRad auf die Fahrtkosten anrechnet

Auch der deutsche Fahrradverleih Nextbike baut seine E-Cargoflotte aus. In Norderstedt gehen Anfang nächsten Jahres 15 Räder an den Start. Auch hier ist die erste halbe Stunde kostenlos, danach ein Euro pro halbe Stunde und neun Euro für den ganzen Tag.

Die Stadtwerke Osnabrück bieten seit August ihren Bürgern drei E-Cargos an. „Wir wollen dir die Möglichkeit bieten, ein Lastenrad zu leihen und zu testen – und das in der Pilotphase kostenlos. Unsere E-Lastenräder sollen das Auto ersetzen und damit langfristig den öffentlichen Parkraumbedarf im Stadtgebiet von Osnabrück vermindern“, heißt es auf der Webseite.

Am 1. Mai 2018 ist das neue Fahrrad-Verleihsystem RegioRadStuttgart an den Start gegangen. Die blaue Flotte soll im April 2019 um zehn E-Lastenräder erweitert werden. Auch die Initiative Freies Lastenrad Stuttgart e.V., die von der Stadt unterstützt wird, bietet sieben verschiedene E-Cargo-Bikes kostenlos zum Leihen. Der Verein finanziert sich über Spenden. Im Oktober verkündete die Stadt Celle, dass sie die Anschaffung von E-Lastenrädern fördern will.

Lastenräder: Sharing-Anbieter im Ausland

Im Ausland startete im Frühjahr 2018 Cargoroo in den Niederlanden. Das elektrische Nachbarschaftsrad verfügt über zehn E-Cargo-Bikes in Haarlem bei Amsterdam. Die erste Stunde kostet hier fünf Euro, danach sind es 3,50 Euro. Die Tagesgebühr beträgt 20 Euro.

Ganz großer Vorreiter ist aber das Schweizer Unternehmen Carvelo2go. Was vor gut drei Jahren an 18 Mietstationen in Bern begann, ist heute ein schweizweites Angebot mit 252 „Carvelos“ in 53 Städten und Gemeinden. Damit ist carvelo2go das weltweit erste und nach wie vor größte Sharing-Angebot für elektrische Cargo-Bikes.

Seit 2015 hat sich die Anzahl der Nutzer und Nutzerinnen alljährlich verdoppelt auf aktuell 10.791. Das Abo kostet 90 CHF pro Jahr (knapp 80 Euro) und lohnt sich somit schon ab fünf Tages- oder drei Wochenendnutzungen. Mit dem carvelo2go-Abo bezahlt der Nutzer für jede Buchung nur den halben Preis, also 1 CHF pro Stunde (0,89 Euro) zwischen 8 und 22 Uhr.

Studie zeigt hohes Potential für E-Lastenräder

Eine Studie des Fraunhofer Instituts fand heraus, dass der Personenverkehr in Deutschland zu einem Drittel aus „Einkaufs- und Erledigungsfahrten“ besteht. Diese belaufen sich oft auf Fahrten von höchstens drei Kilometern und könnten somit ohne weiteres mit dem Fahrrad erledigt werden.

Zum jetzigen Zeitpunkt gehen Experten davon aus, dass Transportrad-Mietsysteme ohne öffentliche Förderung oder weitreichendes Sponsoring jedoch nicht wirtschaftlich betrieben werden können.

Sophia Becker, Wissenschaftlerin am Institut für Tranformative Nachhaltigkeitsforschung in Potsdam, erklärte auf der Digital-Konferenz re:publica in Berlin, wie sinnvoll Miet-Lastenräder generell sind: „Um die Verkehrswende zu vollziehen, muss sich nicht nur technologisches etwas verändern, sondern auch das persönliche Verhalten. Weltweit werden 700 bis 1000 kommunale Bike-Sharing Systeme betrieben, um das Fahrrad als Alternative zum Auto zu betreiben. Doch nur rund zehn davon sind mit Lastenrädern ausgestattet.“

Lastenräder sind wichtig. Schließlich sind 20 Prozent der Wege von Privatpersonen mit Transportbedarf verbunden.

Sophia Becker, Institut für Tranformative Nachhaltigkeitsforschung

In einer Studie von 2016 haben die Forscher 931 Nutzer der Freien Lastenräder deutschlandweit gefragt, wie sie die Fahrt ohne das Cargobike gemacht hätten. Gut 46 Prozent sagten, sie wären mit dem Auto gefahren. Laut Studie konnten somit 425 Autofahrten vermieden werden.

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Hochgerechnet auf alle Freien Lastenräder (Stand 2016) wären das 4058 vermiedene Autofahrten von knapp 52.605 Kilometer Länge. „Damit wurden knapp neun Tonnen CO2-Emissionen direkt vermieden“, sagt Sophia Becker. 94 Prozent der Befragten wollen die Leih-Lastenräder wieder nutzen, nur 35 Prozent würden ein eigenes Lastenrad kaufen.

Mit E-Cargobikes könnten vielleicht noch mehr Menschen zum Umsteigen ermuntert werden. Der Blogger und Cargobike-Lobbyist Arne Behrensen meint jedoch: „Es sollte aber geguckt werden, wo ich als Kommune speziell Geld in E-Cargobikes stecke. Im hügeligen Stuttgart ergeben Zusatzkosten für den elektrischen Antrieb und die Ladeinfrastruktur mehr Sinn als im flachen Hamburg. Hier hätte das Geld auch gut in eine größere Flotte unmotorisierter Cargobikes mit freier Stationswahl gehen können."

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